Stand: 09.09.2018 12:28 Uhr

Staatsoper Hamburg: "Così fan tutte" mit Vollgas

von Dagmar Penzlin

Wenn der Regisseur Herbert Fritsch zu Werke geht, dann darf man Ungewöhnliches erwarten. Mit seinem körperbetonten Theaterstil voller Slapstick hat er schon so manches Mal Aufsehen erregt. So war die Spannung vor seinem Regie-Debüt an der Staatsoper Hamburg groß. Zum Saisonauftakt stand am Samstagabend die abgründige Liebeskomödie "Così fan tutte" von Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Spielplan.

"Così fan tutte": Die Schule der Liebenden

Gelacht wird viel im Laufe dieses Liebesexperiments: Aus Verlegenheit und Panik, aus Lust und auch immer wieder aus Spaß an der Hinterlist. Motor im amourösen Verwirrspiel ist Don Alfonso. In der Inszenierung von Herbert Fritsch schleicht und wippt er wie ein böser Clown über die Bühne. Das weißgeschminkte Gesicht mit den roten Wangen verzieht er gern zum diabolischen Grinsen, die Hände in weißen Handschuhen weisen seinen jungen Freunden immer wieder vielsagend den Weg. Guglielmo und Ferrando haben sich auf eine Wette eingelassen: Don Alfonso zweifelt, ob die Verlobten der beiden, Dorabella und Fiordiligi, treu sind.

Turbulenzen und viel Tempo

Den Treue-Test haben Wolfgang Amadeus Mozart und sein Textdichter Lorenzo da Ponte in "Così fan tutte" ohnehin mit viel Komik und Turbulenzen ausgestattet. In der Hamburger Neuproduktion geben jetzt alle noch mal richtig Gas. Nicht nur Don Alfonso rattert seine Rezitative teilweise in einem aberwitzigen Tempo runter, sondern auch das Geschehen stürmt voran - musikalisch mit flotten, federnden Tempi und szenisch wird nichts ausgelassen.

Verkleidet werben Guglielmo und Ferrando um Dorabella und Fiordiligi. Kostümbildnerin Victoria Behr steckt die beiden Männer dafür in Fransenanzüge und zottelige Kunstfellmäntel, dazu tragen sie Perücken mit hüftlangen Haarmatten. Klar, dass damit auch schön Headbanging funktioniert. Traten die Herren zuvor eher verklemmt auf, liegt jetzt Testosteron in der Luft: Offensiv werben sie verkleidet um die Frauen. Und die ringen um Fassung.

Mozart, der Menschenkenner

Regisseur Herbert Fritsch liebt körperbetontes Theater. In der Hamburger Neuproduktion von "Così fan tutte" bildet das Ensemble so die Energie der Musik, ihren Gestus, ab: Da wird gewippt und gehüpft, da schwingen Hüften und zucken Körper vor quietschbunter Kulisse, in zumeist quietschbunten Kostümen. In den musikalisch freieren Rezitativen stottern die Sänger oder dehnen Laute. All das passt zum Grundkonzept und auch zum Stück. Mozart, der Menschenkenner, hat hier eine zeitlose Studie zum Thema "Liebe, Treue und Verführbarkeit" komponiert. Mit viel Witz, aber auch psychologischem Tiefsinn. Und das ist eine Stärke der Inszenierung von Fritsch: Dass sie trotz hohem Grundtempo zur Ruhe kommen kann, wenn die Figuren in Arien ihr Seelenleben ausbreiten. Und wenn sie erkennen müssen, dass das Liebesexperiment aus dem Ruder läuft.

Der Tenor Dovlet Nurgeldiyev als Ferrando sorgte am Premierenabend mit seinem innigen Gesang für Gänsehaut-Momente: ein Schatz im Stammensemble der Staatsoper Hamburg und im stimmigen Solistensextett der "Così fan tutte"-Neuproduktion. Sébastien Rouland am Pult des bestens aufgelegten Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg sorgte für eine insgesamt geschmeidig pulsierende Aufführung. Ein Gute-Laune-Saisonauftakt - am Ende gab es viel Jubel und sehr langen Applaus für alle Beteiligten.

Bunt bekleidete Sängerinnen und Sänger auf der Bühne.

"Così fan tutte" - knallbuntes Opernspektakel

Hamburg Journal -

Mozarts Oper "Così fan tutte" ist fast 230 Jahre alt. Aber für die Hamburger Staatsoper hat Regisseur Herbert Fritsch das rasante Verkleidungsspiel ordentlich aufgepeppt.

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Staatsoper Hamburg: "Così fan tutte" mit Vollgas

Slapstick, quietschbunte Kostüme und zuckende Körper in der Staatsoper Hamburg: Regisseur Herbert Fritsch lässt es bei Mozarts "Così fan tutte" krachen. Zur Freude des Publikums.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Staatsoper Hamburg
Große Theaterstraße
20354  Hamburg
Telefon:
(040) 40 356 868
Preis:
8 - 195 Euro (je nach Kategorie)
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NDR Kultur | Klassikboulevard | 09.09.2018 | 13:20 Uhr

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