Stand: 27.08.2018 13:54 Uhr

Mammutaufgabe: Staatsarchiv wird digitalisiert

von Benedikt Scheper

Welche Fragen heutige Historiker und Soziologen an das Mittelalter stellen, wissen wir. Und wir können regelmäßig in der Zeitung lesen oder im Radio hören, wenn es interessante Details über die Historie gibt. Doch welche Fragen Forscher in 500 Jahren einmal an die heutige Zeit stellen werden, weiß niemand. Deshalb versuchen Archive in ganz Deutschland, einen Teil ihres Archivgutes sukzessive zu digitalisieren. Doch das ist bei riesigen Magazinen, voll mit Urkunden und Fotos, natürlich eine immense Herausforderung.

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Für die Digitalisierung der Bestände im Hamburger Staatsarchiv stehen jährlich 400.000 Euro zur Verfügung.

Langsam rollen die massiven Eisenregale zur Seite und geben den Blick auf einen Teil archivierter Hamburger Geschichte frei: Bücher, Unterlagen, Fotos, Karten. Insgesamt 40 Regalkilometer misst das archivierte kulturelle Erbe der Hansestadt. Und das ist bei Ahnenforschern und Wissenschaftlern aus der ganzen Welt gefragt. Was besonders häufig nachgefragt wird oder zu zerfallen droht, wird teilweise digitalisiert. Insgesamt ein bis fünf Prozent des Gesamtbestandes. Doch der immense Umfang und beispielsweise unterschiedliche Papierformate stellen nur einen Bruchteil der Mammutaufgabe dar, erklärt die zuständige Referentin für Digitalisierung, Anke Hönnig: "Eine Herausforderung ist, das herauszusuchen, was digitalisiert werden soll und was auf Interesse stößt. Die größte Herausforderung ist, das dann zu sichern, denn das kostet viel Geld. Wir haben ein Digitalisierungsprojekt mit 8.500 Bänden gehabt, und da sind dann 3,5 Millionen Digitalisate herausgekommen. Und das ist schon eine Hausnummer, wenn wir dann 80 Terabyte Speicher brauchen für diese Bände, die nur ein ganz kleiner Teil von den Unterlagen sind, die wir hier haben."

Mittelalter trifft Hightech

Bis zu sieben psychisch beeinträchtigte Menschen der Elbewerkstätten lesen dafür pro Tag durchschnittlich rund 300 von Archivaren ausgewählte Dokumente ein. Am Computer werden sie bearbeitet und gespeichert. 7.000 uralte und besonders wertvolle Urkunden lichtet eine Fotografin mit einer speziellen Anlage ab, die das filigrane Objekt perfekt beleuchtet - Mittelalter trifft Hightech. "Wir haben uns deshalb dafür entschieden, damit wir es im World Wide Web jederzeit verfügbar vorhalten können, sodass man die Digitalisate von seiner Couch aus aufrufen kann", sagt der Leiter des Staatsarchivs, Udo Schäfer. Server statt Schatztruhe, heißt es bereits seit einigen Jahren, doch auch die digitale Ablage muss zukunftssicher sein.

Eine mittelalterliche Urkunde wird in eine moderne Einlesemaschine gelegt, damit sie schonen digitalisiert werden kann.

Digitalisierung des Hamburger Staatsarchives

Hamburg Journal -

Das Hamburger Staatsarchiv versucht mit der Digitalisierung des Staatsarchivs das große Ganze im Kleinen abzubilden und als "elektronische Zeitkapsel" zu sichern.

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Denn während im klassischen Magazin gilt: 18 Grad, 50 Prozent Luftfeuchtigkeit und Lichtschutz, funktioniert diese alte Erfolgsformel zur langfristigen Bewahrung von Unterlagen nicht mit Bits und Bytes. Der Dienstleister des digitalen Magazins muss vorausschauend arbeiten: "Er muss regelmäßig überprüfen, ob nicht Nullen und Einsen verloren gehen", erklärt Schäfer. "Er muss überprüfen, ob das Format, in dem wir es abgelegt haben, noch zukünftig unterstützt wird."

Eine elektronische Zeitkapsel

Insgesamt stehen für die Digitalisierung 400.000 Euro jährlich zur Verfügung. Doch das Geld muss auch für die teuren Serverleistungen reichen, und zwar nicht nur für die alten Bestände. Denn heute sind die Archivare zusätzlich mit einer digitalen Datenflut konfrontiert. Daraus eine Auswahl zu treffen, ist schwer. Sie soll im Kleinen das große Ganze der Gegenwart abbilden - von Sozialakten bis hin zu Bauplänen der Elbphilharmonie. Dabei soll ein norddeutscher Kooperationsverbund helfen, der dafür bereits einen Dienstleister gefunden hat. "Unsere Aufgabe wird es nun sein, das digitale Material, genauso wie das papierne, auszuwählen und die Auswahl nicht mehr ins Haus zu holen, sondern über die entsprechenden Leitungen zu unserem Dienstleister zu transportieren. Dort werden sie in Fernwartung von uns bearbeitet", sagt Udo Schäfer. So könnte das Staatsarchiv der Moderne zu einem digitalen Tresor werden - eine elektronische Zeitkapsel für die Forscher in 500 Jahren.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 27.08.2018 | 16:20 Uhr

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