Stand: 19.10.2018 13:48 Uhr

"Macbeth" als blutrünstiger Augenschmaus

von Agnes Bührig

Der isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson ist zurück in Hannover. Nach dem bildgewaltigen "Hamlet" und der mächtigen Inszenierung des Weltenepos der "Edda" am Schauspiel Hannover hat er sich nun erneut einen Stoff von Shakespeare vorgenommen: "Macbeth", reduziert auf sieben Schauspielerinnen und Schauspieler sowie einen Saxophonisten auf der Bühne. Am Donnerstag hatte das Stück Premiere.

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Bendik Giske und Jakob Benkhofer sind zwei der sieben Ensemblemitglieder, die bei "Macbeth" mitspielen.

Der Zuschauer ist auf sich geworfen. Minutenlang sitzt er vor der abgeriegelten Bühne und lauscht den Klängen von Saxophonist Bendik Giske, dann öffnet sich der Blick auf ein Schlachtfeld: Auf einer rotierenden Scheibe im kargen schwarzen Bühnenraum trommeln sieben Gestalten bis zum Umfallen, gewandet in hautfarbene Versatzstücke von Miedern und Unterwäsche, gewickelt wie Verbände einer geschlagenen Armee. "'Macbeth' bringt erst seinen König um, dann seinen besten Freund, anschließend fängt er an, das Land und die Kinder zu vernichten. Das beschreibt - ähnlich wie König Lear - eine Welt, die jenseits von Gott steht", erklärt Regisseur Thorleifur Arnarsson.

Phantastisch-archaische Welt auf der Bühne

Es ist eine phantastisch-archaische Welt, die Bühnenbildner Börkur Jonsson und Kostümbildnerin Karen Briem geschaffen haben. Nachdem Macbeth von drei Hexen eingeflüstert bekommen hat, dass er König wird, mutiert er zum machtgierigen Menschen, der den bösen Mächten verfällt: Der rotierende Boden schwebt in die Höhe und beginnt zu wanken.

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Das Theaterstück zieht einen mit dem Zusammenspiel aus Musik, Performance und Licht in den Bann.

Weißer Nebel wabert auf die Bühne, Saxophonklänge wallen durch den Raum, das Theaterstück zieht einen als Performance aus Text, Musik und dem Spiel mit Licht und Schatten in seinen Bann - wie schon bei Örn Arnarssons "Hamlet"-Inszenierung im vergangenen Jahr in Hannover. Wo diese endete, Hamlet intellektuell die Welt durchdrungen hatte, macht "Macbeth" weiter, jetzt aber mit dem Fokus auf das Seelenleben eines Menschen, der mit seinem Schicksal hadert. Örn Arnarsson sagt: "Im Gegensatz zu den anderen hohen Tragödien ist Macbeth der, der sich auf einen puren emotionalen Zustand fokussiert. Macbeth hört die dunkle Stimme - vielleicht sogar in seinem eigenen Kopf. Die Idee wird in die Welt gesetzt - ab dem Moment hat man den Eindruck, das Ganze ist unausweichlich."

Morden als Schlammschlacht mit viel Theaterblut

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Verknotete Schauspielerinnen erinnern an ein Gemälde von Bruegel.

Das blutrünstige Morden ist unausweichlich und wird am Ende überzeugend als Schlammschlacht mit viel Theaterblut an langer weißer Tafel unter einem riesigen abgehängten Spiegel dargeboten. Die Körper der Schauspieler verknoten sich ineinander, erinnern an ein Gemälde Bruegels. Dunkelheit liegt über der Szene wie im Dreißigjährigen Krieg, vor dessen Ausbruch "Macbeth" geschrieben ist. Eine Inszenierung, die vor allem als großer Augenschmaus über die Bühne geht, mit Anklängen an die bildende Kunst - und an den Free Jazz.

"Macbeth" als blutrünstiger Augenschmaus

Der Isländer Thorleifur Örn Arnarsson inszeniert "Macbeth" als blutige Schlammschlacht auf einem Free-Jazz-Klangteppich in Hannover. Am Donnerstag feierte das Drama um Macht Premiere.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Schauspiel Hannover
Prinzenstr. 9
30159  Hannover
Preis:
Von 15 bis 35 Euro
Öffnungszeiten:
Kassen im Opernhaus und im Schauspielhaus:
Montag bis Freitag 10 bis 19.30 Uhr (Vorverkauf bis 18.30 Uhr*), Sonnabend 10 bis 14 Uhr
 


Abendkasse
eine Stunde vor Vorstellungsbeginn (kein Vorverkauf)
Kartenverkauf:
Karten-Hotline: (0511) 99 99 11 11
Hinweis:
MacBeth
nach William Shakespeare von Heiner Müller
Regie: Thorleifur Örn Arnarsson
Bühne: Börkur Jónsson
Kostüme: Karen Briem
Mit: Lisa Natalie Arnold, Johanna Bantzer, Jakob Benkhofer, Sarah Franke, Philippe Goos, Daniel Nerlich, Henning Hartmann
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 19.10.2018 | 06:20 Uhr

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