Stand: 14.06.2019 11:52 Uhr

Große Pötte bestaunen am Nord-Ostsee-Kanal

Seit mehr als 100 Jahren erspart der Nord-Ostsee-Kanal Schiffen den langen Weg um die Nordspitze Dänemarks. Das freut nicht nur die Kapitäne auf dem Weg von Meer zu Meer, sondern auch Seh-Leute an Land. Ihnen bieten sich spektakuläre Perspektiven, wenn riesige Frachter oder Luxusliner durch das schleswig-holsteinische Binnenland zwischen Kiel und Brunsbüttel gleiten. So hat sich der Kanal zu einem beliebten Ausflugsziel mit entsprechender Infrastruktur entwickelt: Auf befestigten Wegen an beiden Ufern kommen Radfahrer und Spaziergänger den Schiffen fast zum Greifen nah und viele Lokale mit Kanalblick locken auch bei schlechtem Wetter Schaulustige an.

Von der Elbe bis zur Förde

Kilometerlange Brücken queren den Kanal

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Sind Sie ein Kanal-Kenner?

Er führt quer durch Schleswig-Holstein und ist die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Wie gut kennen Sie den Nord-Ostsee-Kanal? Testen Sie es im Quiz! Quiz

Wer den Kanal auf maritime Art kennenlernen möchte, kann selbst auf ein Schiff steigen. Mehrere Reedereien haben Touren unterschiedlicher Länge im Programm. Die Chance, mächtigen Schiffen zu begegnen, ist groß: Im Jahr 2018 passierten knapp 30.000 Schiffe - Sportboote nicht mitgerechnet - den fast 100 Kilometer langen Kanal. Damit gilt er als meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Von Mai bis Oktober sind besonders viele Passagierschiffe zwischen Nord- und Ostsee unterwegs, darunter auch viele Luxusliner.

Für herrliche Ausblicke auf den Kanal sorgen die zehn Brücken. Die teilweise spektakulären Bauwerke heben sich hoch aus der flachen Landschaft, damit Schiffe mit bis zu 40 Meter hohen Aufbauten den Kanal nutzen können. Als interessanteste Brücken gelten die Levensauer Hochbrücke sowie die Eisenbahn-Hochbrücke Hochdonn mit einer Gesamtlänge von 2,2 Kilometern und in Rendsburg mit 2,5 Kilometern. Den Längenrekord hält mit 2,8 Kilometern jedoch die Straßenbrücke im Verlauf der Bundesstraße 5 bei Brunsbüttel.

Auf dem Weg von Rauma (Finnland) nach Bremerhaven, durch den Nord-Ostsee-Kanal: Die "VERA RAMBOW". © NDR/Ulrich Patzwahl

Nord-Ostsee-Kanal - Seefahrt unter Druck

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Drei Männer - ein Schiff: Ein Kapitän, ein Lotse und ein Verkehrsplaner sorgen für die sichere Passage der "Vera Rambow". Schließlich geht es durch den engen Nord-Ostsee-Kanal.

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Rendsburg: Hochbrücke mit Schwebefähre

Die imposanteste Kanalbrücke steht in Rendsburg: Die 42 Meter hohe Stahl-Konstruktion wurde von 1911 bis 1913 erbaut und gilt noch heute als eine der bedeutendsten und größten Brücken Europas. An ihrem höchsten Punkt befindet sich eine Aussichtsplattform, von der Besucher einen großartigen Ausblick auf die Wasserstraße und das Umland haben. Führungen zur Plattform finden von Mai bis September jeweils sonntags um 14 und um 15.30 Uhr statt (Infos unter 04331/211 20).

Gleich neben der Eisenbahnbrücke am nördlichen Kanalufer empfängt eine Begrüßungsanlage täglich von 10 bis 20 Uhr alle Schiffe mit Flagge und Nationalhymne ihres Heimatlandes.

Rudermarathon mit Spitzenbooten

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Groß trifft Klein: Beim Ruder-Marathon haben die Achter Vorfahrt.

Ein Highlight für Sportfreunde ist der Schleswig-Holstein Netz Cup der Ruderer auf dem Nord-Ostsee-Kanal, der jährlich im Herbst stattfindet. Er gilt als härtester Ruder-Marathon der Welt, bei dem 12,5 Kilometer gefahren werden. Hochkarätige internationale Achter-Teams messen ihre Kräfte auf der Strecke von der Fähre Breiholz bis zum Ziel an der Eisenbahnbrücke in Rendsburg.

Freibad mit Aussicht auf Traumschiffe

Wer sich im Sommer mit einem Bad im Kanal erfrischen möchte, kann dies in "Klein Westerland" tun, der einzigen Badestelle an der internationalen Schifffahrtsstraße. Sie liegt in Hochdonn, etwa zwei Kilometer nördlich der Hochbrücke. Dort gibt es auch einen Campingplatz.

Wie funktionieren die Schleusen?

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Die riesigen Schleusen - wie hier in Kiel-Holtenau - sind in die Jahre gekommen und werden saniert.

Nicht nur der Kanal, sondern auch die Schleusen sind sehenswert. Sie bestehen derzeit an beiden Enden aus je zwei Doppelschleusen. Allerdings sind sie inzwischen sehr alt, zum Teil marode und werden über Jahre saniert. Die kleineren, älteren Schleusen stammen noch aus dem Jahr 1895, die größeren "neuen" Schleusen sind von 1914. Um die vorhandenen Schleusen zu entlasten und damit es während der Sanierung der alten Schleusen nicht zu Engpässen kommt, wird in Brunsbüttel eine fünfte Schleusenkammer gebaut. Frühestens 2024 soll sie eingeweiht werden.

In Brunsbüttel bietet das Kanalmuseum Atrium Besuchern die Möglichkeit, alles über die Funktionsweise der riesigen Anlage zu erfahren. Außerdem finden regelmäßig Führungen statt. In Kiel-Holtenau gibt es wegen Sanierungsarbeiten derzeit keine Führungen. Von Sonnenaufgang bis zum Einbruch der Dunkelheit hat allerdings eine Aussichtsplattform geöffnet, die einen direkten Blick auf die großen Schleusen, die Holtenauer Hochbrücke und den Binnenhafen bietet.

Der Kanal in Zahlen

Länge: 98,6 Kilometer
Eröffnung: 21.6.1895
Brücken: 10
Wasserbreite: 162 Meter, stellenweise 102,5 Meter
Breite der Sohle: 90 Meter, stellenweise 44 Meter
Wassertiefe: 11 Meter
Schleusen: Die älteren Schleusen haben eine Länge von 125 Metern und sind 22 Meter breit, eine Schleusung dauert 30 Minuten. Die neueren Schleusen sind 310 Meter lang und 42 Meter breit, hier dauert eine Schleusung 45 Minuten.
Passagen 2018: knapp 30.000
Fahrzeit für Schiffe: etwa acht Stunden
Höchstgeschwindigkeit: 15 km/h
Beispiel Streckenvorteil: Bremen-Kiel: Um Skagen (Dänemark) herum: 602 Seemeilen, durch den Kanal: 169 Seemeilen.

Karte: Nord-Ostsee-Kanal von Kiel bis Brunsbüttel
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Dieses Thema im Programm:

die nordreportage | 20.05.2019 | 18:15 Uhr

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