Stand: 25.07.2019 13:55 Uhr

So kommen Sie bei Hitze gut durch den Tag

Füße im Wasser eines Pools. © picture-alliance/chromorange
Füße oder Unterarme mit Wasser zu kühlen, hilft gegen die große Hitze und bringt den Kreislauf auf Trab.

Steigen die Temperaturen im Sommer auf 30 Grad und mehr, fühlen sich viele Menschen nicht mehr wohl. Der Grund dafür ist simpel: Die Kerntemperatur in den Organen und im Gehirn beträgt 37,5 Grad. Bei dieser Temperatur funktionieren alle Organe und alle biochemischen Abläufe optimal. Die Temperatur unserer Körperhülle ist etwas niedriger und liegt bei rund 36,5 Grad. Wir verfügen aber über einen Wärmeregulator, der über das Blut die Wärme von innen nach außen transportiert.

Hoher Blutdruck und Flüssigkeitsverlust bei Hitze

Aus einer Flasche wird Mineralwasser in Gläser eingeschenkt. © Fotolia.com Foto: v.poth
Wer viel schwitzt, muss viel trinken. Zweieinhalb bis drei Liter sind ideal - am besten Wasser.

Der allerdings kann nicht mehr richtig funktionieren, wenn die Umgebungstemperatur hoch ist. Die Körperoberfläche erwärmt sich ebenfalls. Trotzdem versucht der Körper alles, um die Kerntemperatur gleich zu halten: Der Blutdruck steigt, denn das Blut soll die Wärme abtransportieren, und der Körper schwitzt - dadurch entsteht Verdunstungskälte. Genau diese beiden Dinge, hoher Blutdruck und Flüssigkeitsverlust, machen vielen zu schaffen. Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Benommenheit, allgemeine Kreislaufprobleme oder sogar ein Kreislaufkollaps können die Folgen sein.

Den Kreislauf stabilisieren

Wer unter starken Kreislaufproblemen leidet, sollte einen Arzt aufsuchen. Ansonsten gilt: Viel Wasser trinken, Salz und Mineralien zu sich nehmen, denn durch das Schwitzen verliert der Körper jede Menge Salz. Brühe oder Salzgebäck ersetzen es wieder. Ruhe im Schatten, eine kühle Dusche oder eine Abkühlung der Unterarme oder Füße unter kaltem Wasser und nasse Haare können ebenfalls die Körpertemperatur senken und den Kreislauf auf Vordermann bringen.

Kälte-Schock vermeiden

Junge Frau ist ein Eis. © fotolia Foto: benik.at
Vorsicht: Eis bringt nicht nur Abkühlung, sondern einigen Menschen auch Kopfschmerzen.

Wer sich mit einem Eis oder einem kalten Getränk erfrischen möchte, riskiert eventuell Kopfschmerzen: Den Temperaturunterschied von eiskaltem Eis im Mund eines hoch erhitzen Körpers vertragen einige Menschen nicht gut, weil sich die Blutgefäße von dem kalten Eis schlagartig verengen. Empfindliche Personen sollten die Temperatur-Achterbahn vermeiden.

Räume kühl halten

Anders als in Ländern, in denen es grundsätzlich warm ist, haben wir in unseren Breiten die Wohnungen und Häuser gern nach Süden ausgerichtet. An heißen Tagen heißt es: Die Fenster nur am Morgen vor der großen Hitze öffnen und einmal kräftig durchlüften. Dann die Fenster schließen und Jalousien oder Vorhänge zuziehen, um Hitze und Sonne auszusperren. Wer seinen Kreislauf schonen möchte, hält sich am besten in nördlich ausgerichteten Zimmern auf.

Gut schlafen trotz Hitze

Auch im Schlafzimmer sollten die Fenster tagsüber geschlossen bleiben. Vor dem Zubettgehen einmal kräftig durchlüften, in der Nacht die Fenster nur kippen, da die Zugluft zu Verspannungen führen kann. Um das Raumklima zu verbessern, kann man ein nasses Laken vor das Fenster hängen. Auch bei hohen Temperaturen sollte man sich zudecken und nicht nackt schlafen, sonst droht eine Erkältung. Statt einer Decke reicht ein dünnes Laken. Wer mag, legt es vor dem Schlafen in die Kühltruhe. Das erfrischt den Körper. Auf keinen Fall sollte man Schlafmittel nehmen, denn die belasten den Kreislauf zusätzlich.

Duschen: Lauwarm statt eiskalt

Hitzegeplagte erfrischen sich gut mit einem feuchten Tuch auf der Stirn oder indem sie kaltes Wasser über die Unterarme laufen lassen. Bei der kalten Dusche ist jedoch Vorsicht geboten: Wer eiskalt duscht, regt seinen Kreislauf schockartig derart an, dass es zu Problemen kommen kann - und schwitzt hinterher umso mehr, denn die kalte Dusche am heißen Tag treibt den Blutdruck in die Höhe. Besser ist es, lauwarm zu duschen.

Richtig essen und trinken

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Noch mehr als an anderen Tagen sollte bei Hitze auf ausreichend Flüssigkeit geachtet werden. Wer viel schwitzt, muss unbedingt viel trinken. Das Getränk der ersten Wahl ist hier Wasser. Auch mit Wasser verdünnte Fruchtsäfte füllen die Reserven wieder auf. Besonders ältere Menschen sollten sich ständig an das Trinken erinnern, da im Alter das Bedürfnis nach Flüssigkeit häufig abnimmt. Wer das Trinken oft vergisst, sollte sich gleich morgens zwei Liter Wasser oder Saft an verschiedene Orte in der Wohnung stellen. Beim Vorbeikommen erinnern die Getränke daran, einen Schluck zu nehmen.

Beim Essen gilt: keine schwere und fette Kost, sondern besser mehrere kleine und leichte Mahlzeiten mit viel Obst, Salat und Gemüse. Beim Einkaufen am besten eine Kühltasche mitnehmen, damit leicht verderbliche Lebensmittel wie Fleisch oder Milch den Weg nach Hause gut überstehen. Zu Hause sollten möglichst auch heimische Obst- und Gemüsesorten in den Kühlschrank. Sie werden bei hohen Temperaturen schnell schlecht.

Vorsicht mit Klimaanlagen

Was hilft bei Hitze? Die Tipps im Überblick

  • viel Wasser trinken
  • leichte Kost essen
  • Salz und Mineralien zu sich nehmen
  • starke Temperaturunterschiede vermeiden
  • nach Süden ausgerichtete Räume abdunkeln
  • lauwarm duschen statt eiskalt
  • Klimaanlagen nicht zu kalt einstellen
  • luftige Kleidung tragen
  • Sport in die Morgenstunden verlegen

Klimaanlagen im Büro sollten nicht so kühl eingestellt werden, dass man sich eine Jacke oder einen Pullover überziehen muss. Der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen ist dann viel zu groß. Der erste Schritt an die Luft kann für den Kreislauf mehr als beschwerlich werden. Das Gleiche gilt für Klimaanlagen im Auto. Autofahrer sitzen längere Zeit in der gleichen Haltung vor dem Luftzug aus dem Klimaschlitz. Das kann zu Muskelverspannungen oder auch einer Bindehautentzündung führen.

Luft zwischen Haut und Kleidung lassen

Kleidung sollte möglichst nicht hauteng anliegen, sondern luftig sein. Stretchhosen und enge Tops sollten an extrem heißen Tagen lieber im Schrank hängen bleiben. Die Wahl fällt besser auf weit geschnittene Kleidungsstücke, die ein wenig Luft durchlassen. Wer draußen unterwegs ist, sollte eine Kopfbedeckung nicht vergessen: Schirmmütze, Strohhut, Kappe - alles, was die Hitze abhält, tut gut.

Sport nur am frühen Morgen

Wer an heißen Tagen nicht auf Bewegung, zum Beispiel in Form von Walken oder Joggen, verzichten möchte, sollte dies für die frühen Morgenstunden einplanen, wenn die Luft noch kühl und frisch ist. Insbesondere in der Mittagszeit ist Sport für Herz und Kreislauf zu belastend. Dasselbe gilt für schwere körperliche Arbeiten.

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NDR Info | 25.07.2019 | 08:50 Uhr

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