Stand: 27.11.2019 15:13 Uhr

Braunschweig: Zwischen Tradition und Moderne

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Zeugnisse früherer Macht: die Löwenstatue vor dem Dom (r.) und der Burg Dankwarderode.

Eine jahrhundertelange Tradition - aber auch viel aktuelle Forschung und Wissenschaft: In Braunschweig, mit rund 250.000 Einwohnern nach Hannover die zweitgrößte Stadt Niedersachsens, ergänzt sich beides. Da weite Teile Braunschweigs im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, prägen heute Häuser aus der Nachkriegszeit das Stadtbild. Bei einem Stadtbummel trifft man jedoch immer wieder auf "Traditionsinseln" mit prächtigen historischen Gebäuden.

Das Rizzi-Haus in Braunschweig

Tietzer reist nach Braunschweig

Mein Nachmittag -

Braunschweig lockt mit jahrhundertelanger Tradition und aktueller Forschung und Wissenschaft. Reporter Sven Tietzer schaut sich in der zweitgrößten Stadt Niedersachsens um.

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Der Dom: Grabstätte Heinrich des Löwen

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Die ältesten Glocken des Doms stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Der Burgplatz mit Dom, Burg und Löwenstandbild lässt noch die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung Braunschweigs erahnen. Der imposante, dreischiffige Dom St. Blasii entstand zwischen 1173 und 1195 unter Heinrich dem Löwen als Zeugnis seiner Macht und spätere Grabstätte. Besucher können das aus Muschelkalk gefertigte Grab des Herzogs und seiner Frau Mathilde besichtigen sowie zahlreiche Kunstschätze bewundern. Dazu gehören das Imervard-Kreuz, der Marienaltar, ein fünf Meter hoher, siebenarmiger Leuchter sowie mittelalterliche Wandmalereien. Lohnenswert ist auch ein Blick in ein besonders kostbares Buch, das Heinrich der Löwe im Jahr 1188 dem Dom stiftete: das Evangeliar. Die mit zahlreichen kunstvollen Bildern verzierte Handschrift ist allerdings nur eine aufwendige Kopie. Das Original liegt als teuerstes Buch der Welt gut geschützt im Tresor der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel.

Ein renommiertes Museum - zwei Standorte

Unmittelbar neben dem Dom steht Burg Dankwarderode, einst die Residenz Heinrich des Löwen. Der heutige Bau wurde im späten 19. Jahrhundert als Rekonstruktion nach dem mittelalterlichen Grundriss errichtet. Die Burg ist einer von zwei Standorten des Herzog Anton Ulrich-Museums. Besucher können dort die Mittelalter-Abteilung sowie Teile des Welfenschatzes und liturgische Gewänder besichtigen.

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In der Gemälde-Galerie hängen unter anderem Werke von Peter Paul Rubens und Rembrandt van Rijn.

Das Hauptgebäude des Museums steht im Museumspark an der Oker. Die Gemälde-Galerie von internationalem Rang zeigt wertvolle Werke von Rembrandt, Rubens, van Dyck, Cranach und anderen berühmten Malern. Herzog Anton Ulrich gründete die Sammlung 1754. Nachdem sie zunächst an verschiedenen Orten untergebracht war, wurde 1887 der heutige Museumsbau im Stil der italienischen Renaissance eröffnet. Noch immer sind Gemälde, die an mit farbigem Stoff bespannten Wänden präsentiert werden, das Herzstück der Ausstellung auf insgesamt fast 4.000 Quadratmetern.

Traditionsinseln zwischen modernen Bauten

Direkt hinter dem schönen, mittelalterlichen Burgplatz beginnt die ausgedehnte Fußgängerzone der Altstadt. Über die Stadt verteilt gibt es fünf sogenannte Traditionsinseln (Aegidien, Altstadtmarkt, Burgplatz, Magniviertel, Michaelis): Bezirke, die noch mit prachtvollem Baubestand aus dem Mittelalter aufwarten können. In jedem Bezirk gab es einst eine Kirche, ein Rathaus und einen Markt. Auf dem Altstadtmarkt, der im 12. Jahrhundert angelegt wurde, ist das bis heute so.

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Der Altstadtmarkt mit Rathaus und Brunnen ist eine der Braunschweiger Traditionsinseln.

Den Mittelpunkt des Platzes bildet der Marienbrunnen. Darum gruppieren sich die Martinikirche, das Alte Zollhaus von 1643, das Gewandhaus mit Renaissancegiebel und das Altstadtrathaus. An seiner Fassade befinden sich viele - zum Teil gruselige - gotische Figuren und eine Braunschweiger Elle. Sie ist an einer der Säulen des Laubengangs eingelassen, misst genau 57,07 Zentimeter und diente im Mittelalter Kaufleuten, besonders den Tuchhändlern, als verbindliche Maßeinheit.

Das fröhliche Rizzi-Haus

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Bunt und fröhlich: Das Rizzi-Haus ist ein beliebtes Fotomotiv.

Das moderne Braunschweig zeigt sich bunt. Rosa, Gelb, Grün, Rot, mit Tupfen, Herzen und Figuren: Wer durch das Magniviertel bummelt, traut zunächst seinen Augen nicht, denn dort leuchten bemalte, lachende Häusertürme im Comic-Stil. Der international bekannte New Yorker Künstler James Rizzi hat sie auf Initiative des Galeristen Olaf Jaeschke und des Architekten Konrad Kloster gestaltet. Formen und Farben bilden bewusst einen Gegensatz zu unseren üblichen Bau- und Sehgewohnheiten. Das Happy Rizzi Haus besteht aus mehreren Baukörpern und ist eine begehbare Bauskulptur. Da das Gebäude als Bürohaus genutzt wird, ist es allerdings nicht öffentlich zugänglich.

Einkaufsmeile hinter Schloss-Fassade

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Außen scheinbar alt, innen ein Einkaufszentrum: das Schloss.

Eine nicht unumstrittene Mischung von Kultur und Konsum bietet das 2007 wieder aufgebaute Residenzschloss aus dem 18. Jahrhundert. Hinter der originalgetreu rekonstruierten Fassade befindet sich eine Einkaufsgalerie mit mehr als 150 Geschäften, Cafés und Restaurants. Daher bezeichnen die Braunschweiger das Gebäude auch gern als "Vorhängeschloss". Außerdem enthält der Gebäudekomplex die Stadtbücherei, das Kulturbüro und in der Beletage im Nordflügel ein 600 Quadratmeter großes Schlossmuseum.

Schlossmuseum gewährt Einblicke in das Leben der Fürsten

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Das Museum zeigt unter anderem ein historisches Arbeitszimmer der Fürsten.

Für das Museum wurden fünf repräsentative Säle nach historischen Vorlagen rekonstruiert. Wandverkleidungen und Möbel bestehen überwiegend aus historischen Stücken, die Museen und Sammler zur Verfügung gestellt haben. So bekommen Besucher einen Eindruck davon, wie die braunschweigischen Herzöge zwischen 1830 und 1918 gelebt haben. Auf Informationstafeln haben die Gestalter bewusst verzichtet, um den historischen Gesamteindruck nicht zu stören. Wer mehr über das Leben im Schloss und die Bedeutung der Fürsten für die Stadt Braunschweig erfahren möchte, kann sich in einem getrennten Raum, dem Weißen Saal des Schlossmuseums, informieren: An einer festlichen Tafel bekommen Besucher dort ein elektronisches "historisches Menü" über die einstigen Herrscher, die Welfen, sowie über die Geschichte des Schlosses bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und den Wiederaufbau in diesem Jahrhundert serviert.

Klosteranlage Riddagshausen

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Die stattliche Kirche gehörte einst zu einer großen Klosteranlage.

Eines der ältesten gotischen Bauwerke in Deutschland steht in dem östlichen Braunschweiger Stadtteil Riddagshausen: die Klosterkirche St. Mariae von 1275. Sie gehörte einst zu einem Zisterzienserkloster, das Mönche Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet hatten. Von der Anlage sind heute neben der Kirche nur noch das Torhaus, die Klostermauer sowie die Frauen- und Siechenkapelle erhalten.

Karnevalshochburg des Nordens

Wer den Karneval liebt und es in der fünften Jahreszeit nicht bis nach Mainz oder Köln schafft, ist in Braunschweig genau richtig. Die Stadt ist die Karnevalshochburg des Nordens. Tausende Narren begleiten jedes Jahr am Sonntag vor Rosenmontag den sogenannten Schoduvel durch die Innenstadt, einen etwa sechs Kilometer langen Karnevalsumzug mit Motivwagen und Musik.

Hochschulen und das Zentrum der Zeitmessung

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Präzision der Technik: Die Atomuhr misst die Zeit ganz genau.

In Braunschweig haben zwei Hochschulen und mehrere Forschungseinrichtungen ihren Sitz. Eine davon ist die Physikalisch-Technische Bundesanstalt, das Zentrum der Zeitmessung in Deutschland. Die Messung erfolgt mit einer Atomuhr, die die Schwingung im Inneren eines Atoms ermittelt. An der Technischen Universität sind rund 20.000 Studierende eingeschrieben, an der Hochschule für Bildende Künste 1.200.

Eine Tour auf der Oker

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Eine Floßfahrt auf der Oker bietet eine ungewohnte Perspektive der Stadt.

Schöne Parkanlagen, historische Bauten und viel Grün: Bei einer Paddeltour auf der Oker entlang der Wallanlagen können Besucher entspannen und Braunschweig vom Wasser aus entdecken. Wer möchte, kann sogar einmal um den alten Innenstadtkern herumfahren, trifft dabei allerdings auf zwei Wehre. Im Mittelalter war die Oker ein wichtiger Handelsweg. Wie ihn Kaufleute nutzten und wo ihre Ziele lagen, erläutert eine geführte Tour.

Karte: Sehenswürdigkeiten in Braunschweigs Zentrum
Ausflugstipp

Weihnachtsmarkt am Braunschweiger Dom

Seit mehr als 300 Jahren gehört der festliche Weihnachtsmarkt in Braunschweig zur Adventszeit. 150 hübsch gestaltete Stände am historischen Dom bieten alles für die Adventszeit. mehr

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Kriminalistisch-kulinarisch: Tour auf der Oker

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Eine besondere Bootstour können Ausflügler auf der Oker unternehmen. Los geht es in Braunschweig. Krimiautor Hardy Crueger sorgt für spannende Unterhaltung an Bord. Video (04:18 min)

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Vor 45 Jahren: Hirsch-Revolution in Braunschweig

Eintracht Braunschweig hat den Profi-Fußball revolutioniert. Am 24. März 1973 trug die Eintracht als erstes Team in der Bundesliga Trikotwerbung. Ein Hirsch verdrängte den Löwen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 29.11.2019 | 16:20 Uhr

Urlaubsregionen im Norden

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