Blasenentzündung: Therapie ohne Antibiotika

Stand: 16.06.2021 10:07 Uhr

Ständiger Harndrang, Brennen beim Wasserlassen und Schmerzen sind typische Symptome einer Blasenentzündung (Zystitis). Welche Therapien helfen beim Harnwegsinfekt?

Eine Blasenentzündung kann akut auftreten oder chronisch werden. Unter Zystitis leiden vor allem junge Frauen, Schwangere und Frauen in den Wechseljahren. Bei Männern ist die Infektionskrankheit eher selten.

Ursache von Blasenentzündung

Frauen sind besonders häufig betroffen, weil ihre Harnröhre kürzer (circa 4 Zentimeter lang) ist als die der Männer (circa 20 Zentimeter lang). Und Harnröhre und Darmausgang liegen bei Frauen näher beieinander. Die Folge: Nützliche Darmbakterien, häufig Escherichia coli (E. coli), können leicht in die Blase gelangen. Wenn sie sich dort an die Schleimhautwand heften, kann es zu einer Blasenentzündung kommen.

Dies wird durch folgende Faktoren begünstigt:

  • Hormonveränderungen durch Schwangerschaft oder Menopause
  • zu geringe Trinkmenge
  • geschwächtes Immunsystem (zum Beispiel durch Stress)
  • Unterkühlung
  • falsche Intimpflege
  • häufiger Geschlechtsverkehr

Auch Pilze, Viren oder Parasiten (zum Beispiel Würmer) können eine Blasenentzündung auslösen. Dies ist aber eher selten der Fall.

Wie Blasenentzündungen entstehen

Harnwegsinfekte werden meistens von Bakterien ausgelöst, die aus der eigenen Darmflora oder Scheidenflora stammen. Sie gelangen in die Harnröhre und wandern aufwärts in die Blase. Bei einem gesunden Körper verhindern Abwehrkräfte, dass sich unerwünschte Bakterien in der Harnröhre oder Blase festsetzen. Durch häufige Antibiotika-Therapien wird die Schutzschicht in der Blasenhaut porös. Das ermöglicht erst das Andocken der Bakterien. Im Kampf gegen die Bakterien schwillt die Blasenwand an und entzündet sich.

Symptome einer Blasenentzündung

Eine Blasenentzündung kann akut auftreten oder immer wiederkehren, also chronisch werden. Typische Anzeichen für eine Blasenentzündung sind:

  • Ständiger Harndrang: Betroffene müssen schon bei kleinsten Urinmengen zur Toilette.
  • Besonders beim Wasserlassen treten brennende Schmerzen auf.
  • Der Urin ist häufig trüb und riecht streng. Es kann Blut im Urin sein.
  • Auch Probleme, den Harn zu halten, und krampfartige Schmerzen im Unterbauch sind für die Blasenentzündung typisch.

Diagnose: Wie eine Zystitis festgestellt wird

Beim Verdacht auf eine Blasenentzündung bittet der Arzt oder die Ärztin um eine Urinprobe. Ist der Urin getrübt und schlecht riechend, deutet das auf eine Entzündung hin, denn normalerweise ist Urin klar. Ein Harnstreifentest gibt weiteren Aufschluss. Dabei wird zum Beispiel der Wert der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) ermittelt. Ist dieser erhöht, ist das Immunsystem bereits aktiviert, um eine Entzündung im Körper zu bekämpfen. Nitrit deutet auf starken Bakterienbefall hin. Bei leichten Beschwerden und einem eindeutigen Ergebnis genügt dieser Test für die Diagnose.

Wenn Blasenentzündungen immer wiederkehren, aber auch wenn Fieber, Blut im Urin oder starke Schmerzen im Bauch und der Nierengegend auftreten, wird meist eine Blutuntersuchung durchgeführt. Eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) kann zudem andere Ursachen wie einen Blasentumor ausschließen.

Was hilft bei einer Blasenentzündung?

Wenn man Blaseninfekte ohne Antibiotika kurieren will, gibt es als Sofortmaßnahme bei den ersten Anzeichen eine Wasserkur und bei häufigen Infekten eine Impfung.

  • Wasserkur: Dazu löst man zunächst ein paar Löffel Natron in Wasser auf, ein bekanntes Haushaltsmittel beim Backen. Natron lindert das Brennen beim Wasserlassen. Für eine Wasserkur alle 15 Minuten ein großes Glas mit klarem Wasser trinken, in wenigen Stunden insgesamt drei bis vier Liter. Natron ist basisch und verändert den Säuregehalt im Urin. Das hindert manche Bakterien an der Vermehrung. Das Wasser spült die Erreger heraus, bevor sie sich festsetzen.

  • Viel trinken: Bei einer Blasenentzündung ist es ohnehin besonders wichtig, auf eine hohe Flüssigkeitszufuhr zu achten. Gut geeignet sind Nieren- und Blasentees. Sie enthalten zum Beispiel Bärentraubenblätter oder Schachtelhalm: Kräuter, die eine antibakterielle Wirkung haben.

  • Impfung: Wer an häufigen Harnwegsinfekten leidet, kann sich impfen lassen. Vorher prüft der Urologe, ob die letzte Blasenentzündung vollständig ausgeheilt ist. Nur dann kann der Körper eine eigene Abwehr aufbauen. Der Impfstoff besteht aus unterschiedlichen abgetöteten Bakterien. Darauf reagiert der Körper mit der Produktion bestimmter Eiweiße. Diese führen dann dazu, dass körpereigene Abwehrstoffe die Bakterien abtöten. Die Impfung bewirkt, dass sich die Schutzschicht der Blasenwand nach und nach regenerieren kann.

  • Pflanzliche Mittel gegen Entzündung: Studien zufolge helfen Senfölglykoside, die Entzündung zu bekämpfen. Bewährt haben sich Präparate aus Kapuzinerkresse und Meerrettich.

  • Restharn in der Blase vermeiden: Die Blase ist nicht rund, sondern schlauchförmig. Beim Wasserlassen wird sie oft abgeknickt, sodass der Harn nicht vollständig abfließt. Der Restharn ist ein ständiges Infektionsrisiko. Um Restharn zu vermeiden, sollte man am Ende des Toilettengangs einmal kurz aufstehen. Die Blase nimmt dadurch eine andere Position ein als im Sitzen und der Restharn kann abfließen.

  • Auf die richtige Hygiene achten: Jede dritte Blaseninfektion entsteht durch Fehler bei der Hygiene. Wichtig ist, dass man sich nach dem Stuhlgang in der richtigen Richtung säubert - von vorn nach hinten abwischen. Frauen sollten nach dem Geschlechtsverkehr auf die Toilette gehen, um Bakterien auszuspülen.

Blasenentzündung: Richtige Ernährung kann helfen

Die Ernährungstherapie setzt darauf, die Entzündung im Körper zu hemmen und gleichzeitig das Immunsystem zu stärken. Eine antientzündliche Ernährung kann die Beschwerden nachhaltig lindern

Entzündungshemmende Nahrungsmittel (Gemüse, Obst und Gewürze, gute Öle, aber auch fetter Seefisch wie etwa Lachs, Makrele oder Hering) können die Beschwerden lindern und sollten in der Küche regelmäßig zum Einsatz kommen. Fleisch dagegen, vor allem Schweinefleisch, sollte man nur sparsam konsumieren, weil es entzündungsfördernde Substanzen enthält.

Meiden sollte man auch Zucker und viele Fertigprodukte, etwa Fruchtjoghurts oder Fruchtsäfte. Die Emulgatoren E433 und E466, die Lebensmittel häufig zugesetzt werden, um die Konsistenz und Haltbarkeit zu verbessern, stehen in Verdacht, Entzündungen der Schleimhäute im Körper zu fördern.

Um das Immunsystem zu stärken und eine geschädigte Darmflora wieder aufzubauen, sind Probiotika wie Milchsäurebakterien und Präbiotika wie Ballaststoffe empfehlenswert.

Ergänzend stärkt regelmäßige Bewegung den gesamten Organismus, am besten an der frischen Luft. 8.000 bis 10.000 Schritte pro Tag sollten es sein.

 

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