Stand: 28.01.2018 06:46 Uhr

Meyerhoff überzeugt im "Kaufmann von Venedig"

von Katja Weise

Kaum ein Shakespeare-Stück ist auf so verschiedene Weise ausgelegt worden wie "Der Kaufmann von Venedig". Manch einem gilt die Geschichte über einen Juden, der einen Schuldschein auf ein Pfund Menschenfleisch ausstellt, als klar antisemitisch. Andere haben sie eher als Schwank inszeniert. Am Hamburger Schauspielhaus feierte am Sonnabend nun die Version von Intendantin Karin Beier Premiere.

Natürlich ist es ein Coup, die Rolle des Juden Shylock mit einem Star wie Joachim Meyerhoff zu besetzen. Und er macht das gut. Groß und elegant, eine Erscheinung. Der lange, hellgraue Gehrock passt wie angegossen. Doch schon bevor das Spiel beginnt, wird Shylock als Außenseiter ganz hinten an einen Tisch gesetzt, mit dem Rücken zum Publikum. Vorne, wo Bühnenbildner Johannes Schütz zwei große, an eine offene Häuserfassade erinnernde Rahmen hingestellt hat, preist einer marktschreierisch die Diversität.

Joachim Meyerhoff steht am Mikro auf einer in schwarz gehaltenen Bühne im Schauspielhaus.

Meyerhoff brilliert im "Kaufmann von Venedig"

Hamburg Journal -

Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier bringt Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" mit Joachim Meyerhoff als Shylock auf die Bühne. Darin geht es um einen grausamen Handel.

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Spaß an Verkleidung und Mummenschanz

Aber wer ist drinnen, wer draußen und warum? Welche Rolle spielt das Geld, welche die Hautfarbe, welche die Religion? Kann man sich einkaufen? Oder muss man sich umtaufen lassen? Karin Beier prüft die Varianten und stellt dabei die Ambivalenz der Figuren heraus: Shylock ist grausam, eiskalt pocht er auf sein Recht, aber gleichzeitig ist er Opfer der Gesellschaft. Erst als der christliche Kaufmann Antonio Geld braucht, wendet er sich an ihn, an den Juden. Die Gelegenheit zur Rache ist günstig und Antonio lässt sich auf den Handel ein: dreitausend Dukaten gegen ein Pfund Fleisch aus Antonios Körper, wenn das Geld nicht rechtzeitig zurückgezahlt wird.

Karin Beier erzählt die Geschichte mit viel Tempo und Spaß an Verkleidung und Mummenschanz. Es ist Karneval in Venedig, nicht nur die Frauen schlüpfen in Männerkleider, auch die Männer tragen Frauenkleider und Shylock sogar kurz ein knallblaues T-Shirt mit einem neunarmigen Leuchter drauf. Dabei strafft Beier die Geschichte, fügt Fremdtexte ein, lässt die Schauspieler immer wieder aus der Rolle treten und einen Bogen schlagen ins Heute.

Nach der Pause stockt es

Wir sehen eine kapitalistische Gesellschaft, die Identitäten anprobiert wie Kostüme, Sicherheit sucht in Abgrenzung und Anpassung fordert. Bis zur Pause geht dieses Konzept wunderbar auf - mit einem toll aufspielenden Ensemble um einen ebenso gemeinen wie mitleiderregenden Joachim Meyerhoff. Dazu wird live immer die passende Musik gespielt. Doch nach der Pause stockt der Abend.

Showdown, Gerichtsverhandlung, alles wie bei Shakespeare, aber dann: "Ich werde die Augen, die Münder und das Denken öffnen, ich werde der Orkan sein und nach ihm die phänomenale Schönheit der wundervolle Hoffnungsschimmer der großen Anfänge." Mystische Sätze aus dem Mund von Shylocks zum Christentum konvertierten Tochter, diese Wendung ist schwer nachzuvollziehen. Schade. 

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Meyerhoff überzeugt im "Kaufmann von Venedig"

Es ist ein gewaltiger Karneval, bei dem es Liebe höchstens für Geld gibt und die Menschen Minderheiten verachten: Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" feierte in Hamburg Premiere.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Deutsches Schauspielhaus
Kirchenallee 39
20099  Hamburg
Telefon:
(0395) 569 98 11
E-Mail:
servicenb@landestheater-mecklenburg.de
Preis:
25 Euro
Kartenverkauf:
Restkarten für Termine bis zum 23. Februar. Danach normale Verfügbarkeit. Mehr unter: www.schauspielhaus.de
Hinweis:
Komödie von William Shakespeare
Regie: Karin Beier
Dramaturgie: Christian Tschirner

mit: Jonas Hien, Jan-Peter Kampwirth, Matti Krause, Vlatko Kucan, Carlo Ljubek, Joachim Meyerhoff, Angelika Richter, Maximilian Scheidt, Yuko Suzuki, Gala Othero Winter
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 28.01.2018 | 13:20 Uhr

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