Stand: 30.09.2019 12:02 Uhr

Schauspielhaus: "Die Nibelungen" als Radioshow

von Heide Soltau

Nach "Effi Briest" von Theodor Fontane und "Anna Karenina" von Leo Tolstoi bringen Clemens Sienknecht und Barbara Bürk nun einen weiteren Stoff der Weltliteratur auf die Bühne des Deutschen Schauspielhauses: "Die Nibelungen". Auch diesmal wieder verfremdet "mit anderem Text und auch anderer Melodie", wie es im Untertitel heißt. Sienknecht und Bürk inszenieren ihn als Radioshow. Bei "Effi Briest" und "Anna Karenina" war das wunderbar aufgegangen - zur Gaudi des Publikums.

Lina Beckmann, Friedrich Paravicini, Clemens Sienknecht, Yorck Dippe in "Nibelungen" am Hamburger Schauspielhaus. © Matthias Horn, 2019

"Nibelungen": Heldensage als Unterhaltungsrevue

Kulturjournal -

Normalerweise sind die "Nibelungen" eine ernste Angelegenheit. Jetzt kommt der Stoff um Brunhilde, Kriemhild und Siegfried ganz anders auf die Bühne - als ironische Musikrevue.

4,5 bei 6 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Alles ist wie gehabt und das Ambiente vertraut: der Moderationstisch, die Sesselecke, das Fenster, der Fahrstuhl, das Klavier und die sieben Akteure in schrägen Kostümen, allesamt apart frisiert, die Männer langhaarig mit Zottelmähne oder Föhnfrisur. Auch der Plattenspieler steht wieder auf dem Couchtisch, wie auch schon bei "Effie Briest - allerdings mit anderen Texten und auch anderen Melodien", deren Inszenierung den beiden Autoren 2016 sogar eine Einladung zum Berliner Theatertreffen einbrachte.

Vor rund 800 Jahren wurde das Nibelungenlied niedergeschrieben, aber der Stoff ist älter. Es geht um Reichtum und Macht, Betrug, Neid und Kampf, Männer und Frauen, Liebe, Rache und Tod. Um die Paare Siegfried und Kriemhild, Gunther und Brunhild, den intriganten Hagen von Tronje, der Siegfried tötet, und um den Hunnenkönig Etzel.

Dem Publikum wird nicht nur eine Geschichte erzählt, es schaut den Akteuren dabei zu, wie diese Radio machen und wie eine Sendung entsteht. Es werden auch Geräusche hergestellt. Wenn etwa Hagen von Tronje Siegfrieds Körper mit einem Speer durchbohrt, drückt die Schauspielerin Ute Hannig auf einer Tüte Nüsse herum. Klingt ziemlich gruselig. Aber im Radio gibt es eben auch Werbung, genauso wie Nachrichten dazugehören.

Musik von Abba, Madonna und Richard Wagner

Eine zentrale Rolle spielt die Musik, die den Text untermalt, Stimmungen forciert und Akzente setzt. "Die Nibelungen - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie" sind ein intelligent durchkomponierter, vergnüglicher Abend. Die Autoren Barbara Bürk und Clemens Sienknecht bedienen sich bei Abba, AC/DC, den Backstreet Boys, Beethoven, Britney Spears, Madonna, Nirvana, Pink Floyd, The Police, Richard Wagner, Stevie Wonder und vielen vielen anderen. Herausragend ist das von Clemens Sienknecht vorgetragene Medley.

Bild vergrößern
Dem Publikum wird nicht nur eine Geschichte erzählt, es schaut den Schauspielern dabei zu, wie diese Radio machen und wie eine Sendung entsteht.

"Die Nibelungen - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie" ist nach "Effi Briest" und "Anna Karenina" nun schon die dritte Radioshow, die das Autorenpaar produziert. Das Konzept kommt an, es bringt Spaß, den Darstellerinnen und Darstellern Ute Hannig und Lina Beckmann, Michael Wittenborn, Markus John, Yorck Dippe, Clemens Sienknecht und Friedrich Paravicini beim Spielen und Musizieren zuzuschauen. "Effi Briest" freilich bleibt unübertroffen. Fontanes Roman ist reicher und lässt sich besser spielerisch darstellen. "Die Nibelungen" hatten im zweiten Teil doch einige Längen, was das Vergnügen aber nur ein bisschen schmälerte.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Echo am Morgen | 29.09.2019 | 09:20 Uhr

Mehr Kultur

04:52
NDR Kultur
05:00
Kulturjournal
04:07
Kulturjournal