Stand: 04.01.2018 11:30 Uhr

Helmstedt - Stadt mit Geschichte

Bild vergrößern
Fachwerkhäuser säumen die Altstadt rund um den Markt.

Als innerdeutsche Grenzstadt im östlichen Zipfel Niedersachsens war Helmstedt für viele jahrelang nur eine Transitstation auf der Fahrt nach Berlin. Zu Unrecht, denn die ehemalige Hanse- und Universitätsstadt blickt auf eine interessante Geschichte zurück und lohnt einen Besuch. Besonders farbenfroh zeigt sich die Altstadt - dort stehen viele schön restaurierte Fachwerkhäuser mit teils üppigen farbigen Dekorationen.

Im Mittelalter war Helmstedt von einer Stadtmauer mit vier Tortürmen umgeben. Teile davon sind noch immer zu sehen, außerdem führt ein begrünter Wall um die Altstadt, der sich gut für einen Spaziergang eignet. Von den vier Türmen ist nur noch einer erhalten, der 36 Meter hohe Hausmannsturm. Er liegt am Ende der Neumärker Straße und ist das älteste erhaltene Stadttor im Braunschweiger Land. Einst wohnte dort ein Turmwächter, der die Bürger mit einem Signalhorn über die Zeit oder drohende Gefahren informierte. Diese Tradition wird noch heute gepflegt - von April bis Oktober ist der Bläser jeden Sonnabend um 12 Uhr zu hören.

Von der Hansestadt zum Mode-Bad

Helmstedt wird 952 erstmals urkundlich erwähnt - als Siedlung in der Nähe des Benediktinerklosters St. Ludgeri, dem es bis ins späte Mittelalter untersteht. 1247 erhält Helmstedt die Stadtrechte. Verkehrsgünstig zwischen den Handelsstraßen Lüneburg-Halberstadt und Braunschweig-Magdeburg gelegen, entwickelt sich die Stadt zu einem bedeutenden Handelszentrum, von 1426 bis 1518 gehörte sie sogar zur Hanse - wenn auch als kleinstes Mitglied. Im 18. Jahrhundert machen die Heil- und Trinkquellen außerhalb der Stadt Helmstedt zu einem beliebten Kurbad.

Juleum: Früher Universität, heute Kulturzentrum

Bild vergrößern
Hofarchitekt Paul Francke entwarf das schlossähnliche Universitätsgebäude im Stil der Renaissance.

Das bekannteste und für viele auch schönste Gebäude der Stadt ist die ehemalige Universität - das Juleum. Als Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel die Academia Julia 1576 gründete, war sie eine der ersten protestantischen Universitäten Norddeutschlands und dominierte bald das Leben in der Stadt. Die namhaften Professoren, darunter Giordano Bruno und Hermann Conring, trugen maßgeblich zu ihrem Ruhm bei. Sie wohnten in großen Häusern, die auch Vorlesesäle und Bibliotheken beherbergten.

Fast 250 Jahre zog die Universität Studenten an, bis 1810 per Dekret ihre Auflösung beschlossen wurde, weil andere Standorte bedeutender waren. Heute ist das schlossartige Gebäude ein Kulturzentrum, in dem regelmäßig Konzerte und Vorlesungen stattfinden. Die Bibliothek im Obergeschoss beherbergt etwa 30.000 Titel aus alten Universitätsbeständen. Im Kellergewölbe befindet sich das Kreis- und Universitätsmuseum. Jeden 1. Sonnabend im Monat (April bis Oktober) haben Besucher von 11 bis 12 Uhr die Gelegenheit, den Turm des Gebäudes zu besteigen.

Wer Helmstedt nicht nur auf eigene Faust erkunden möchte, sondern sich auch für Details der Geschichte interessiert, kann sich einer der zahlreichen Führungen anschließen, die die Stadt anbietet. Die Themen sind vielfältig - es geht etwa um die historische Stadtbefestigung, die Professorenhäuser oder den Braunkohleabbau in der Region.

Das Zonengrenz-Museum dokumentiert die jüngste Geschichte

Bild vergrößern
Die ehemalige innerdeutsche Grenze bei Helmstedt existiert heute nur noch auf einem Schild.

Durch die deutsche Teilung wurde Helmstedt nach dem Zweiten Weltkrieg Grenzstadt. Bis 1990 befand sich dort an der Transitstrecke nach West-Berlin der wichtigste Grenzübergang zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR: Helmstedt/Marienborn. Das Zonengrenz-Museum dokumentiert diese Zeit - mit Originalobjekten wie Warnschildern und Selbstschussanlagen, Fotografien und Texten. Der Eintritt ist frei.

Bild vergrößern
Symbol der deutschen Teilung: Der Kontrollturm in der Gedenkstätte in Marienborn. Sie liegt direkt an der A 2.

Einen Eindruck von den ehemaligen Grenzanlagen auf DDR-Seite können sich Besucher auch direkt vor Ort verschaffen - in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn. Auf dem weitläufigen Gelände können sie ehemalige Einrichtungen wie die Passkontrollstation, die Kontrollgarage und den Kommandoturm besichtigen. Eine Dauerausstellung erläutert die historischen Zusammenhänge und dokumentiert den Ausbau der Grenzanlagen. Der Verein Grenzenlos bietet ergänzend Rundfahrten entlang des ehemaligen Grenzstreifens an.

Weitere Informationen

Sieben Hektar deutsch-deutsche Geschichte

Der Grenzübergang Helmstedt/Marienborn war einer der größten zwischen Ost und West. Schikanös ging es hier bis 1989 zu, heute erinnert eine Gedenkstätte an die deutsche Teilung. mehr

Ausflüge in die Natur

Helmstedt ist auch ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen oder Radtouren im nahegelegenen Naturpark Elm-Lappwald. Auf dem St. Annenberg westlich der Stadt befinden sich die sogenannten Lübbensteine. Die beeindruckenden Großsteingräber sind mehr als 3.000 Jahre alt.

Karte: Hier liegt Helmstedt

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 23.07.2016 | 19:30 Uhr

Urlaubsregionen im Norden

Mehr Ratgeber

08:39
Mein Nachmittag