Darmspiegelung: Ablauf und Risiken der Krebsvorsorge

Stand: 04.03.2024 09:09 Uhr | vom Rundfunk Berlin-Brandenburg-Logo

Eine Darmspiegelung, die sogenannte Koloskopie, ist die sicherste Vorsorge für Darmkrebs. Wie läuft die Untersuchung ab? Welche Vorbereitung ist nötig? Und welche Risiken und Nebenwirkungen sind möglich?

von Constanze Löffler und Carola Welt

Jedes Jahr erkranken knapp 60.000 Deutsche an Darmkrebs, die Hälfte stirbt daran. Die sicherste Methode, um das zu verhindern ist eine Darmspiegelung, medizinisch auch Koloskopie.

In neun von zehn Fällen entsteht Darmkrebs aus einem Schleimhautpolypen. Die zunächst harmlosen Polypen oder Schleimhautwucherungen verändern sich über Jahre so, dass ein bösartiger Tumor entsteht. Dieser Prozess lässt sich verhindern, indem ein Gastroenterologe oder eine Gastroenterologin, also ein Spezialist für Magen-Darm-Erkrankungen, die Polypen rechtzeitig abträgt. Polypen können bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) erkannt und entfernt werden. Die Untersuchung gilt als zuverlässigstes Verfahren, um Darmkrebs und seine Vorstufen zu entdecken.

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Vorbereitung für die Darmspiegelung

Vor der Untersuchung ist eine gründliche Entleerung des Darms durch den Patienten beziehungsweise die Patientin Pflicht. Nur wenn die Darmschleimhaut "sauber" ist, kann sie genau beurteilt werden.

Tage vor der Darmspiegelung sollte man auf schwer verdauliche, ballaststoffreiche und körnerhaltige Nahrung verzichten. Ab Nachmittag vor dem Tag der Darmspiegelung darf man nichts Festes mehr essen und nimmt eine verordnete Abführlösung mit viel Flüssigkeit ein. Erst nach der Untersuchung darf man dann wieder essen.

Ablauf der Darmspiegelung - was passiert?

Für die Darmspiegelung (Koloskopie) verwendet der Arzt oder die Ärztin ein sogenanntes Koloskop. Dieser flexible Schlauch ist etwa fingerdick und zwischen 150 und 180 Zentimeter lang. An der Spitze des Endoskops sitzen eine kleine Kamera sowie eine Schlinge oder Zange, um Polypen und verdächtiges Gewebe direkt zu entfernen. Licht und Bild werden über ein Glasfaserbündel übertragen. Das entfernte Gewebe kann nachträglich als Gewebeprobe untersucht werden.

Der Arzt oder die Ärztin führt den Koloskopieschlauch in den Anus ein und schiebt es langsam bis zur Grenze zwischen Dick-und Dünndarm. Dann wird der Schlauch langsam zurückgezogen und auf einem Bildschirm die Schleimhaut des Dickdarms betrachtet. Während der Untersuchung wird der Darm etwas mit Luft oder Kohlendioxid aufgeblasen, um besser sehen zu können. Mit der Schlinge oder Zange am Schlauchende werden verdächtige Areale entfernt und Polypen abgetragen. Anschließend werden die Gewebeproben in der Pathologie untersucht.

Ist die große Darmspiegelung schmerzhaft?

Die Darmspiegelung dauert zwischen 15 bis 45 Minuten. Sie ist an sich nicht schmerzhaft. Wenn der Darm mit Luft aufgeblasen wird, kann das ein leichtes Drücken verursachen. Man kann sich vorab ein Schlafmittel geben lassen oder ein Beruhigungsmittel. Nach der Untersuchung darf man nach Hause, jedoch 24 Stunden lang kein Fahrzeug lenken. Essen oder trinken kann man nach der Darmspiegelung wie gewohnt.

Wie sinnvoll ist eine Darmspiegelung?

Experten schätzen, dass im Zeitraum 2003 bis 2010 durch die Früherkennungskoloskopie bundesweit 100.000 Darmkrebserkrankungen verhütet wurden und bei 50.000 Teilnehmenden die Erkrankung früher und damit öfter in einem noch heilbaren Stadium entdeckt wurde. Wie zuverlässig eine Darmspiegelung ist, hängt auch mit den Erfahrungen des Untersuchers ab. Die Rückzugzeit des Endoskops und damit die Untersuchung der Darmschleimhaut sollte mindestens sechs Minuten betragen.

Wie oft sollte man eine Darmspiegelung durchführen lassen?

Die große Darmspiegelung, die Koloskopie, wird Männern bereits ab 50 Jahren angeboten, da ihr Darmkrebsrisiko höher ist. Frauen können die Darmspiegelung ab 55 Jahren in Anspruch nehmen. Die gesetzlichen Kassen zahlen zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren. Bei Menschen über 75 Jahren wird häufig keine Darmspiegelung mehr durchgeführt, denn die Untersuchung belastet den Körper.

Da jeder zehnte Darmkrebsfall inzwischen vor dem 50. Lebensjahr auftritt, sollte man unter bestimmten Umständen schon früher eine Darmspiegelung machen lassen:

  • wenn Darmkrebs in der Familie liegt
  • bei Auffälligkeiten beim Stuhlgang, vor allem bei Verstopfung
  • bei Blut im Stuhl
  • bei unklaren Bauchschmerzen

Was passiert, wenn bei der Darmspiegelung Polypen entdeckt werden?

Die Untersucher finden bei 30 bis 40 von 100 Patienten Polypen, die sie direkt abtragen. Bei größeren Polypen kann es sein, dass der Arzt oder die Ärztin dafür zwei und mehr Sitzungen benötigt. So sollen Komplikationen wie eine stärkere Blutung verhindert werden. Werden nur kleine und vereinzelte Polypen gefunden, reicht eine erneute Darmspiegelung in zehn Jahren. Wenn der Gastroenterologe oder die Gastroenterologin mehr als drei oder einen großen Polypen abgetragen hat, sollte die Darmspiegelung nach drei bis fünf Jahren wiederholt werden.

Im Alter höhere Komplikationsrate nach Darmspiegelung

Besonders im fortgeschrittenen Alter birgt die Koloskopie einige Risiken und Nebenwirkungen. Eine kanadische Studie hat jetzt rund 38.000 Fälle ausgewertet. Das Ergebnis: Die Komplikationsrate ist bei über 75-Jährigen mehr als doppelt so hoch wie bei Jüngeren. In 30 Tagen nach der Darmspiegelung mussten 2,6 Prozent der unter 75-Jährigen wegen gravierender Komplikationen im Krankenhaus behandelt werden, bei den über 75-Jährigen waren es 6,8 Prozent. Komplikationen können sein:

  • Blutungen nach der Koloskopie
  • Durchstoßen der Darmwand
  • Übertritt von Mageninhalt in die Atemwege
  • Narkose-Unverträglichkeit
  • Herz-Kreislauf-Probleme

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko:

Darmspiegelung: Risiko und Nutzen abwägen

Ein älterer Körper reagiert empfindlicher auf einen Eingriff und komplikationsträchtige Begleiterkrankungen erhöhen das Risiko zusätzlich. Das Alter allein ist allerdings nicht unbedingt entscheidend, sondern, wie fit die Person ist. Die individuelle Situation der Betroffenen spielt eine wesentliche Rolle. Wichtig ist außerdem, das Risiko gegen den möglichen Nutzen der Darmspiegelung abzuwägen. Handelt es sich um eine reine Vorsorgeuntersuchung oder wird zum Beispiel aufgrund von Blutverlust eine Darmerkrankung vermutet? Zudem wird die Gefahr, dass sich in der noch zu erwartenden Lebenszeit ein gefährlicher Tumor entwickelt, mit zunehmenden Alter geringer. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis wird also mit steigendem Alter ungünstiger und sollte daher umso sorgfältiger abgewogen werden.

Was ist die kleine Darmspiegelung (Sigmoidoskopie)?

Bei der kleinen Darmspiegelung (Sigmoidoskopie), untersucht der Gastroenterologe oder die Gastroenterologin lediglich den letzten Abschnitt des Dickdarms, das sogenannte Sigmoid. Der Darm wird zunächst mit einem Abführmittel oder Einlauf gereinigt. Für die Untersuchung selbst wird ebenfalls ein flexibler Schlauch mit Optik und Lichtquelle genutzt, der allerdings etwas kürzer als das Koloskop ist. Damit wird die Schleimhaut des Sigmoids auf verdächtiges Gewebe abgesucht und mithilfe einer Elektroschlinge oder Biopsiezange entfernt. Die "kleine Darmspiegelung" dauert etwa fünf Minuten; ein Beruhigungsmittel ist nicht unbedingt notwendig. Studien zufolge bewahrt die Untersuchung etwa drei von 1.000 Menschen davor, an Darmkrebs zu erkranken und verhindert bei ein bis zwei Menschen, dass sie an Darmkrebs sterben.

Wie unterscheidet sich die virtuelle von der herkömmlichen Darmspiegelung?

Wer die endoskopische Koloskopie scheut, kann auf eigene Kosten eine virtuelle Darmspiegelung per Computertomographie (CT) durchführen lassen. Sie dauert nur wenige Sekunden und kommt, bis auf ein kurzes Rohr, das vor der CT-Aufnahme CO2-Gas und Raumluft in den Enddarm pumpt, ohne größere Instrumente aus. Eine sorgfältige Darmentleerung ist allerdings auch hier notwendig. Und: Die CT-Kolonografie ist eine Röntgenuntersuchung mit entsprechender Strahlenbelastung, bei der vor der Untersuchung ein Kontrastmittel geschluckt werden muss. Experten und Expertinnen sehen in der Untersuchung keine Alternative zur Koloskopie. Denn kleinere und flache Polypen lassen sich auf den Bildern nicht zuverlässig erkennen. Bei einem auffälligen Befund müsste ohnehin eine Darmspiegelung durchgeführt werden, um das Gewebe abzutragen.

Kapselendoskopie: Kleine Kamera zum Schlucken

Eine Untersuchungsmethode zur Früherkennung von Dickdarmkrebs und Dünndarmkrebs ist die Kapselendoskopie. Dabei wird eine Kapsel in der Größe einer länglichen Tablette geschluckt. In ihr stecken Licht und eine Kamera, die die Bilder nach außen sendet. Die Kapsel "reist" für sechs bis acht Stunden über den Magen durch den Darm, bis sie auf natürlichem Weg wieder ausgeschieden wird. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Kosten nur in begründeten Einzelfällen.

Vier Mythen über die Darmspiegelung

Experten zum Thema

Prof. Dr. Alexander Arlt, Israelitisches Krankenhaus, Hamburg

Chefarzt Medizinische Klinik
Orchideenstieg 14
22207 Hamburg

 

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NDR Fernsehen | Visite | 05.03.2024 20:15 Uhr

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