Wasserburg Divitz: Langsames Ende des Dornröschenschlafs

Stand: 14.06.2021 18:06 Uhr

Seit 2016 hat die Denkmalinitiative "Europa Nostra" die verfallene Wasserburg Divitz zwischen Ribnitz-Damgarten und Stralsund zu den 14 europaweit am meisten gefährdeten Baudenkmalen eingeordnet. Nun wurde über sie auf einem Symposium beraten.

von Juliane Voigt

Der Putz bröckelt. In den weitläufigen Räumen der Burg lässt es sich nicht mehr wandeln. Es ist ein Balancieren über morsche Dielen, zwischen Absperrbändern. Der Hausschwamm breitet sich aus. Es regnet rein.

Der Bauforscher Dirk Brandt sieht allerdings auch hier noch etwas glitzern. Eine verblichene Wandbemalung: "Wir befinden uns hier in einem der Räume des Schlosses Divitz, die im 18. Jahrhundert neu ausgestattet worden sind, mit einer prächtigen Ausmalung. Was wir noch nachweisen können, ist eine Malerei im unteren Bereich, die illusionistisch Holzpaneele darstellt. Sie sehen ja, wenn Sie durchs Haus gehen, in welcher Notlage es sich befindet. Wir haben hier einen richtigen Notfall."

 Zeitgeschichte an der Fassade der Wasserburg Divitz ablesbar

Deshalb sind am Wochenende knapp 20 renommierte Wissenschaftlerinnen und Denkmalschützer zu der Divitz-Konferenz nach Barth gekommen. Alle haben die Wasserburg zu ihrer Sache gemacht. Denn sie sei etwas ganz Besonderes, sagt die Architekturhistorikerin Sabine Bock, die sich mit der Baugeschichte solcher Herrschaftssitze im gesamten Ostseeraum beschäftigt: "Im 16. Jahrhundert, wo der erste Kernbau hier entstanden ist, ist der Ostseeraum eine große kulturelle Einheit gewesen. Die Ostsee war die Autobahn und die Informationen sind mit den Menschen über die Ostsee sehr beweglich gewesen. Also können wir Divitz weit über Mecklenburg-Vorpommern einordnen. Das ist eine Situation, die Sie im Ostseeraum nicht sehr oft finden."

Frühe Teile der Burg sind aus der Renaissance, der Turm aus dem Mittelalter. Im 18. Jahrhundert wurde weitergebaut, das Herrenhaus im 19. Jahrhundert noch einmal vergrößert. Alles ist von außen wie an einem Baukasten ablesbar. Und so soll es als Denkmal auch erhalten werden, wünscht sich Gerd Albrecht vom Förderverein bei der Besichtigung: "Das ist der alte Anbau. Und dann kommt der Anbau aus dem 19. Jahrhundert. In der romantischen Zeit haben die auch mehr von Romantik geträumt und wenig von soliden Gründen, das rutscht alles ab. Das habe ich in der Botanik gelernt: Wir müssen uns um unsere Wurzeln kümmern und das meine ich auch historisch."

20 Millionen Euro von Bund und Land zur Rettung in Aussicht gestellt

Schuttberg vor der Wasserburg Divitz © IMAGO / BildFunkMV
Die Wasserburg Divitz hatte schon mal schönere Zeiten erlebt.

Der Hilferuf ist bei der Politik angekommen. 20 Millionen Euro haben Bund und Land inzwischen in Aussicht gestellt. Jetzt heißt es, das Gebäude zu sichern. Und dann wirklich zu bauen. Wann es losgeht, steht noch nicht fest. Aber auch der Park wartet auf Hilfe, sagt der Greifswalder Landschaftsarchitekt Stefan Pulkenat: "Wir haben in Divitz eine der besterhaltenen Parkanlagen von Gustav Meyer aus dem 19. Jahrhundert. Dieser Park zeichnet sich durch ganz minimale Veränderungen aus, ansonsten ist der originale Gehölzbestand recht gut, er ist nur völlig verwildert durch fehlende Pflege."

Die Barther Konferenz hat sich auch mit einer möglichen Nutzung befasst. Mit dabei auch Robert Uhde von der Sommer-Remise, bei der Schlösser und Herrenhäuser im Land besichtigt werden können: "Ich sehe eher ein Zentrum für Wissensvermittlung. Ich sehe kein Hotel. Hier sehe ich Landesgeschichte, die vermittelt werden muss. Insofern halte ich Divitz für eine Perle, die braucht ihre Zeit."

Erstes Ziel: Bundesgartenschau 2025 in Rostock

500 Jahre war sie Herrschaftsresidenz, jetzt hat sie andere Aufgaben. Und die wird sie mit Hilfe ihres Vereins schon finden, sagt Gerd Albrecht: "Ich wünschte mir, dass es das steinerne Gedächtnis der Region bleibt, aber ein lebendiges Gedächtnis. Und damit es lebt, soll es die Fragen beantworten, die wir uns hier stellen. Es soll eine lebendige Nachhaltigkeitswerkstatt werden, ein Ort zum Denken, eine Akademie, ein Ort der Begegnung von Menschen untereinander."

Erstes Ziel ist die Bundesgartenschau 2025 in Rostock. Der Verein bewirbt sich jetzt darum Außenstelle zu werden. Die Burg soll bis dahin gesichert sein, und die große Parkanlage rund um die Burg wiederhergestellt. Mit Burggraben, Küchengarten, Rosenhecken und den dicken alten jahrhundertealten Eichen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 14.06.2021 | 19:00 Uhr