Stand: 23.02.2018 13:35 Uhr

Ist das Kinderbuch noch zu retten?

von Katrin Bohlmann

Vom Pixi-Buch bis zum dicken Wälzer gibt es Bücher für Kinder und Jugendliche. Doch ist das Kinderbuch noch zu retten? Dieser Frage sind Verleger und die Schriftstellerin Kirsten Boie beim ersten deutschen Leseförderkongress in Lübeck nachgegangen. In der Diskussionsrunde unter der Leitung von NDR Fernsehmoderatorin Julia Westlake haben sie Strategien gesammelt, um Kinder und Jugendliche für das Lesen zu begeistern.

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NDR Fernsehmoderatorin Julia Westlake, die Verlegerin Julia Bielenberg und die Schriftstellerin Kirsten Boie diskutierten beim Leseförderkongress in Lübeck.

Leidenschaftlich wurde über die Zukunft des Kinderbuches diskutiert. Klar war allen: Es muss sich etwas verändern, um mehr junge Menschen zum Lesen zu bringen. Die Zahlen seien alarmierend, warnt die Kinderbuchautorin Kirsten Boie: Knapp 20 Prozent der Zehnjährigen könnten nicht flüssig lesen. Die Verlage hätten eine kulturelle Aufgabe - sie müssten sich stärker vernetzen. Und Kirsten Boie sieht auch die Schulen und Kitas in der Pflicht: "In den Schulen müsste es jede Woche eine Stunde geben, wo die Kinder nichts anderes tun als in einer ganz großen Bücherkiste zu kramen. Und die Ausbildung für Erzieher in den Kitas müsste so aussehen, dass sie selbst Freude an Büchern haben und es ihnen Spaß macht, Kindern Bücher zu vermitteln."

Eltern als Vorbild

Schulen sollten die Kinder bei der Auswahl der Leselektüre mehr in ihrer Lebenswirklichkeit abholen, schlägt Julia Bielenberg von der Verlagsgruppe Oetinger vor. Sie ist selbst Mutter von drei Kindern. Und natürlich müssten die Eltern Vorbild sein. Vorlesen präge, bilde und fördere. Bielenberg sagt aber auch, das Leseverhalten von jungen Menschen habe sich verändert: "Kindern fällt es heute schwerer, komplexe Zusammenhänge zu erkennen und komplexe Sprache zu verstehen. Das hat nicht zuletzt mit der Nutzung der digitalen Medien zu tun, durch die sich auch die Bildgewohnheiten der Kinder verändert haben."

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Ebenfalls auf dem Podium: Klaus Humann vom Aladin-Verlag (links) und Renate Herre von Carlsen (Mitte).

Auch darauf haben die Verlage zu reagieren. Die neuen Medien und Techniken sollten ruhig mit einbezogen werden, regt Renate Herre vom Carlsen Verlag an. Wie eine App zum Buch oder eine Wischtechnik im Buch, mit der Kinder in eine andere Welt eintauchen können.

Neue Medien als Lösung?

Die Suche nach mehr interessanten Geschichten und faszinierenden Illustrationen - das sei die vordringliche Aufgabe von Kinderbuch-Verlagen, hält Klaus Humann vom Aladin-Verlag dagegen. Seine Ideen, um mehr Kinder und Jugendliche für Bücher zu begeistern: "Eine engere Zusammenarbeit mit den Schulen. Eine vorurteilsfreiere Zusammenarbeit mit den Schulen. Andere Möglichkeiten, Bücher zu verkaufen, das ist für mich auch ein ganz wichtiger Punkt. Eine stärkere Zusammenarbeit mit der Stiftung Lesen. Natürlich ist das Kinderbuch noch zu retten. Es ist nur die Frage, was wir uns außerdem noch einfallen lassen können, dass es nicht nur gerettet, sondern auch stärker wird."

Und bei allen Strategien: Ohne Vermittler wie Lehrer, Erzieher, Eltern, Buchhändler und Ehrenamtliche geht es nicht. Darin sind sich alle Verleger einig. Und dafür gibt es Applaus aus dem Fachpublikum. Lesekompetenz und Leseförderung - das ist also die Zukunft. Es gibt viele kreative Lösungsansätze in Lübeck. Jetzt müssten sie nur noch umgesetzt werden.

Noch bis Sonntag treffen sich rund 130 Pädagogen, Psychologen, Buchhändler und Bibliothekare aus ganz Deutschland in Lübeck, um sich über Leseförderung auszutauschen.

Weitere Informationen

Kirsten Boie: Mit Kindern auf Augenhöhe

Sie ist die Erfinderin von Ritter Trenk, Seeräuber Moses und den Kindern aus dem Möwenweg: Kirsten Boie. Die beliebte Kinderbuch-Autorin engagiert sich auch in sozialen Projekten. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 23.02.2018 | 11:20 Uhr

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