Stand: 19.05.2020 12:04 Uhr

Die ältesten Speere der Menschheit bewundern

Eine Gruppe von Kindern schaut sich die Speere in einer Vitrine an.  Foto: Julian Stratenschulte
Mit diesen 300.000 Jahre alten Speeren gingen unsere Vorfahren auf die Jagd.

Es war eine archäologische Sensation: 1994 stießen Forscher bei Grabungen im kleinen Ort Schöningen nahe Helmstedt auf acht vollständig erhaltene Jagdwaffen aus Holz. Das Besondere: Die Speere sind etwa 300.000 Jahre alt und dank der geologischen Verhältnisse am Fundort bestens erhalten. Sie gelten als die ältesten erhaltenen Jagdwaffen der Menschheit. Im Frühjahr 2020 berichteten Experten von einem weiteren spektakulären Fund. Sie waren auf das nahezu vollständige Skelett eines eurasischen Waldelefanten gestoßen, das ähnlich alt ist. In der Gegend lebten damals auch Löwen, Bären, Nashörner und andere große Säugetiere.

Jagdszenen aus frühen Tagen der Menschheit

Ein Mann steht vor einem großen Gemälde, das Tiere und Jagdszenen zeigt. © NDR.de Foto: Michael Lindenau
In imposanten Gemälden wird die einstige Land- und Lebenswelt der "Homo heidelbergensis", lebendig.

Alle Details um die Funde und das Leben der Menschen vor 300.000 Jahren zeigt das Forschungsmuseum Schöningen - das ursprünglich Paläon hieß. Die Ausstellung präsentiert neben den Speeren zahlreiche Knochen und Steinwerkzeuge und stellt Jagdszenen der damaligen Zeit in Bildern und Installationen nach. Besucher lernen auch "Hamlet" kennen, die lebensgroße Nachbildung eines "Homo heidelbergensis", eines Vorfahren der heutigen Menschen. Außerdem bietet die Ausstellung anhand von Erdschichten einen Einblick in die Klimageschichte der Erde. Da die Grabungen am Braunkohletagebau in Schöningen andauern, kommen immer wieder neue Funde ans Tageslicht.

Schöninger Speere: Die Welt des Homo heidelbergensis

Forschungsmuseum Schöningen

Paläon 1 (an der L 652)
38364 Schöningen
Tel. (05352) 969 13

Öffnungszeiten, Eintrittspreise und weitere Informationen auf der Website der Ausstellung

Für Wissenschaftler ist der Fund der rund zwei Meter langen Speere so bedeutend, weil er zeigt, wie der Homo heidelbergensis in der Altsteinzeit lebte und jagte. Die Speere lagen inmitten eines Lagerplatzes mit weiteren Jagdwaffen sowie Tausenden Knochen von Wildpferden. Zahlreiche Thesen über die Entwicklung der Menschheit mussten aufgrund der Funde verworfen werden.

Moderne Architektur für Funde aus der Altsteinzeit

Auf einer Wiese vor dem paläon in Schönigen blühen einige Gänseblümchen. © paläon GmbH - Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speer
Die Fassade des Gebäudes wirkt wie ein Spiegel, der Himmel und Landschaft reflektiert.

Das futuristisch anmutende Gebäude des Museums wirkt von außen wie ein Spiegel, der die umliegende Wald- und Wiesenlandschaft reflektiert. Aus dem Inneren bieten sich Ausblicke auf die Fundorte am Rand eines Braunkohle-Tagebau-Gebiets, das 2016 stillgelegt wurde und nun renaturiert wird.

Zu der Anlage gehört auch ein etwa 24 Hektar großer Park, der dem Landschaftsbild der Altsteinzeit nachgebildet wurde. Ein Erlebnisparcours mit verschiedenen Mitmachstationen bringt Kindern die Landschaft näher.

Neuer Name seit Juli 2019

Das Forschungsmuseum Schöningen hieß bis Juni 2019 Paläon und stand wegen Verlusten in Millionenhöhe und sinkender Besucherzahlen in der Kritik. Dann wurde es vom Land Niedersachsen übernommen, das nun einen Großteil der laufenden Kosten trägt.

VIDEO: Waldelefant: Sensationsfund in Schöningen (4 Min)

Karte: paläon in Schöningen

Weitere Informationen
Der Professor Nicholas Conard und der Doktorand Ivo Verheijen zeigen im Forschungsmuseum Schöningen Teile eines skelettierten Waldelefanten. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

300.000 Jahre alt: Elefanten-Skelett fast komplett

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.05.2020 | 17:00 Uhr

Vier Menschen und ein Hund gehen am Strand spazieren, während sich am Himmel dunkle Wolken auftürmen. © NDR Foto: Wolfgang Bayer aus Neubrandenburg

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