Beschäftigte der Theater in Niedersachsen und weitere Kulturschaffende demonstrieren vor dem Landtag Niedersachsen. © picture alliance/dpa Foto: Julian Stratenschulte

#rettedeintheater: Demo gegen Kultur-Sparzwänge für Niedersachsen

Stand: 10.11.2021 14:48 Uhr

Der aktuelle Haushaltsplanentwurf der Landesregierung sieht große Sparzwänge bei den Theatern in Niedersachsen vor. Dagegen wurde heute in Hannover demonstriert. Mit dabei war die Regieassistentin Beatrice Müller.

Beschäftigte der Theater in Niedersachsen und weitere Kulturschaffende demonstrieren vor dem Landtag Niedersachsen. © picture alliance/dpa Foto: Julian Stratenschulte
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Frau Müller, Sie sind gleich nach der Demo zu uns ins Studio gekommen. Was war das für eine Stimmung auf den Straßen?

Beatrice Müller: Es war bunt, es war laut, und alle haben sich sehr solidarisch mit den betroffenen Theatern gezeigt, die zahlreich vertreten waren. Laut Veranstaltern sind 3.000 Menschen zusammengekommen, hauptsächlich aus Niedersachsen, aber ich habe auch Kollegen gesehen, die aus anderen Teilen Deutschlands angereist sind.

Sie haben die Aktion #rettedeintheater an Ihrem Haus in Braunschweig mitorganisiert. Was bewegt Sie konkret? Wie ist die Lage am Staatstheater Braunschweig?

Müller: Das Staatstheater Braunschweig ist von den Haushaltsplänen, so wie sie jetzt vorgesehen sind, noch nicht betroffen - zumindest sind keine Einschränkungen vorgesehen. Aber für uns war es trotzdem wichtig, uns auf der einen Seite mit den Kollegen der betroffenen Häuser, des Staatstheaters Hannover und der kommunalen Theater in Niedersachsen, zu solidarisieren. Es betrifft das Staatstheater Braunschweig noch nicht, aber wer weiß, was in Zukunft ist. Nach diversen Lockdowns ist es jetzt umso wichtiger, die Kultur wieder zu stärken, nach vorn zu bringen, und das nicht als Ausflucht zu benutzen, an den Theatern und der Kultur im Allgemeinen zu sparen.

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Eingang zum Schauspielhaus Hannover. © NDR Foto: Julius Matuschik

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Vor drei Jahren hat es die Aktion #rettedeintheater bereits schon einmal gegeben. Jetzt hat sich die Lage noch einmal verschärft. Warum werden die Theater so sträflich behandelt - oder so wenig gesehen?

Müller: Das ist eine gute Frage, auf die ich nicht wirklich eine Antwort geben kann. Denn die Theaterarbeit ist zentral in unserem Leben vorhanden und wir leben dafür. Es ist eine Arbeit, die wir gern machen für unser Publikum und uns zeigen möchten. Die Leute, die jetzt wieder kommen, nehmen es auch großartig an. Von daher würden wir uns wünschen, dass wir mehr Unterstützung bekommen.

Gerade unter Corona haben die Kulturinstitutionen sehr gelitten. Theater wurden sehr früh geschlossen, und sie waren die letzten, die wieder öffnen durften. Dabei wurde das Kulturbedürfnis, die Kraft, die die Kultur in Ausnahmesituationen geben kann, durchaus erkannt. Nicht erkannt wurde aber, dass die Kultur mehr Unterstützung braucht. Wie nehmen Sie das wahr?

Müller: Wirkliche Unterstützung nimmt man - zumindest seitens der Politik - nicht großartig wahr. Und das ist für so einen Betrieb eine große Herausforderung. Wir arbeiten mit großen Kollektiven zusammen, wir sind darauf angewiesen, die Säle zu füllen. Das ist immer noch nicht der Fall: Auch wenn wir seit dem Sommer wieder spielen, können wir die Säle immer noch nicht voll besetzen. Das stellt so ein Haus finanziell, praktisch, organisatorisch vor Herausforderungen, und die müssen gemeistert werden. Aber das sind alles Sachen, die hausintern verhandelt werden.

Das Staatstheater Hannover ist jetzt bereits betroffen - was würde das für das Staatstheater Braunschweig bedeuten? Wie müssten Sie sich dann aufstellen?

Müller: Das ist eine gute Frage, mit der wir uns zurzeit wieder sehr beschäftigen. Wir haben jetzt am Haus die Aktion gestartet, die vor ein paar Jahren vom Ensemble-Netzwerk initiiert worden ist: 40.000 Theatermitarbeiter treffen ihre Abgeordneten. Wir laden ganz gezielt Kulturpolitiker zu uns ein, zeigen ihnen das Haus, kommen mit ihnen ins Gespräch, um das möglichst abzuwenden und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was es bedeuten würde, an den Theatern noch mehr einzusparen. Die Personaldecke ist an allen Ecken und Enden schon sehr dünn. Entweder müsste man ganze Sparten schließen, oder man müsste weniger produzieren. Auf dem Niveau, wie wir jetzt arbeiten, könnten wir nicht nicht weiterarbeiten.

Das Gespräch führte Claudia Christophersen

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Das Staatstheater Braunschweig bei Nacht von außen gesehen © Björn Hickmann/ Stage Picture Foto: Björn Hickmann

Kulturpartner: Staatstheater Braunschweig

Das Staatstheater Braunschweig ist ein Fünfspartenhaus und vereint die Bereiche Musiktheater, Schauspiel, Tanztheater, JUNGES! Staatstheater und Staatsorchester. extern

Eingang zum Schauspielhaus Hannover. © NDR Foto: Julius Matuschik

Kulturpartner: Schauspiel Hannover

Thematisch nimmt sich das Schauspielhaus vergangener Epochen ebenso an wie zeitgenössischen Stücken. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 10.11.2021 | 18:00 Uhr