Stand: 17.05.2018 10:46 Uhr

Nach Kritik: Broder lehnt Voß-Preis ab

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"Idiotische Kampagne" gegen ihn? Henryk M. Broder lehnt den Voß-Preis ab.

Nur wenige Wochen vor der Verleihung des Voß-Preises Anfang Juni steht die Stadt Otterndorf ohne Preisträger da. Eigentlich hatte sie den Publizisten Henryk M. Broder auserkoren. Doch nach Kritik an ihm lehnt der 71-Jährige den Preis nun ab. "Ich mag nicht über Stöckchen springen, die mir hingehalten werden", sagte er NDR 1 Niedersachsen. Broder spricht von einer "idiotischen Kampagne" in Otterndorf gegen ihn. Zuvor hatte die SPD in Otterndorf dem Publizisten vorgeworfen, sich menschenverachtend über Flüchtlinge zu äußern. Der Preis wird in diesem Jahr nun nicht vergeben.

Henryk M. Broder © picture alliance / Jazz Archiv Fotograf: Jazz Archiv/Uli Glockmann

Audio: Streit um Preis an Broder spitzt sich zu

NDR Kultur - Klassisch unterwegs -

Der Johann-Heinrich-Voß-Preis der Stadt Otterndorf soll für Menschlichkeit stehen. In diesem Jahr soll er an den Publizisten Henryk M. Broder gehen, doch das sorgt für Streit.

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Der Vorwurf: Sympathie für AfD und Pegida

Ursula Holthausen, SPD-Lokalpolitikerin aus dem Kulturausschuss in Otterndorf, sagte, Broder sympathisiere mit der AfD und Pegida und äußere sich menschenverachtend über Flüchtlinge. Broder sagte dazu: "Ich werde mich nicht zu Vorwürfen äußern, von denen noch nicht mal das Gegenteil wahr ist." Seine Gegner in Otterndorf sind froh, dass er den Preis jetzt nicht annimmt. Er sei ein Brandstifter, der die Gesellschaft spalte - alles andere als ein Humanist, hieß es. Das wäre nicht im Sinne von Johann-Heinrich Voß, sagte Holthausen.

Jury zeigt Verständnis für Ablehnung

Die Jury des Voß-Preises zeigt Verständnis für Broders Rückzieher. Sprecher Hans-Volker Feldmann spricht von einer peinlichen Diskussion und einer schmerzlichen Niederlage für Demokratie und Meinungsfreiheit. Zuvor hatte sich Jury-Mitglied und Publizist Stefan Aust für Broder stark gemacht. Ihm den Preis zu geben, sei eine "gute Entscheidung" gewesen. "Mir ist ein unbequemer Publizist, der gelegentlich Leuten auf die Füße tritt, sehr viel lieber als jemand, der immer die Mehrheitsmeinung gerade vertritt", so Aust. Der Voß-Preis, benannt nach dem deutschen Dichter Johann Heinrich Voß, wird seit 2000 alle drei Jahre vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.05.2018 | 12:00 Uhr

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