Stand: 12.02.2016 15:14 Uhr

Wolfenbüttel: Die ganze Pracht der Welfen

Schon Giacomo Casanova, der italienische Schriftsteller, Weltenbummler und Frauenheld, schwärmte von Wolfenbüttel: Hier habe er "die schönste Woche seines Lebens" erlebt, schrieb er über die acht Tage, die er 1764 dort verbrachte, um in der Herzöglichen Bibliothek zu lesen.

Eine Stadt nach Plan

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Das stattliche Schloss ist das Wahrzeichen der Stadt.

Es waren die Welfenherzöge von Braunschweig und Lüneburg, die Wolfenbüttel über mehrere Jahrhunderte zu einem Zentrum der Künste und der Kultur aufbauten. Um 1430 verlegten sie ihre ständige Residenz in eine Burg südlich von Braunschweig. Sie engagierten die besten Baumeister und Stadtplaner ihrer Zeit und ließen nach deren Plänen systematisch die erste Stadt Deutschlands im Renaissance-Stil anlegen. Neben Casanova wirkten und arbeiteten in Wolfenbüttel Gelehrte, Dichter und Komponisten, darunter Gotthold Ephraim Lessing, Michael Praetorius, Gottfried Wilhelm Leibniz und Wilhelm Busch.

Prächtige Bauten blieben erhalten

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Dutzende gepflegte Fachwerkhäuser prägen die Altstadt von Wolfenbüttel.

Schon 1572 gründete Herzog Julius eine Bibliothek, die bis heute unter dem Namen Herzog August Bibliothek einen hervorragenden Ruf genießt. Julius ließ auch ein Theater mit regelmäßigen Aufführungen einrichten. Von den Schätzen der Bibliothek über das prachtvolle Renaissance-Schloss bis zum ehemaligen Grachtenviertel "Klein Venedig" bietet die 50.000-Einwohner-Stadt eine Fülle an Sehenswürdigkeiten, die den damaligen Wohlstand belegen. Dazu gehören auch das Zeughaus, die Marienkirche und Dutzende Hofbeamtenhäuser.

Herzögliche Pracht im Schlossmuseum

Das Schloss, eine ehemalige Wasserburg, ist nach dem Leineschloss in Hannover der größte erhaltene Schlossbau in Niedersachsen. Erst im 18. Jahrhundert erhielt es sein heutiges Aussehen, zuvor wurde das Gebäude durch An- und Umbauten immer wieder verändert: Der charakteristische Renaissanceturm stammt von 1614, die Arkaden im Innenhof von 1643 und die barocke Fachwerkfassade wurde um 1715 vor die ursprüngliche Steinmauer gesetzt. In der mächtigen Vierflügelanlage residierten die Herzöge aus dem Haus der Welfen 320 Jahre lang. 1754 verlegten sie ihre Residenz nach Braunschweig.

Schloss Wolfenbüttel

An die glanzvolle Zeit des Schlosses erinnern noch heute die Repräsentationsräume, die auch das Herzstück des Schlossmuseums bilden. Neben den Staatsgemächern mit ihren eindrucksvollen Beispielen fürstlicher Wohn- und Tafelkultur aus dem Zeitalter des Absolutismus bietet das Museum eine Fülle von Objekten des bürgerlichen Lebens der vergangenen 300 Jahre.

Eine Bibliothek als Weltwunder

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Hinter der beeindruckenden Fassade der Herzog August Bibliothek lagern Hunderttausende Schriften und Bücher.

Die berühmte Bibliothek galt bereits vor 300 Jahren als das achte Weltwunder. Unter dem belesenen Fürst Herzog August (1579-1666) entwickelte sie sich zur größten Büchersammlung Europas. Weltweit beherbergte sie die größte Anzahl Drucke und gehörte - auch was die Sammlung mittelalterlicher Handschriften anging - zu den bedeutendsten Bibliotheken in Europa. Das heutige Gebäude entstand zwischen 1883 und 1887 im Stil eines florentinischen Palastes. Inzwischen gilt sie als moderne Forschungsbibliothek von internationalem Rang. Etwa ein Drittel des Bestands von rund einer Million Bänden stammt aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. Wertvollstes Stück und Publikumsmagnet ist das 1983 ersteigerte Evangeliar Heinrichs des Löwen, eine der prächtigsten und kunsthistorisch wertvollsten Handschriften des Mittelalters.

aufgeschlagenes Buch © picture-alliance/dpa Fotograf: Lehtikuva Ismo Pekkarinen

Herzog August von Braunschweig-Wolfenbüttel

NDR 1 Niedersachsen

August kommt 1579 als letztgeborenes Kind von Herzog Heinrich von Dannenberg zur Welt. Mit 25 Jahren baut er einen Hof in Hitzacker auf. Dort fängt er an, Bücher zu sammeln.

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Zu Besuch bei Lessing

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Lessing wohnte und arbeitete in dem Haus gegenüber der Bibliothek (im Hintergrund).

1770 holte Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel den damals schon bekannten Dichter und Dramaturgen Gotthold Ephraim Lessing als Bibliothekar an die herzogliche Bibliothek. Mithilfe einer eigens gegründeten Literaturzeitschrift wollte er die Bibliothek einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. 1777 zog Lessing mit seiner Frau in ein prächtiges Hofbeamtenhaus, das 1733 im Stil eines spätbarocken französischen Parkschlösschens errichtet wurde. Bis zu seinem Tod im Jahr 1781 wohnte und arbeitete er dort. Im Lessinghaus schrieb der Dichter unter anderem das bekannte Drama "Nathan der Weise". Heute können Besucher in den 15 Ausstellungsräumen Leben und Werk des Literaten kennenlernen.

Die Grabkirche der Fürsten

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Die Hauptkirche Beatae Mariae Virginis gilt als gelungener Stilmix.

Die Kirche Beatae Mariae Virginis, auch Marienkirche genannt, zählt zu den ersten protestantischen Großkirchenbauten in Norddeutschland. Herzog Heinrich Julius ließ das Gotteshaus von 1608 an als Hauptkirche des Herzogtums und Grabkirche des Fürstenhauses Braunschweig-Wolfenbüttel auf einer ehemaligen Kapelle errichten. Der Entwurf für die dreischiffige Hallenkirche in mittelalterlicher Tradition stammt vom Herzoglichen Baumeister Paul Francke, der den Bau bis zu seinem Tod 1615 leitete. Das Besondere an der Kirche ist die Verschmelzung verschiedener Stilrichtungen wie Gotik, Barock und Renaissance zu einem harmonischen Ganzen.

Klein Venedig: Wie im Mittelalter

Wer durch Wolfenbüttel bummelt, entdeckt neben den prunkvollen Bauten und den hübschen Fachwerkhäusern auch "Klein Venedig". Inmitten der Altstadt am Flüsschen Oker befinden sich die Überreste eines alten Grachtensystems. Damals wurden auf diese Weise die sumpfigen Oberauen der Stadt trockengelegt, sodass eine Besiedlung erst möglich wurde. Die heute noch erhaltenen Grachten am Übergang von Stobenstraße und Schiffwall erbauten holländische Städteplaner im 16. Jahrhundert.

Karte: Sehenswertes in Wolfenbüttel
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.05.2015 | 07:20 Uhr

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