Stand: 07.04.2016 15:20 Uhr

Durchs Weserbergland bis Porta Westfalica

von Sven Glagow

"Wo Werra sich und Fulda küssen, sie ihre Namen büßen müssen" - so steht es auf dem Weserstein in Hann. Münden am südlichsten Zipfel von Niedersachsen. Und vom Zusammentreffen bis zur Nordsee fließen sie als Weser weiter dahin. Für Radfahrer bietet der Weser-Radweg ein vielfältiges Landschaftserlebnis vom Weserbergland bis zur Küste. Und das alles ohne allzu große Mühen, denn die Strecke verläuft selbst im Weserbergland weitgehend flach entlang des Flusses.

Karte: Weser-Radweg von Hann. Münden bis Porta Westfalica

Von Hann. Münden bis Holzminden

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Aus Werra und Fulda wird in Hann. Münden die Weser.

Wer am Weserstein oder am Bahnhof in Hann. Münden in Richtung Norden startet, sollte sich gleich zu Beginn etwas Zeit nehmen. Denn das einstige Handelsstädtchen mit seinen rund 700 Fachwerkhäusern aus sechs Jahrhunderten ist einen Besuch wert. In Hann. Münden führt der Weser-Radweg zunächst über viel befahrene Straßen. Doch nach dem Wechsel auf die rechte Seite des Flusses geht es bald auf einer Nebenstrecke zwischen den Erhebungen von Bramwald und Reinhardswald über Gimte ruhig voran nach Hemeln.

Abstecher zur Sababurg

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An der Weser sind noch mehrere kleine Fähren im Einsatz.

Wer vor Steigungen nicht zurückschreckt, kann hier erneut die Weser queren und über Reinhardshagen einen Abstecher auf den Höhenzug des Reinhardswaldes machen. Über das Dornröschenschloss Sababurg und Schloss Wülmersen geht es für einige Kilometer auf den Diemel-Radweg weiter, der bei Bad Karlshafen wieder auf den Weser-Radweg trifft. Wer den direkten Weg nimmt, kommt nach rund 20 Kilometern am romantischen ehemaligen Benediktinerkloster Bursfelde vorbei und quert bei Lippoldsberg oder Wahmbeck per Fähre die Weser, um nach Bad Karlshafen zu gelangen. Die Fahrten mit den kleinen Weser-Fähren gehören zu den reizvollen Extras der Tour.

Bad Karlshafen - alte Hugenottenstadt

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Bad Karlshafen liegt nicht nur herrlich, sondern bietet auch interessante Sehenswürdigkeiten.

Die hessische Hugenottenstadt Karlshafen wurde Ende des 17. Jahrhunderts gegründet und scheinbar auf dem Reißbrett entworfen. Geradlinig gruppieren sich weiße Barockbauten um den alten Hafen und prägen das Stadtbild des Kurortes. 1838 wurde der Quell heilenden Solewassers entdeckt, was schließlich 1977 den Titel "Bad" einbrachte. An der Weserpromenade können Besucher am Gradierwerk salzhaltige Luft atmen. Sehenswert ist das Deutsche Hugenotten-Museum, das in einer ehemaligen Zigarrenfabrik in der Altstadt untergebracht ist. Bis Karlshafen bildet die Weser meist die Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Hessen.

Beverungen und Fürstenberg

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Das Schloss Fürstenberg bietet ein Museum, ein Café und Restaurant und natürlich die berühmte Porzellanmanufaktur.

Von Bad Karlshafen geht es am linken Ufer der Weser zunächst in einer Schleife nach Beverungen. Auf der anderen Seite der Weser ragen die Hannoverschen Klippen, fast 100 Meter hohe Sandsteinfelsen, empor. Kurz darauf fällt der Blick auf die Reste des ehemaligen Atomkraftwerkes Würgassen. Von der alten Ackerbürgerstadt Beverungen führt der Weser-Radweg auf der linken Uferseite weiter. Allerdings bietet sich erneut die Möglichkeit zu einem Abstecher. Entweder über die Brücke in Beverungen oder mit der Fähre bei Wehrden geht es auf den rechtsseitigen Weg, der entlang der Bundesstraße nach Fürstenberg führt. Dort bietet das Schloss nicht nur die Möglichkeit zur Einkehr mit eindrucksvollen Ausblicken, sondern auch Gelegenheit, die berühmte Porzellanmanufaktur zu besuchen. Weiter nach Norden führt der Weser-Radweg nach Höxter.

Höxter und Corvey

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Das Westwerk der Klosterkirche von Corvey (rechts) wurde um 830 gebaut.

Höxter ist geprägt durch einen weitgehend erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern. Unter den zahlreichen Fachwerkhäusern finden sich etliche Beispiele für den Baustil der Weser-Renaissance. Direkt an der Weser liegt am Stadtrand von Höxter die ehemalige Benediktinerabtei Corvey. Als eines der bedeutendsten karolingischen Klöster verfügte es unter anderem über eine der wertvollsten Bibliotheken des Landes. Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg begann 1699 der Wiederaufbau der barocken Residenz. Seit 2014 gehört Schloss Corvey zum UNESCO-Weltkulturerbe und wird mit seinem eindrucksvollen Westwerk als imposante Kulisse für kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt. Von Corvey führt der Weser-Radweg direkt am Fluss entlang bis ins nahe Holzminden.

Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 23.09.2017 | 18:00 Uhr

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