VIDEO: Von wegen flach: Eine Tour über Hamburgs Berge (4 Min)

Energieberg Hamburg: Von der Giftmülldeponie zum Ausflugsziel

Stand: 02.02.2022 10:16 Uhr

Es klingt wie eine Erzählung aus dem Märchenbuch der Öko-Utopien: Eine Giftmülldeponie wird umgestaltet und produziert fortan sauberen Strom. Als "Energieberg" ist der Hügel jetzt ein Ausflugsziel.

Der rund 40 Meter hohe einstige Müllberg in Hamburg-Georgswerder auf der Elbinsel Wilhelmsburg war einst für die Öffentlichkeit gesperrt - zu groß war die Gefahr für die Gesundheit. Heute können Besucher das Plateau wahlweise über eine Treppe oder einen barrierefreien Weg erreichen. Oben führt ein rund 900 Meter lange Horizontweg rund um die Hügelkuppe und ermöglicht einen weiten Blick über die Elbe bis in die Innenstadt. Eine Photovoltaikanlage und zwei Windräder produzieren klimafreundlichen Strom. Aber: Im Inneren des Berges schlummert weiterhin Dioxin.

Erst Schutt, dann Hausmüll, am Ende Dioxin

Ein kurzer Rückblick: Nach dem Krieg entsteht auf den flachen Wiesen von Georgswerder ein Berg aus Trümmerschutt. Schon bald kommt Hausmüll hinzu - und ab 1967 auch hochgiftige Industrieabfälle. Bis 1979 kippt man den giftigen Müll auf die Halde - und hofft, dass der Hausmüll die Gifte aufsaugt. Dann wird die Deponie geschlossen.

Dioxin-Skandal 1983: Das Gift tritt aus

Doch mit dem Regenwasser sickern die Gifte in das Grundwasser. Im Jahr 1983 erlebt die Stadt Hamburg ihren bisher größten Umweltskandal: Es zeigt sich, dass aus der Deponie Georgswerder hochgiftiges Dioxin ausgetreten ist - ein Gift, das bereits in Mikrogramm-Mengen zu schweren Gesundheitsschäden bis hin zum Tod führt. "Der gefährlichste Berg der Welt", so nennen die Zeitungen die Deponie schon bald. Ab 1986 wird sie aufwendig abgedichtet. Dicke Abdeckungen verhindern, dass Regenwasser weiterhin eindringen kann.

200.000 Tonnen Giftmüll in der Erde

Der Energieberg in Wilhelmsburg. © NDR Foto: Gitte Alpen
Ein Horizontweg führt einmal um den Berg und bietet einen schönen Blick auf die Stadt.

Verschwunden ist das Gift also nicht, sondern lediglich im Berg eingeschlossen. Insgesamt liegen rund 200.000 Tonnen Giftmüll in der Erde. An Dutzenden Stellen wird regelmäßig geprüft, ob die Sicherungssysteme halten. Deponiegase, Sickerflüssigkeiten und Grundwasser werden in einer speziellen Betriebsanlage auf dem Gelände mit verschiedenen Verfahren behandelt, um eine Gefährdung von Mensch und Natur auszuschließen.

Mittlerweile spielen die Deponiegase, die durch Zersetzungsprozesse frei werden, eine wichtige Rolle für die Energiegewinnung: Die benachbarte Kupferhütte der Firma Aurubis nutzt die Gase für das Befeuern ihrer Schmelzöfen.

Multimediale Ausstellung zeigt Geschichte des Berges

Am Fuß des Energiebergs, in der Nähe des Eingangs, befindet sich ein Informationszentrum. Dort dokumentiert eine Ausstellung die Geschichte des Berges. Interessant ist der etwa 15-minütige Multimedia-Film, der die Entwicklung des Ortes von einer einfachen Wiese zu einer hochgiftigen Mülldeponie und später zum Energieberg nachzeichnet.

Rundweg auf dem Energieberg: Geöffnet von April bis Oktober

Die Stadtreinigung Hamburg bietet an den Wochenenden zwischen April und Oktober kostenlose Führungen an. Diese beinhalten einen Gang durch die Ausstellung sowie einen Spaziergang auf den Berg. Von November bis März sind Berg und Ausstellung aus Sicherheitsgründen geschlossen - an den Rotoren der Windräder kann sich Eis bilden und herabstürzen. In den übrigen Monaten ist der Berg ein guter Aussichtspunkt und ein interessantes Ziel für einen Spaziergang.

Der Dioxinskandal
Fässer mit Dioxon auf einer Hamburger Mülldeponie.
4 Min

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Der damalige Umweltsenator Wolfgang Curilla auf den Dioxin-Skandal 1984 zurück. 4 Min

Dieses Thema im Programm:

Rund um den Michel | 30.01.2022 | 18:00 Uhr

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