Szene aus dem Film "Brokeback Mountain" mit Jake Gyllenhall und Heath Ledger. © picture-alliance / Mary Evans Picture Library

Queere Themen in Kunst, Film und Literatur

Stand: 03.08.2021 14:19 Uhr

In Hamburg läuft zur Zeit die "Pride Week". Sie will auf die Belange der LGBTQ+-Gemeinschaft aufmerksam machen. Auch die Kunst hat queere Themen immer wieder aufgegriffen, einige Beispiele.

von Danny Marques Marcalo

Zwei Cowboys, die sich lieben. "Brokeback Mountain" brach 2005 mit einem Tabu.

"Du machst mich fertig, Ennis. Du beschissener Hurensohn. Wenn ich doch nur wüsste, wie ich von dir loskommen könnte." Dialog aus dem Drama "Brokeback Mountain" von Ang Lee

Konservative Kritiker weltweit schäumten. Und auch schwule Medien äußerten sich zwar wohlwollend, aber differenziert. Schließlich seien die beiden allenfalls bisexuell, aber nicht schwul. Und dennoch riss dieser Film Gedankenmauern ein.

"Marokko" 1930: Marlene Dietrich küsst eine Frau

Marlene Dietrich, wer sonst, war 1930 der erste weibliche Star der auf der Leinwand eine Frau küsste. Im Streifen "Marokko" von Josef von Sternberg. Schon Jahre davor hatte Charlie Chaplin zum ersten Mal seinen Tramp in Frauenkleider gesteckt. Dennoch waren jahrzehntelang die meisten Darstellungen von LGBTQ+ albern und regelrecht menschenfeindlich. Bis heute sind Filme wie "Brokeback Mountain" leider noch immer eine Ausnahme.

Thomas Mann wühlt mit "Tod in Venedig" die Literaturwelt auf

Auch die Literatur hat sich lange wenig getraut. Liebe wurde schließlich zensiert. In "Die Nonne" des Franzosen Diderot wagte sich schon 1792 eine Oberin sehr nah an die Protagonistin. Über hundert Jahre später ist die Welt schon eine andere. In "Tod in Venedig" von Thomas Mann sieht Held Aschenbach Tadzio und merkt wie sein Herz "wie ein Hammer schlägt, dass er, so knapp bei Atem, nur gepresst und bebend wird sprechen können. Allein es war wohl an dem, dass der Alternde die Ernüchterung nicht wollte, dass der Rausch ihm zu teuer war."

"Charleys Tante": Männer in Frauenkleidern

Ein bekanntes Theaterstück, dass auch Thomas Mann gekannt haben dürfte ist "Charleys Tante" von Brandon Thomas aus dem Jahr 1892. Ein Mann verkleidet sich als Frau, eigentlich eine Farce. Es soll aber so populär gewesen sein, dass Männer in Frauenkleidern von der Polizei angehalten wurden und dann sagten, sie seien Schauspieler in einer Inszenierung von "Charleys Tante". Und damit durchkamen in einer Zeit, wo das eigentlich undenkbar war. Gewollt war das so vom Autor sicher nicht, aber der Einfluss war gewaltig.

Queere Kunst musste immer Repressalien fürchten

Malerei und Bildhauerei sind voll von Beispielen, die queer waren, bevor es das Wort überhaupt gab. Viel mehr noch als spätere Filmemacher oder Literaten mussten Künstler aber vorsichtig sein und Repressalien fürchten. Caravaggio hat nie eine erotische Frau gemalt, war nie verheiratet und hatte keine Kinder. Hat aber mit dem Modell seines Bildes Amor Vincit Omnia zusammengelebt.

Die Kinks sorgen mit "Lola" für Wirbel im Radio

In der Musik sind LGBTQ+ Themen heute oft Stoff für große Hits. So offen konnte man früher nicht sein. Songs mit etwas ambivalenteren Texten wurden zu Hymnen vieler Homosexueller. Die Kinks landeten 1970 einen Welthit mit einem queeren Thema. Im Song "Lola" heißt es: "Well, I'm not the world's most masculine man/But I know what I am and I'm glad I'm a man/And so is Lola". Nur ist die fesche "Lola" eigentlich ein Typ.

Radiosender in England fadeten lieber weg, bevor diese Stelle kam. Einer für die Ewigkeit ist der Song dennoch geworden. Kinks Frontmann Ray Davies sagte zu der Kontroverse: "Mir ist egal, was Lola für ein Geschlecht hat, ich finde sie ist in Ordnung!"

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NDR Info | Kultur | 03.08.2021 | 08:55 Uhr