Stand: 12.06.2020 14:07 Uhr

Im Zoo Hannover um die Erde reisen

von Axel Franz, NDR.de
Ein Eisbär spielt im Wasser, ein anderer sitzt daneben an Land. © NDR.de Foto: Henning Martin
Wasser, Felsen und Spielzeug: Die "Yukon Bay" bietet Eisbären Abwechslung.

Ein Besuch im Zoo Hannover gleicht einer Weltreise. Die Tiere leben in Themenwelten, naturnah gestaltet und ohne trennende Gitter zu den Menschen. Doch Zoobesucher erleben weit mehr als exotische Tiere. Sie spazieren durch Kulissen, die an die Heimat der tierischen Bewohner erinnern. Beispiel "Yukon Bay": Das Gelände wurde einer Goldgräberstadt in Alaska nachempfunden und beherbergt unter anderem Eisbären und Pinguine, Wölfe, Karibus, Robben und Präriehunde. Insgesamt leben in diesem Teil des Zoos rund 100 Tiere aus 15 Arten. Namensgeber ist der Yukon, ein Strom in Nordamerika, der in Alaska in die Beringsee mündet.

VIDEO: Hannover: Eisbärenmädchen heißt Nana (1 Min)

Eisbären und Robben in der "Yukon Bay"

"Yukon Bay" im Zoo Hannover © dpa Foto: Peter Steffen
Alaska in Hannover: Die Themenwelt "Yukon Bay" mit einem halb versunkenen Schiff.

Im Mittelpunkt von "Yukon Bay" steht ein leck geschlagenes Schiff in einem Hafenbecken. Besucher können aus dem Inneren des Wracks Tiere unter Wasser beobachten. Eisbären, Robben und Pinguine tummeln sich in Salzwasser-Pools mit künstlichen Wellen. Der Weg zum Hafen führt durch eine raue Landschaft mit Felsen, Höhlen, Schluchten und Wald. Vor dem Eingang zu einem Bergwerks-Stollen verbreitet eine Schürf-Schüssel Goldgräberstimmung. Die Zoo-Betreiber haben sich die Anlage auf einer Fläche von 22.000 Quadratmetern - mehr als drei Fußballfelder - fast 35 Millionen Euro kosten lassen.

Afrika-Flair am "Sambesi" des Zoos

Bei der Bootsfahrt durch den Erlebnispark Hannover kann man auch Löwen beobachten © Zoo Hannover GmbH
Eine Fahrt auf dem "Sambesi" gehört zu den beliebten Touren im Zoo.

Weiteres Beispiel für eine "Zoo-Welt", die versucht, ihre Bewohner in einem landschaftlichen und kulturellen Zusammenhang zu präsentieren, ist "Sambesi". Ein Fluss im Südosten Afrikas gab den Namen. Die Kulisse wirkt exotisch und provisorisch: Hütten mit Strohdächern, alte Ölfässer, verwitterte Schilder. In flachen Booten für etwa zehn Personen gleiten Besucher auf einem künstlichen Fluss durch dieses "Afrika". An den Ufern dösen Tiere, Flamingos stehen auf einem Bein im Wasser, Zebras und Gazellen, Antilopen, Nashörner und Giraffen ziehen vorbei. Nach etwa zehn Minuten endet die beliebte Tour durch den schwarzen Kontinent, die zu den Höhepunkten eines Zoo-Besuchs zählt und häufig mit Wartezeiten verbunden ist. Mehrere Brücken sorgen dafür, dass Besucher Flusslandschaft und Tiere auch beobachten können, ohne in ein Boot zu steigen. Besonders beliebt sind die Giraffen, die regelmäßig Nachwuchs bekommen. In freier Wildbahn sind Rothschild-Giraffen vom Aussterben bedroht.

Elefanten und Tiger im "Dschungelpalast"

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Fünf Elefanten im Zoo Hannover. © dpa-Bildfunk Foto: Holger Hollemann

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Ähnlich stimmig präsentiert sich der indische "Dschungelpalast". Hier leben unter anderem Elefanten, zur Herde gehören mehrere weibliche Tiere, ein Bulle und einige Jungtiere. Nur ein Graben trennt die Besucher von den Dickhäutern, die sich vor der mächtigen Kulisse des sandsteinfarbenen Palastes sichtlich wohlfühlen. Auch hier sorgen viele Details für eine nahezu perfekte Illusion. Zum "Dschungelpalast" gehören außerdem Hulman-Affen, die in Indien als heilig gelten, und Raubkatzen: Sibirische Tiger und Leoparden leben in einem Seitenflügel hinter dicken Glasscheiben.

Afi Mountain - Ein Park für die Affen

Ein Schimpanse öffnet den Mund. © dpa-Bildfunk Foto: Peter Steffen
Schimpansen sind am nächsten mit uns Menschen verwandt.

Dem gleichnamigen Schutzgebiet im westafrikanischen Nigeria ist der "Afi Mountain" nachempfunden, die neueste Themen-Welt des Zoos. Dort sind bedrohte Arten wie die wenig bekannte, imposante Affenart Drill zu sehen. Auf dem Weg durch diesen Abschnitt durchqueren die Besucher verschiedene Vegetationszonen. In der Feuchtsavanne fühlen sich die Schimpansen wohl, im Regenwald sind die Drills und Brazza-Meerkatzen zu Hause. Nebenan flattern afrikanische Vogelarten. Auf dem höchsten Punkt des Berges lebt eine Gorilla-Familie auf einer Lichtung. Verschiedene Themenstationen informieren umfassend über die Tiere und ihren bedrohten Lebensraum.

Bauernhof, Tiershows und "Winter-Zoo"

Zwei Thüringer Waldziegen Lämmer toben auf Meyers Hof im Zoo Hannover. © dpa - Bildfunk Foto: Ole Spata
Auf dem Bauernhof leben unter anderem Thüringer Waldziegen.

Doch der Zoo Hannover präsentiert nicht nur rund 2.000 exotische Tiere. Auf "Meyers Hof" leben auch Schweine, Schafe, Gänse und Rinder, niedersächsische Fachwerkhäuser schaffen eine ländliche Atmosphäre. Kinder können auf einen Traktor klettern oder versuchen, die künstliche Kuh zu melken. Nebenan bietet ein Gasthaus mit Biergarten eine von mehreren Möglichkeiten auf dem Gelände, sich auszuruhen und zu stärken.

Familien mit Kindern sind eine Hauptzielgruppe des Zoos. So gibt es zahlreiche weitere Attraktionen für junge Besucher: Streichelgehege, Rodelbahnen, mehrere Spielplätze, Mitmachstationen und Kletterpfade.

Tiershows und "Winter-Zoo"

Elefanten im Erlebnis-Zoo Hannover © Zoo Hannover GmbH
Warten auf den Auftritt: Elefanten nehmen in ihrem Gehege ein Bad.

Neben der reinen Beobachtung setzt der Zoo auch auf Shows mit Tieren. Greifvögel jagen auf Kommando, Elefanten formieren sich zu einer Parade und ein Nasenbär ist beim Hütchenspiel dabei. Ebenso beliebt sind Fütterungen, bei denen die Tiere spielerisch ihre Nahrung fangen oder suchen. Zuschauer erfahren so manches über die Vorlieben der Zoobewohner.

Um die weniger attraktiven, kalten Monate zu überbrücken, in denen etwa die Boote nicht fahren, hat Hannover den "Winter-Zoo" eingeführt. Von Ende November bis Mitte Februar gibt es eine Eislaufbahn, Rodelpisten und viel winterliche Stimmung an den Glühwein- und Imbissständen.

In seiner Geschichte musste der Zoo mehrmals schließen

Viele Jungen stehen am Geländer zu einem Tiergehege, in dem ein Bär auf den Hinterpfoten steht. (Archivbild)
Von Anfang an lebten im Zoo Bären, hier ein Bild der Bäreninsel aus den 1930er-Jahren.

Der Zoo Hannover blickt auf eine lange Geschichte zurück. 1865 begann er zunächst mit Greifvögeln, Raubtieren und einem Aquarium und lockte damit bereits im ersten Jahr rund 90.000 Besucher an. Den Ersten Weltkrieg überlebten nur wenige Tiere, 1922 schloss der Zoo, wurde aber wenig später wieder eröffnet. Im Zweiten Weltkrieg erneut fast vollständig zerstört, musste er 1944 aufgeben. Zwei Jahre später öffnete eine provisorische Anlage ihre Tore in Niedersachsens Landeshauptstadt.

Seit dem Umbau kommen die Besucher wieder

Zoo Hannover

Adenauerallee 3
30175 Hannover
Tel. (0511) 280 74-163

aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise auf der Website des Zoos

Ab 1975 gingen die Besucherzahlen stetig zurück. Die Gehege stießen auf Kritik von Tierschützern. Es waren Investitionen in Millionenhöhe notwendig, für die das Geld fehlte. 1993 stand der Zoo vor dem Aus - oder einem Neuanfang. Mit dem Konzept der tierfreundlichen Landschaften gelang der Umschwung. Das erste Projekt war der Gorillaberg. Im Jahr 2000 kamen erstmals mehr als eine Million Besucher, 2010 sogar 1,6 Millionen. Danach gingen die Zahlen wieder auf rund eine Million zurück. Heute zählt der Zoo Hannover zu den attraktivsten Tierparks Europas und beschäftigt in der Saison mehr als 450 Mitarbeiter.

Neueste Attraktion ist ein Regenwald-Panorama, das der Künstler Yadegar Asisi gestaltet hat. Das 32 Meter hohe Rundbild zeigt Impressionen aus Amazonien. Der Besuch ist nicht im Eintrittspreis für den Zoo enthalten.

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Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 13.06.2020 | 18:00 Uhr

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