Stand: 04.10.2019 16:32 Uhr

Bummel über den Hamburger Fischmarkt

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Häufig herrscht am Fischmarkt bereits vor Sonnenaufgang Trubel: Im Sommer öffnen die ersten Stände um 5 Uhr morgens .

Sie heißen Aale-Dieter, Nudel-Olli, Käse-Rudi oder Wurst-Herby: die Marktschreier vom Fischmarkt in Hamburg-Altona. Ihre Rufe, mit denen sie jeden Sonntagmorgen die Kunden an ihre Stände locken, haben den Markt weit über die Grenzen Hamburgs bekannt gemacht. Der Fischmarkt ist eine echte Hamburger Institution. Hier, direkt an der Elbe und nur etwa 200 Meter von den Landungsbrücken entfernt, treffen sich Touristen und Nachtschwärmer, die ihren Reeperbahnbummel ausklingen lassen, Schnäppchenjäger und Anwohner auf einen Klönschnack.

Nur frühmorgens geöffnet

Die Nähe zur Elbe, die vielen unterschiedlichen Marktstände, das bunt gemischte Publikum - all das macht die besondere Atmosphäre des Fischmarkts aus. Auch die frühe Uhrzeit trägt dazu bei: Im Sommer öffnet der Fischmarkt bereits um 5 Uhr morgens (im Winter um 7 Uhr), um 9.30 Uhr schließt er schon wieder.

"Nudel-Olli" räumt seine Nudelkisten auf seinem Stand um.

"Nudel-Olli" auf dem Fischmarkt

Rund um den Michel -

Jeden Sonntag kommt Oliver Schrader aus Leipzig zum Fischmarkt - seit 19 Jahren. Seine Ware hat er aus Italien. Denn Olli verkauft keinen Fisch, sondern Nudeln.

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1703: Fischer dürfen sonntags ihre Ware verkaufen

Der Altonaer Fischmarkt hat eine lange Tradition: Im Jahr 1703 erlaubten die Stadtväter Altonas den Fischern des Ortes per Sondergenehmigung, ihre Fische auch sonntags zu verkaufen. Zuvor hatten die Fischer sich beklagt, dass ihre Ware von Sonnabend auf Montag häufig verdarb, weil sie die Fische nicht ausreichend kühlen konnten - für die Fischerfamilien bedeutete dies teilweise große Einnahmeverluste. Die Verordnung legte auch die Marktzeit fest: Gehandelt werden durfte nur frühmorgens, "bis die Glocke halbe neun" schlägt. So war gesichert, dass der Fisch im Sommer nicht in der Wärme schlecht wurde und die Fischer rechtzeitig zum Gottesdienst kamen.

Eine eigene Halle für die Fischauktionen

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Ab 1896 versteigern die Fischer ihre Ware in der neuen Fischauktionshalle an die Großhändler.

Schon bald handelte man auf dem Altonaer Fischmarkt nicht nur mit Fisch, sondern auch mit Gemüse und Obst, etwa aus dem Alten Land. 1870 bekommt der Markt Konkurrenz: Die große Nachbarstadt Hamburg verlegt ihren Fischmarkt in den damaligen Vorort St. Pauli - direkt neben den Altonaer Markt. Da Altona den wichtigeren Fischereihafen besitzt, bleibt der Altonaer Fischmarkt der bedeutendere. Ab 1886 finden dort täglich Fisch-Versteigerungen statt, auf denen tonnenweise Frischfisch an Fischfabriken und Großküchen verkauft wird. 1896 eröffnet eine eigene Fischauktionshalle aus Stahl und Glas.

Frühstück mit Fischbrötchen und Kaffee

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Obst zum Schnäppchenpreis: Auf dem Fischmarkt können Besucher weit mehr als nur Fischbrötchen kaufen.

Erst 1934 legen Hamburg und Altona ihre Fischmärkte zusammen, drei Jahre später wird Altona eingemeindet. Im Zweiten Weltkrieg werden viele Gebäude rund um den Markt zerstört, ab 1942 findet kein Markt mehr statt. Doch schon 1948 können die Hamburger wieder dort einkaufen. Seither hat der frühsonntägliche Markt sein Sortiment weiter ausgebaut: Neben Lebensmitteln stehen dort unter anderem Hühner, Kleidung, Nippes und Haushaltswaren zum Verkauf. Dazu gibt es Bier und Kaffee, Fischbrötchen und Bratwurst sowie Live-Musik in der historischen Fischauktionshalle. Eine Mischung, die nach wie vor funktioniert: Rund eine Million Besucher zieht der Fischmarkt jedes Jahr an.

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