Stand: 09.08.2018 18:59 Uhr

CD der Woche: Der verborgene Fauré

The Secret Fauré: Orchestral Songs & Suites
von diversen Interpreten 
Vorgestellt von Marcus Stäbler

"The Secret Fauré" - der geheime, oder auch der verborgene Fauré: So lautet der Titel eines neuen Albums mit wenig bekannten Werken von Gabriel Fauré, der in Deutschland immer noch viel zu selten gespielt wird. Ivor Bolton taucht mit dem Sinfonieorchester Basel und namhaften Gesangssolisten in die Klangwelt des französischen Komponisten ein.

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Die Musik von Fauré schleicht sich auf leisen Sohlen an. Sie entfaltet ihren Sog erst nach und nach und sehr subtil.

Die Aufnahme begrüßt den Hörer mit einer Trompetenfanfare. Aber sie ist nicht besonders laut oder protzig, sondern zart und elegant. Ein erster Hinweis auf den Charakter der Musik und des ganzen Albums.

Gabriel Fauré war ein eher zurückhaltender Mann und ein sehr feinsinniger Komponist. Das ist in der Aufnahme deutlich zu spüren. Das gut einstündige Programm präsentiert wenig bekannte Werke vom Ende des 19. Jahrhunderts - darunter die Schauspielmusik zum Drama "Caligula" von Alexandre Dumas für Frauenchor und Orchester. Eine echte Entdeckung - und nicht die einzige auf der CD.

Kammermusikalische Intimität

Der britische Dirigent Ivor Bolton trifft den Ton der Musik genau. Er zeichnet mit den Frauenstimmen des Balthasar-Neumann-Chores und dem Sinfonieorchester Basel weiche Linien. Sie prägen einen Großteil der Stücke. Gabriel Fauré verzichtet weitgehend auf kantige Kontraste und Dramatik, er umschmeichelt den Hörer mit fließenden Farben und Konturen, ohne jemals in Kitsch abzugleiten.

Faurés Werke verströmen oft eine kammermusikalische Intimität. Vor allem in seinen Liedern, die er teilweise selbst für Orchester bearbeitet hat. Sie gehören zu den Höhepunkten der Aufnahme.

Sanfter Zauber

Die Sopranistin Olga Peretyatko vereint vokalen Glanz mit Raffinesse und Wärme; das ist genau die Mischung, die diese Musik braucht, um ihren sinnlichen Reiz zu entfalten. Besonders schön im Lied "Clair de lune", in dem Fauré den Schimmer des Mondscheins als Abbild einer menschlichen Seele beschwört.

Gabriel Fauré hat den Sängern ganz natürliche Linien und Melodien in die Stimme gelegt. Auch in der Schauspielmusik zu einer Komödie namens "Shylock" nach Shakespeare. Benjamin Bruns singt den Tenorpart dort mit lyrischem Timbre, von Ivor Bolton und dem Basler Sinfonieorchester in wunderbar flauschige Klänge gebettet.

Die Musik von Fauré springt einen nicht an und überwältigt nicht, sondern schleicht sich auf leisen Sohlen an. Sie entfaltet ihren Sog erst nach und nach und sehr subtil. Mit einem sanften Zauber, der süchtig machen kann.

The Secret Fauré: Orchestral Songs & Suites

Label:
Sony Classical

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 13.08.2018 | 15:20 Uhr