Stand: 16.08.2019 13:41 Uhr

Rainer Sütfeld - eine Stimme, die fehlen wird

von Stephanie Pieper

Ob als Autor unserer Kolumne "NachGedacht", der "Gedanken zur Zeit" oder als kenntnisreicher Journalist, der aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen einschätzt: Rainer Sütfeld war bis zu seinem Ruhestand im vergangenen Jahr eine feste Größe bei NDR Kultur - zehn Jahre lang leitete er hier die Redaktion Kulturelles Wort, nachdem er zuvor lange Zeit Korrespondent für die ARD in Berlin und in New York war. Jetzt ist Rainer Sütfeld mit 64 Jahren gestorben. NDR Programmdirektor Hörfunk Joachim Knuth würdigt ihn als "ausgezeichneten Journalisten, der über fast 30 Jahre eine starke Stimme des NDR war. Seine Neugier und seine vielfältigen Begabungen zwischen aktueller Berichterstattung, tiefgründiger Recherche und redaktioneller Verantwortung haben die Programme bereichert. Für viele Hörerinnen und Hörer gehörten seine Reportagen, Kommentare und Interviews zu 'ihrem' Radio einfach dazu." Ein Nachruf auf Rainer Sütfeld.

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Rainer Sütfeld war von 2008 bis zu seinem Ruhestand 2018 Redaktionsleiter des Kulturellen Worts bei NDR Kultur.

Diese Stimme. Rainer Sütfeld hatte eine Stimme, die wie für das Radio geschaffen war. Ein besonderes, prägnantes Timbre, das das Publikum über viele Jahre oft von dort vernommen hat, wo Zeitgeschichte geschrieben wurde - aus Bonn, aus dem Ost-Berlin der Wendezeit, aus der neuen Hauptstadt Berlin in der Zeit des Regierungsumzugs, oder eben aus New York. Eine Stadt, die traumatisiert war von 9/11. Es folgte: der Krieg gegen den Terror. Im Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen hat Rainer Sütfeld damals den berühmten Auftritt von Colin Powell zur Existenz angeblicher Massenvernichtungswaffen im Irak erlebt:

"Satellitenfotos, Tonbandaufzeichnungen, Abhörprotokolle und Zeugenaussagen von zumindest hoher Dramatik hat US-Außenminister Colin Powell dem staunenden Sicherheitsrat vorgelegt.“ Rainer Sütfeld

Als Vollblut-Journalist in Berlin und New York

Jene Tage und Nächte im Jahr 2003, das hat Rainer Sütfeld immer wieder erzählt, waren für ihn die Sternstunden seiner journalistischen Karriere. Über das Weltgeschehen zu berichten, es einzuordnen, zu kommentieren - das hat ihn gereizt. Er war das, was man einen Vollblut-Journalisten nennt. Und als Leiter des ARD-Hörfunkstudios New York verfügte er überdies über eine außergewöhnliche Beharrlichkeit, exklusive Gesprächspartner zu gewinnen - so gelang es ihm, Woody Allen, Christo und Daniel Libeskind vors Mikrofon zu locken.

Geboren 1955 in Essen, studierte Rainer Sütfeld in München und volontierte beim "Münchner Merkur". Nach Stationen beim Saarländischen, beim Bayerischen und beim Hessischen Rundfunk kam er 1991 zum Norddeutschen Rundfunk. Hier wirkte er zunächst bei NDR 4 - dem Vorläufer von NDR Info - als Leiter der Redaktion Politik und Aktuelles, Chef vom Dienst und später auch als stellvertretender Wellenchef. 1995 ging er nach Berlin, wo er maßgeblich half, das neue ARD-Hauptstadtstudio im Regierungsviertel aufzubauen - und als es fertig war, berichtete er darüber:

"Nicht ohne Stolz präsentierte der ARD-Vorsitzende, vier Tage vor der feierlichen Eröffnung mit Bundespräsident Herzog, heute das neue Hauptstadtstudio - in dem, so Peter Voß, die ARD ihrer vornehmsten, vor allem aber beim Publikum erfolgreichsten Aufgabe nachkommen wird: Informationen zu verbreiten." Rainer Sütfeld

Ein ausgeprägtes Faible für Kultur

Von der Bonner zur Berliner Republik, diesen Wandel hat Rainer Sütfeld aus nächster Nähe journalistisch begleitet - und war Vorsitzender des Berliner Presse-Clubs. Auch als Redaktionsleiter des Kulturellen Worts von 2008 bis zu seinem Ruhestand 2018 nahm er weiter lebhaft Anteil am politischen Geschehen, kommentierte für "Die Meinung" auf NDR Info und auf NDR Kultur für die "Gedanken zur Zeit" oder die "NachGedacht"-Kolumne - bisweilen auch kritisch gegenüber dem eigenen Berufsstand:

"Die oft zitierte vierte Gewalt sollte nicht verletzen, gar vernichten. Hier könnte sich übrigens eine Chance inmitten des medialen Vertrauensverlustes auftun: Fakten statt Gerüchte, Kritik statt Beschimpfung. Und auch mal was Positives wagen." Rainer Sütfeld

Wo er auch lebte, hat er sein Faible für die Kultur - für Architektur und Ausstellungen, für Konzerte und die Oper - ausgelebt. Mit der BahnCard100 im Gepäck reiste Rainer Sütfeld viel in der Republik umher - nach Berlin, nach Hamburg, und in seine alte Heimat, das Ruhrgebiet. Privat liebte er es zu kochen, für sich und für andere - und engagierte sich ehrenamtlich in der Küche eines Hospizes in Hannover. Seinen Ruhestand in Berlin konnte er leider nur kurz genießen. Nach längerer Krankheit ist er dort am vergangenen Sonntag im Alter von 64 Jahren gestorben. Nicht nur die Stimme von Rainer Sütfeld wird fehlen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 16.08.2019 | 14:20 Uhr