Stand: 07.07.2020 16:00 Uhr

Bodenwerder: Zu Besuch bei Münchhausen

Münchenhausen-Skulptur mit halbem Pferd in Bodenwerder. © imago/Schöning
Bei einem Bummel durch Bodenwerder treffen Besucher immer wieder auf Münchhausen.

Er ritt auf einer Kanonenkugel, zog sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf und trabte mit einem halben Pferd umher: Die verrückten Abenteuer des Barons Münchhausen sind weltberühmt. Dass es den legendären Lügenbaron tatsächlich gab, ist weniger bekannt. Im Weser-Örtchen Bodenwerder, zwischen Hameln und Holzminden, war er zu Hause. Bis heute stößt man dort auf Schritt und Tritt auf Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen, der 1720 dort geboren und 1797 in der Klosterkirche beigesetzt wurde.

Museum widmet sich dem Lügenbaron

Das ehemalige Herrenhaus der Familie Münchhausen dient heute als Rathaus. Die "Schulenburg", ein weiteres Gebäude auf dem ehemaligen Gutshof der Adelsfamilie am Rand der Altstadt, beherbergt ein Münchhausen-Museum. Seit 2013 darf Bodenwerder ganz offiziell den Zusatz "Münchenhausenstadt" tragen. In diesem Jahr feiert die Stadt das 300. Jubiläum des Lügenbarons - Corona-bedingt können allerdings nicht alle ursprünglich geplanten Veranstaltungen stattfinden. Das Museum ist aber inzwischen wieder geöffnet und zeigt eine Ausstellung über den Jubilar.

Fachwerkhäuser am Weserufer

Bodenwerder ist auch für seine attraktive Lage an der Weser bekannt. Schon 1287 erhielt der Ort, der auf einer Insel (Werder) in der Weser angelegt worden war, die Stadtrechte. Noch heute stehen ein Festungsturm, die halbrunde Bastion und Teile der Stadtmauer als massive Relikte der langen Geschichte.

Die Weser bei Bodenwerder. © imago/Dieter Mendzigall
Bodenwerder liegt reizvoll zwischen den Hügeln des Weserberglandes.

Dutzende Fachwerkhäuser prägen den historischen Ortskern, darunter das älteste Wohnhaus von 1484. Eine lange Weser-Promenade lädt zum Bummel am Wasser ein - mit Blick auf die umliegenden Höhenzüge des Weserberglandes. Im Sommer legen regelmäßig Ausflugsschiffe an, die zu Rundfahrten und Touren auf der Weser bis nach Hameln starten. Am zweiten August-Samstag sorgt das Lichterfest mit Lasershow und großem Feuerwerk auf und an der Weser für eine weitere Attraktion. Wegen der Corona-Pandemie muss es dieses Jahr leider ausfallen, nächster Termin ist der 14. August 2021.

Münchhausen als Musical und ein Redner-Preis

Beim Münchhausen-Musical, das zwischen Mai und Anfang September an jedem 2. und 4. Sonntag im Monat in der Innenstadt aufgeführt wird, können Besucher die fantasievollen Geschichten des Barons als Freilichtspiel verfolgen. Die 50-minütige Aufführung beginnt um 15 Uhr, der Eintritt ist frei. Corona-bedingt kann es derzeit bei der Aufführung zu Einschränkungen kommen.

Eine Figur des Lügenbarons Münchhausen auf einer Kanonenkugel vor dem Eingang zum Münchhausen-Museum in Bodenwerder. ©  imago/Schöning
Am Eingang des Museums grüßt der "Lügenbaron" auf der Kanonenkugel.

Die große Bedeutung des Adligen für Bodenwerder zeigt sich auch in der jährlichen Verleihung des Münchhausen-Preises. Damit ehrt die Stadt Menschen mit "besonderer Begabung in Darstellungs- und Redekunst, Fantasie und Satire". Zu den Preisträgern gehören Dieter Hallervorden, Annette Frier und Frank Elstner.

Wer war Münchhausen?

Historische Porträtzeichnung des Barons Hieronymus von Münchhausen. im Hintergrund Szenen aus seinen Erzählungen. © picture alliance  / akg-images
Hieronymus Freiherr von Münchhausen war ein beliebter Adeliger.

Doch wer war der Baron von Münchhausen wirklich? Tatsächlich wurden die zahlreichen abstrusen Abenteuer der historischen Person Freiherr von Münchhausen einfach zugeschrieben. Überliefert ist, dass dieser gerne mit abenteuerlichen Geschichten aus seiner Militärzeit in Russland prahlte. Mit seinen Anekdoten war er ein gern gesehener Gast auf jedem Fest. Doch 1785 veröffentlichte ein unbekannter Autor unter dem Namen des Freiherrn ein Buch: "Die tollkühnen Abenteuer des Baron Münchhausen". Das Buch war prallvoll mit den unglaublichsten Geschichten: Es machte Münchhausen zwar berühmt, ruinierte aber seinen Ruf - nun galt er als der "Lügenbaron".

Karte: Bodenwerder an der Weser

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Historische Illustration des Barons von Münchhausen beim Ritt auf einer Kanonenkugel von Gustave Doré. © picture alliance  / akg-images

Wie Baron von Münchhausen zum "Lügenbaron" wurde

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 08.06.2020 | 09:20 Uhr

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