Wolfgang Draeger © picture alliance / dpa | Daniel Bockwoldt
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AUDIO: Wolfgang Draeger ist tot - die Stimme von Woody Allen (1 Min)

Wolfgang Draeger ist tot - die Stimme von Woody Allen

Stand: 25.01.2023 12:16 Uhr

Der Hörspiel- und Synchron-Sprecher Wolfgang Draeger ist tot. Das teilten seine Kinder Sascha Draeger und Kerstin Draeger auf Instagram mit. Das Hörspiellabel Europa bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch den Tod des Hamburgers.

Draeger war die deutsche Synchron-Stimme des US-Schauspielers Woody Allen. Bis zu Woody Allen habe er Komplexe gehabt, dass er als Synchronsprecher nicht gut genug sei, sagte Wolfgang Draeger 2015 im Dokumentarfilm "Das Kino hat mich gerettet". "Meine Stimme war nicht so rund und ich konnte keine Liebhaber sprechen", erinnert sich Draeger. "Woody Allen hat im Original aber auch keine Stimme, die man sich bei einem Liebhaber vorstellen kann." Im ersten Film "Pussycat" habe er ihn gesprochen und dann sei er in der Folge immer wieder als Allens Stimme besetzt worden. "Ich habe meine eigene Unsicherheit mit in die Rolle gebracht", sagt Draeger. "Wenn ich stottern kann, wenn ich die Rolle erfühlen kann: Da liegen meine Stärken."

Die Stimme von Bibo in der "Sesamstraße"

Nicht nur als Stimme von Woody Allen ist der Hamburger sehr bekannt - auch als Stimme in Kinder- und Jugendhörspielen. Seine prominenteste Rolle dürfte Kommissar Glockner aus der Serie "TKKG" gewesen sein. In der Hörspiel-Reihe "Die drei ???" trat Draeger Ende der 1980er-Jahre die Nachfolge von Horst Frank als Kommissar Reynolds an. In der "Sesamstraße" verlieh er dem gelben Vogel Bibo seine Stimme.

Vom verklemmten Schauspieler zum herausragenden Synchronsprecher

Zum Synchronsprecher wurde Wolfgang Draeger eher zufällig. Nach dem Zweiten Weltkrieg absolvierte er eine Schauspielausbildung am Konservatorium für Musik und Darstellende Kunst in Berlin-Reinickendorf. "Mein Schauspiellehrer merkte, dass ich sehr verklemmt war: Er gab mir aber keine Rollen, um sich freizuspielen, sondern machte mit mir Lyrik", erinnerte sich Draeger in "Das Kino hat mich gerettet". Eine Kollegin habe ihn dann an eine Synchronfirma vermittelt, bei der ihr Vater arbeitete und so habe er seine ersten Rollen gesprochen. "Das Synchron ist für mich erfunden worden", sagt Draeger. "Da bin ich nicht in der Öffentlichkeit, da arbeite ich im Dunkeln und kann zeigen, was ich kann. Ich muss mich nicht selbst darstellen." Seit 1980 lebte Draeger in Hamburg. Nun ist er im Alter von 95 Jahren gestorben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 25.01.2023 | 11:20 Uhr

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