Blick auf die Kirche und Fachwerkhäuser in Bad Essen. © Geopark Terra.Vita Foto: Arthur F. Selbach

Bad Essen: Fachwerkidyll und Kurort im Osnabrücker Land

Stand: 09.04.2021 14:39 Uhr  | Archiv

Ein malerischer Kirchplatz, umgeben von Fachwerk aus dem 17. Jahrhundert, ein Kurpark mit Gradierwerk und ein Umland, das zu ausgedehnten Radtouren und Wanderungen einlädt - das bietet Bad Essen.

Mehrere alte Linden säumen den Platz an der rund 500 Jahre Nikolaikirche im Ortskern. Ein Bummel führt von dort, vorbei an viel schmuckem Fachwerk, zur Alten Apotheke aus dem 18. Jahrhundert. Die komplette historische Inneneinrichtung des Geschäfts ist erhalten, obwohl das Haus inzwischen als Hotel genutzt wird.

Gradierwerk im Park: Sole für die Kurgäste

Sole-Arena im Kurpark von Bad Essen © Tourist Info Bad Essen
Moderne Architektur im Kurpark: die Sole-Arena.

Eine lange Tradition hat der Kurbetrieb in Bad Essen. Bereits seit 1902 trägt der Ort den Beinamen Bad, 1977 wurde er als Heilbad staatlich anerkannt. Der Schwerpunkt der Kurbehandlungen liegt auf Anwendungen mit natürlichem Salzwasser aus der Tiefe. Diese Sole nutzen mehrere Gesundheitszentren, um Rheuma- und Hautleiden zu lindern. Im Kurpark können Besucher in der Sole-Arena, einem modern gestalteten Gradierwerk, gesunde, salzhaltige Luft atmen.

Auf dem Weg zum benachbarten Familienpark mit Sport- und Spielgeräten lohnt ein Stopp im "Erfahrungslabyrinth". In dem Heckenlabyrinth aus 1.200 Buchen finden sich einzelne Höfe, die die Sinne spielerisch schärfen sollen und jeweils dem Sehen, Riechen, Schmecken, Hören oder Tasten gewidmet sind.

Alte Wassermühle und traditionelles Handwerk

Wahrzeichen von Bad Essen ist die historische Wassermühle am südlichen Ortsausgang. Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert ist von Mai bis Oktober jeweils sonntags in Betrieb. Im Hüseder Backhaus aus dem 18. Jahrhundert wird von April bis Oktober an jedem zweiten Sonntag im Monat der alte Steinofen angeheizt, um Brote und Kuchen wie vor 200 Jahren zu backen. In der Harpenfelder Dorfschmiede wiederum können Besucher jeden zweiten Dienstag im Monat erleben, wie in Handarbeit Eisen bearbeitet wird.

Cittaslow-Ort Bad Essen: Entschleunigung als Konzept

Bewusst fördert die Stadt das traditionelle Handwerk, denn seit 2016 gehört Bad Essen zum Netzwerk der Cittaslow-Orte. Die Ziele dieser Bewegung sind, regionale Besonderheiten und Handwerkskunst zu betonen und die Lebensqualität zu verbessern. In Deutschland gibt es 21 Cittaslow-Gemeinden und -Städte, darunter im Norden neben Bad Essen auch Schneverdingen in der Lüneburger Heide, Penzlin in Mecklenburg-Vorpommern und Meldorf in Schleswig-Holstein.

Jeweils am letzten August-Wochenende lädt Bad Essen zum Historischen Markt ein. Dann verwandeln sich Kirchplatz und Lindenstraße in Werkstätten von Korbflechtern, Scherenschleifern und vielen anderen Handwerkern, deren Kunst fast ausgestorben ist.

Wandern und Radfahren im Terra.Vita-Geopark

Radfahrer auf einem Weg zwischen blühenden Bäumen im Geopark Terra.Vita. © Geopark Terra.Vita
Auf zahlreichen Rad- und Wanderwegen lässt sich der Geopark bei Bad Essen erkunden.

Bad Essen ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge von der UNESCO ausgewiesenen Natur- und Geopark Terra.Vita, der erdgeschichtlich bedeutend ist. Vor Jahrmillionen reichte die Nordsee bis zum Teutoburger Wald und es herrschte dort ein subtropisches Klima. Heute zeichnet sich die Gegend daher durch viele geologische Besonderheiten und Naturdenkmäler aus. Insgesamt bietet der Naturpark, der sich vom Teutoburger Wald und Wiehengebirge bis zu den Ankumer Höhen nordwestlich von Osnabrück erstreckt, Hunderte Kilometer Rad- und Wanderwege.

Zu Saurierspuren und Schlössern

In Barkhausen, südöstlich von Bad Essen zählen dazu originale Saurierfährten, die durch Bodenverwerfungen in einem Waldstück an die Oberfläche getragen wurden. Neben echten Fußspuren an einer Steilwand vermitteln Kunststoff-Dinos einen Eindruck von den Urzeit-Tieren.

Zwei  Frauen stehen vor Dinosaurierspuren in Barkhausen. © Geopark Terra.Vita
Durch Bodenverwerfungen gelangten die Millionen Jahre alten Saurierspuren wieder an die Oberfläche.

Ein weiteres beliebtes Ziel ist Schloss Ippenburg, ein neugotisches Gebäude mit mehr als 100 Räumen. Der Adelssitz gehört seit über 600 Jahren der Familie von dem Bussche-Ippenburg. Der Schlossgarten ist im Sommer an Sonn- und Feiertagen für Besucher geöffnet. Interessant ist auch ein Besuch auf Schloss Hünnefeld. Die Anlage liegt nur zwei Kilometer vom Ortskern entfernt und bietet ein Museum, einen englischen Landschaftspark und ein Café.

Der sogenannte Schlösserrundweg verbindet beide Ziele. Er ist acht Kilometer lang und startet und endet im Ortsteil Harpenfeld. Südlich von Bad Essen finden Wanderer im Wiehengebirge zahlreiche ausgeschilderte Wege, per Rad lässt sich die Region unter anderem auf einer Tour entlang des Mittellandkanals erkunden, der direkt durch den Kurort verläuft. Wer mag, kann auf der Wasserstraße zu einer Rundfahrt mit einem Ausflugsschiff starten.

Museum Kalkriese erinnert an die Varusschlacht

Knapp 20 Kilometer nordwestlich von Bad Essen liegt das geschichtsträchtige Kalkriese mit Museum und Park. Dort soll um das Jahr 9 vor Christus die legendäre Varusschlacht im Teutoburger Wald zwischen Römern und Germanen stattgefunden haben. Ausgrabungen stärken diese These, die unter Historikern allerdings umstritten ist.

Corona-Hinweis

Wegen der Corona-Pandemie kann es Einschränkungen bei den Sehenswürdigkeiten geben. Bitte informieren Sie sich im Vorfeld!

Karte: Bad Essen

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Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 10.04.2021 | 18:00 Uhr

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