Stand: 16.01.2018 10:41 Uhr

"Unwort des Jahres" steht fest

Das "Unwort des Jahres 2017" heißt "alternative Fakten." Das gab die Sprecherin der "Unwort"-Jury, Nina Janich, in Darmstadt bekannt. Die Bezeichnung sei "der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen", so die Begründung der Jury. Der Begriff stammt ursprünglich aus den USA. Die Beraterin von US-Präsident Donald Trump, Kellyanne Conway, hatte im Zusammenhang mit der falschen Behauptung, dass zur Amtseinführung des Präsidenten so viele Menschen wie nie zuvor auf der Straße gewesen seien, von "alternativen Fakten" gesprochen.

Von "Opferabo" bis "Lügenpresse"

Auch "Shuttleservice" und "Genderwahn" gerügt

Die Jury rügte auch die Begriffe "Shuttleservice" und "Genderwahn". Der Begriff "Shuttleservice" wurde vom CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Meyer in Bezug auf Seenotrettungseinsätze von Nichtregierungsorganisationen im Mittelmeer für Flüchtlinge in Schlauchbooten benutzt. Damit würden sowohl die flüchtenden Menschen als auch vor allem diejenigen diffamiert, die ihnen humanitäre Hilfe leisteten, erklärte die Jury. Mit dem Ausdruck "Genderwahn" werden laut den Sprachwissenschaftlern "in konservativen bis rechtspopulistischen Kreisen zunehmend Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit in undifferenzierter Weise diffamiert".

684 verschiedene Vorschläge eingereicht

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Die Linguistin Nina Janich ist Professorin an der TU Darmstadt.

Eine sechsköpfige Experten-Jury aus Sprachexperten hat das Unwort aus 684 verschiedenen Vorschlägen ausgesucht. Nur etwa 80 bis 90 dieser Vorschläge entsprachen überhaupt den Kriterien der sprachkritischen Aktion, wie Janich sagte. Daraus habe die Fach-Jury knapp 20 Wörter in die engere Wahl gezogen. Im vergangenen Jahr waren noch 1.064 Vorschläge eingereicht worden. Damals war der Begriff "Volksverräter" zum "Unwort des Jahres" gewählt worden.

Die sprachkritische Aktion "Unwort des Jahres" gibt es seit 1991. Die Sprachwissenschaftler wollen damit auf Formen des Sprachgebrauchs hinweisen, die verschleiern, diskriminieren, irreführen oder gegen Prinzipien von Demokratie und Menschenwürde verstoßen.

 

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Dieses Thema im Programm:

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