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"Rheingold": Neuem Akin-Film fehlen Authentizität und Herzblut

Stand: 02.11.2022 09:04 Uhr

Fatih Akins neuer Film "Rheingold" erzählt die Geschichte des Rappers Xatar - vom Gefängnis bis zum erfolgreichen Musiker und Unternehmer.

von Bettina Peulecke

"Es waren sehr viele Drehorte, sehr viele Figuren, sehr viel Dekor und jeden Tag wurde das Projekt immer größer. Ich bin stolz darauf, die Übersicht behalten zu haben, und den Film jetzt hier zeigen zu können", sagte Fatih Akin bei der Premiere auf dem Filmfest Hamburg. Der Regisseur hat ein Faible für raue Stoffe, und das Leben von Xatar ist alles andere als sanft: Drogenhandel, Kleinkriminalität, bis hin zu einem spektakulären Goldraub, der ihn 2009 berühmt machte und für den er in den Knast ging.

Xatar ist aus der deutschen Hip-Hop-Szene nicht wegzudenken. Er hat mehrere eigene Labels, Stars wie Schwesta Ewa gefördert und drei Alben auf Platz 1 der Charts gebracht. 2015 veröffentlichte er seine Autobiografie "Alles oder Nix", auf der Akins Film "Rheingold" basiert.

Aus Giwar Hajabi wird der Rapper Xatar

Szene aus dem Film "Rheingold" von Fatih Akin © Warner Bros. Pictures Germany
Die ersten Jahre seines Lebens verbringt Giwar Hajabi als Sohn eines Musikprofessors und Komponisten im Iran und Irak, bevor die Familie nach Deutschland kommt.

Geboren wird der Rapper, der mit bürgerlichen Namen Giwar Hajabi heißt, im Iran. Sein Vater ist der Musikprofessor und Komponist Eghbal Hajabi. Nach der Islamischen Revolution flüchten seine Eltern Anfang der 1980er-Jahre zunächst in den Irak. Doch auch dort sind sie nicht sicher. Seine Eltern und der dreijährige Sohn kommen ins Gefängnis, wo seine Mutter gefoltert wird. Im Film sagt er, dass die ersten Erinnerungen seines Lebens die ans Gefängnis sind. Mit Hilfe des Roten Kreuzes kommt die Familie über Paris als Asylbewerber nach Bonn. Dort leben sie in einem Sozialbau am Rande der damaligen Hauptstadt.

Ein Raub bringt Xatar ins Gefängnis

Der junge Giwar strebt nach Geld und Ruhm. Das Gesetz der Straße ist unerbittlich. Er will nicht der sein, der verprügelt wird. Und so wird aus Giwar durch das Boxtraining Xatar. Nun verkörpert er Gefahr für die anderen. Drogen verticken gehört zum Alltag und durch einen Freund steigt er in größere Geschäfte ein.

Als er eine Ladung Flüssigkoks durch einen Auffahrunfall verliert, wird es brenzlig für ihn. Um dem Kartell den finanziellen Verlust zu ersetzen, plant er einen Raub bei einem Händler in Stuttgart, der Zahngold ankauft. Es geht um gut 100 Kilogramm Gold.

Der Raub gelingt, aber Xatar und seine Komplizen werden weltweit gesucht und gejagt. Schließlich landen sie im Gefängnis. Zwischenzeitlich hat Xatar auch seine Liebe zur Musik entdeckt, eine Zeit lang sogar Musikmanagement studiert. Hip-Hop ist sein Ding. Die Sache wird er im Knast verfolgen und in die Tat umsetzen.

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Emilio Sakraya spielt Xatar

Unter einer Decke, mit Diktiergerät in der Hand, rappt er seine Texte und schickt sie nach draußen. So entsteht sein erstes Album. Wieder auf freiem Fuß wird Xatar ein erfolgreicher Musiker und Unternehmer. Gespielt wird er im Film von Emilio Sakraya. "Ich konnte sehr viel Zeit mit ihm verbringen", sagt der Schauspieler bei der Premiere des Films. "Je besser ich jemanden kenne, desto leichter fällt es mir, ihn nachzumachen: seine Ticks, seine Macken, seine Bewegungen zu adaptieren." Sakraya verkörpert den Rapper redlich, wirkt im Vergleich zum echten Xatar allerdings optisch ein bisschen wie eine Weichspüler-Variante.

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Fatih Akins "Rheingold" fehlt Authentizität und Herzblut

Szene aus dem Film "Rheingold" von Fatih Akin © Warner Bros. Pictures Germany
In der Hauptrolle ist Emilio Sakraya (in der Mitte), der im Vergleich zum echten Xatar allerdings ein bisschen wie eine Weichspüler-Variante wirkt.

Die Fatih Akin gern zugeschriebene Street Credibility, die Glaubwürdigkeit und Authentizität seiner frühen Filme, das Herzblut wie in "Kurz und Schmerzlos" oder "Gegen die Wand", fehlt "Rheingold". Akin erzählt keine Geschichte, er spult einfach nur ab. Er zeigt das Leben von Xatar wie ein eindimensionales Abziehbild - und dieses Zeigen dauert zähe 2,5 Stunden. Am Ende läuft dann noch ein bisschen Wagner, schließlich gibt es ja auch die "Rheingold"-Oper - das passt dann zwar so wie die Faust aufs Zwerchfell, ist allerdings auch die einzige schöne filmische Finesse.

Fatih Akin hat tolle Filme gemacht, er ist ein ausgezeichneter Regisseur, der den Goldenen Bären, den Golden Globe und den Goldenen Leoparden bekommen hat. "Rheingold" hingegen hätte gute Chancen auf die Goldene Himbeere. Allen Fans sei geraten: Am besten ganz schnell vergessen und sich auf seinen nächsten Film "Amrum" freuen, in dem es um die Kindheit von Kollege Hark Bohm geht.

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Rheingold

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2021
Produktionsland:
Deutschland, Niederlande, Marokko, Mexiko
Zusatzinfo:
Mit Julia Goldberg, Emilio Sakraya, Kazim Demirbas u.v.a.
Regie:
Fatih Akin
Länge:
140 Minuten
FSK:
ab 16 Jahre
Kinostart:
27. Oktober 2022

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 02.10.2022 | 07:55 Uhr

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