Stand: 28.11.2017 14:49 Uhr

Oberschenkelhalsbruch: Schnelle OP wichtig

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Ein Oberschenkelhalsbruch trifft meist ältere Menschen - mit oft fatalen Folgen.

Ein Oberschenkelhalsbruch ist schnell passiert und trifft meist ältere Menschen. Für viele hat diese Verletzung fatale Folgen, sie kommen nicht mehr auf die Beine und sterben oft an den Folgen. Diese Gefahr ist besonders hoch, wenn der Oberschenkelhalsbruch nicht gleich operiert wird. Denn die Anzahl der Komplikationen nach einer Operation steigt mit der Wartezeit auf die OP signifikant an. Experten fordern deshalb, einen Oberschenkelhalsbruch ebenso schnell zu behandeln wie einen Schlaganfall. Und die Behandlungsleitlinien der Unfallchirurgen schreiben eindeutig vor, dass ein Oberschenkelhalsbruch innerhalb von 6 bis 24 Stunden operiert werden muss.

Arzt in einem Operationssaal.

Oberschenkelhalsbruch: Schnelle OP wichtig

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Ein Oberschenkelhalsbruch muss möglichst innerhalb eines Tages operiert werden, denn sonst steigt das Risiko für Komplikationen. Eine Studie entlarvt Versorgungsdefizite.

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Studie entlarvt Versorgungsdefizite

Eine aktuelle Untersuchung des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Qualitätssicherung zeigt jetzt: Von mehr als 1.200 untersuchten Krankenhäusern haben rund 800 Patienten mit Oberschenkelhalsbruch nicht rechtzeitig operiert. Jeder fünfte Patient musste länger auf die Operation warten, als maximal zulässig. Dieses Problem trat bei Krankenhäusern aller Größen und Fallzahlen auf. Immer wieder kam es vor, dass Patienten am Wochenende nicht operiert und dass Argumente wie fehlende OP-Kapazitäten oder Personalmangel als Begründung angeführt wurden. Dabei sind solche Verzögerungen für die Patienten fatal.

Warum Verzögerungen bei Oberschenkelhalsbruch so gefährlich sind

Mit modernen Operationsverfahren lässt sich der Knochen so effektiv stabilisieren, dass die Betroffenen schnell wieder auf die Beine kommen und von Komplikationen verschont bleiben. Doch nicht immer ist eine verspätete Operation für die Verzögerung verantwortlich, oft wird ein Oberschenkelhalsbruch auch zu spät erkannt. Die Folgen für die Betroffenen sind aber immer die gleichen: Es kommt zu einer erhöhten Rate an Gelenkkopfnekrosen, also einem Absterben des Knochens. Dieses Risiko steigt mit jeder Stunde, die bis zur Operation verstreicht, und die Chance auf eine erfolgreiche Rehabilitation sinkt. Zudem kommt es verstärkt zu Venenthrombosen, Lungenembolien und Lungenentzündungen. Die Betroffenen benötigen zudem regelmäßige Rehamaßnahmen und Krankengymnastik, um den Muskelverfall aufzuhalten. Und die müssen schnellstmöglich beginnen.

Worauf kommt es an?

Wenn ein älterer Mensch stürzt, muss immer mit einem Oberschenkelhalsbruch gerechnet werden. Das müssen Angehörige und Hausärzte bedenken, auch wenn viele Betroffene den Sturz und die Schmerzen herunterspielen, weil sie nicht ins Krankenhaus möchten. Wird ein Oberschenkelhalsbruch erkannt und nicht sofort operiert, sollten die Angehörigen den Betroffenen in eine andere Klinik verlegen lassen, damit die leitliniengerechte Versorgung gesichert ist.

Nach der OP schnell wieder aufstehen

Moderne OP-Methoden schonen Bänder und Muskeln und erlauben so eine schnelle Belastung der operierten Hüfte. Schon am Tag der Operation stehen die Patienten wieder auf, am nächsten Tag gehen sie die ersten Schritte auf dem Flur - damit Kreislauf und Bewegungsapparat wieder in Schwung kommen. Idealerweise besuchen Reha-Spezialisten die Patienten bereits vor der Operation und legen gemeinsam mit den Chirurgen die weitere Therapie und auch die Schmerzmedikation fest. Vor allem Patienten mit einer Osteoporose benötigen nach der Operation einen Knochen- und Muskelaufbau in der Reha, um langfristig weiteren Brüchen vorzubeugen. Auch die Koordination wird in der Reha trainiert, damit das Gehirn angeregt wird.

Vorsorge: Stolperfallen vermeiden

Um einen Oberschenkelhalsbruch zu vermeiden, kann man zu Hause einfache Maßnahmen treffen und die eigene Wohnung seniorengerecht umbauen. Versteckte Stolperfallen, verborgene Hindernisse und dunkle Ecken müssen beseitigt oder zumindest "entschärft" werden. Im Badezimmer sorgen Einstieghilfen und Sitzgelegenheiten für Badewanne und Dusche für mehr Sicherheit. Weitere Hilfen sind Haltegriffe und eine Fußwaschbürste mit Stiel, wenn man sich nicht mehr so gut bücken kann. Auch in anderen Wohnräumen können Haltestangen für mehr Sicherheit sorgen. Mit einem Spiegel in den oberen Schränken sieht man auch ohne gefährliche Klettermanöver, was dort wo steht. Überbrückungsmodule entschärfen Stufen und Stolperkanten.

Interviewpartner

Dr. Steffen Oehme, Chefarzt Gelenkzentrum
Orthopädie und Unfallchirurgie
imland Klinik Eckernförde
Schleswiger Straße 114-116, 24340 Eckernförde
Internet: eckernfoerde.imland.de/

Dr. Martin Willkomm, Chefarzt und Ärztlicher Direktor
Krankenhaus Rotes Kreuz Lübeck – Geriatriezentrum
Rabenhorst 1, 23568 Lübeck
Internet: www.geriatrie-luebeck.de

Dr. Richard Delebinski, Klinikdirektor
Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie
Klinikum Bremen-Nord
Hammersbecker Straße 228, 28755 Bremen
Internet: www.gesundheitnord.de

 

Weitere Informationen

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Die meisten Menschen wünschen sich, so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben. Wichtig ist es deshalb, zum Beispiel Stolperfallen zu beseitigen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Visite | 28.11.2017 | 20:15 Uhr

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