Stand: 15.05.2018 16:13 Uhr

Streit um Preis an Broder spitzt sich zu

von Jörn Pietschke
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Henryk M. Broder schreibt seit 2011 unter anderem für "Die Welt" und die "Welt am Sonntag".

Humanismus, Aufklärung, Menschlichkeit und Freiheit - diese Konzepte sollen beim Johann-Heinrich-Voß-Preis der Stadt Otterndorf in Niedersachsen im Vordergrund stehen. Er ist mit 10.000 Euro dotiert. Anfang Juni soll der Preis jetzt auch an den Publizisten Henryk M. Broder verliehen werden - aber der Streit darüber spitzt sich zu.

Macht Henryk M. Broder Stimmung gegen Flüchtlinge?

Kritiker werfen dem Preisträger vor, Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen, die Gesellschaft zu spalten - also eben gerade nicht für Humanismus, Freiheit und Aufklärung zu stehen, wie der Namensgeber des Preises, Johann Heinrich Voß. Der Mann hatte zu Goethes Zeiten für einige Jahre die Otterndorfer Lateinschule geleitet.

Holthausen: "Broder ist ein Brandstifter"

Seit dem Jahr 2000 wird der Voß-Preis an Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Politik verliehen. An Hendryk M. Broder nun scheiden sich erstmals die Geister: "Er ist dieses Preises nicht würdig", findet Ursula Holthausen. Sie sitzt für die SPD im Kulturausschuss des Stadtrates und fügt hinzu: "Broder ist ein Brandstifter und er spaltet die Gesellschaft. Und das ist nicht im Sinne von Johann Heinrich Voß. Er lässt nahezu an keinem Menschen etwas Gutes. Das ist dermaßen verletzend! Er entblößt Menschen und verletzt sie. Das kann ich nicht gutheißen. Das hat auch nichts mit einem Voß-Preis zu tun."

Interview

Preis an Broder: "Eine richtig gute Entscheidung"

Der Publizist Henryk M. Broder soll in diesem Jahr den Johann-Heinrich-Voß-Preis bekommen - das ruft Proteste hervor. Jury-Sprecher Stefan Aust steht hinter dieser Entscheidung. mehr

Sparkasse finanziert lieber Orgel

Die Sozialdemokraten stellten sich quer, als es darum ging, das Preisgeld von 10.000 Euro zu bewilligen. Das Geld kam trotzdem zusammen, wurde mit den Stimmen von CDU und FDP bereitgestellt, nachdem zuvor bereits die Kreissparkasse aus der Finanzierung ausgestiegen war.

Landrat Kai-Uwe Bielefeld führt die Aufsicht der Weser-Elbe-Sparkasse und sitzt in der Jury des Voß-Preises. Er versteht erstens die ganze Aufregung nicht und zweitens werde die Kreissparkasse den Voß-Preis weiter finanzieren, nur eben in diesem Jahr nicht, und das habe seinen Grund: "Das ist eine massive Diskussion. Das finde ich im kulturellen Bereich aber normal, auch gut, dass es unterschiedliche Meinungen gibt. Die Sparkasse hat entschieden, dass sie in diesem Jahr den Voß-Preis nicht ausstatten wird, weil es die Möglichkeit gibt, die Finanzierung der Gloger-Orgel in Otterndorf mit 10.000 Euro zu unterstützen, und die Sparkassenstiftung in Hannover, die hier auch in die Finanzierung eigebunden ist, kann diesen Betrag noch deutlich erhöhen, deswegen ist es für Otterndorf einfach ein gutes Geschäft, in diesem Jahr auf die Orgel umzuswitchen."

Alle sitzen jetzt zwischen den Stühlen

Ob die Preisverleihung an Broder für Otterndorf nun eine gute Idee war, das bleibt die große Frage. Keine Frage: Broder polarisiert und provoziert, mag aber Menschen, die ihn nicht mögen, schreibt er in der Einladung zur Preisverleihung. Und davon gibt es in Otterndorf mehr als die Jury sich hätte träumen lassen, als sie unter Vorsitz des "Welt"-Herausgebers Stefan Aust die Entscheidung für Broder traf.

Jetzt sitzen irgendwie alle zwischen allen Stühlen und Broder wäre nicht Broder, wenn er bei der Preisverleihung in Otterndorf nicht höchstpersönlich Platz nehmen würde. Dabei nimmt der 71-Jährige beileibe nicht jeden Preis. Den Ludwig-Börne-Preis hat er wegen der Auszeichnung Peter Sloterdijks wieder zurückgegeben, weil der in seinen Augen die Anschläge des 11. Septembers kleingeredet habe. Ob frühere Voß-Preisträger dem Beispiel einer demonstrativen Rückgabe des Preises aus Anlass der Ehrung Broders folgen, ist noch nicht bekannt.

Henryk M. Broder © imago/Sven Simon

Audio: Streit um Preis an Broder spitzt sich zu

NDR Kultur

Der Johann-Heinrich-Voß-Preis der Stadt Otterndorf soll für Menschlichkeit stehen. In diesem Jahr soll er an den Publizisten Henryk M. Broder gehen, doch das sorgt für Streit.

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