Blähungen: Frau hält sich den krampfenden Bauch © colourbox.de

Blähungen: Wie entstehen sie und was hilft?

Stand: 26.03.2024 12:21 Uhr | vom Rundfunk Berlin-Brandenburg-Logo

Ständig Blähungen zu haben, ist unangenehm. Insbesondere festsitzende Blähungen können Schmerzen verursachen. Was kann man gegen Flatulenz tun? Und was sind die Ursachen?

von Carola Welt

Kinder finden sie lustig, Erwachsene meist peinlich: Blähungen - medizinisch auch Flatulenz genannt. Dass etwas Luft aus dem Darm entweicht, passiert einfach bei der Verdauung. Belastend wird es, wenn ständig Winde aus dem Darm drängen oder der Bauch stark aufgebläht ist. Häufig liegt es an der Wahl der Lebensmittel. Manchmal stecken auch Erkrankungen dahinter.

Blähungen - Inhalt in Kürze

Blähungen sind unangenehm, aber meistens ungefährlich.

Ursachen: Wie entstehen Blähungen?

Winde im Bauch entstehen nicht im Magen, sondern im Dickdarm. Hier bilden sich während der Verdauung mehrere Liter Gas pro Tag. Sie werden von den Bakterien im Darm produziert. Dazu kommt die Luft, die man beim Essen und Trinken schluckt. Ein großer Teil dieses Luft-Gas-Gemisches gelangt über die Darmschleimhaut in das Blut, weiter in die Lungen und wird ausgeatmet.

Der Rest wandert durch den After ins Freie. Hat man zu viel Wind im Bauch, der sich den Weg nach draußen bahnt, spricht man von Blähungen (Flatulenz). Ob eine Blähung Geräusche macht, hängt vom Druck ab, mit der sie entweicht: Je größer der Druck der Gase auf den Schließmuskel ist, desto lauter wird der Pups.

Symptome: Welche Arten von Flatulenz gibt es?

Der Bauch grummelt oder fühlt sich hart an - das ist ein Anzeichen dafür, dass sich zu viel Luft im Darm befindet. Sie kann Stück für Stück entweichen, oder sich ansammeln und zu einem sogenannten Blähbauch führen.

Festsitzende Blähungen schmerzen

Sind die Blähungen stark und hartnäckig, spricht man von festsitzenden Blähungen. Die Luft kann nicht aus dem Bauch entweichen. Er ist aufgebläht, kann sich hart anfühlen oder auch wehtun. Möglich ist auch ein Völlegefühl, Übelkeit, Krämpfe oder Durchfall. Bei solchen Symptomen könnte eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder eine Erkrankung des Darms - wie ein Reizdarm - dahinterstecken.

Ständige Blähungen bei der Frau

Viele Frauen leiden unter einem aufgeblähten Bauch - vor allem während ihrer Periode, der Schwangerschaft und der Wechseljahre. Das liegt an den weiblichen Hormonen: Östrogen oder Progesteron. Progesteron verlangsamt unter anderem den Verdauungsprozess, dadurch sammeln sich Gase im Darm an. Dazu kommt: Viele Frauen ernähren sich unter dem Einfluss dieser Hormone - beispielsweise vor der Periode - ungesünder, weil sie oft Heißhungerattacken bekommen. Zuckerhaltige und fettreiche Nahrungsmittel fördern Blähungen.

Blähungen mit Gluckern im Bauch

Hat man festsitzende Blähungen oder ständig Blähungen mit Gluckern im Bauch, sind das die häufigsten Ursachen:

  • Gas erzeugende Nahrungsmittel (beispielsweise Kohl)
  • ungesunde Ernährung (zu viel Zucker)
  • hastiges Essen, bei dem zu viel Luft geschluckt wird
  • kohlensäurehaltige Getränke

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Klein geschnittener Weißkohl auf einem Holzbrett, daneben eine Zwiebel und Gewürze. © Colourbox

Mit Gewürzen Blähungen durch Kohl vermeiden

Kohlgemüse ist gesund, kann aber zu Blähungen und Bauchschmerzen führen. Mit den richtigen Gewürzen wird der Kohl bekömmlicher. mehr

Blähbauch: Dicker Bauch durch Flatulenz

Zu viel Luft kann dazu führen, dass der Bauch sich nach vorn wölbt, spannt und hart anfühlt. Ein Blähbauch (Meteorismus) entsteht. Dazu kommen häufig Verstopfung, Durchfall oder Bauchschmerzen. Hat man ständig einen Blähbauch, kann die Ursache eine Nahrungsmittelunverträglichkeit sein. Auch der übermäßige Genuss blähender Lebensmittel - wie kohlensäurehaltiger Getränke - sowie Medikamente können Blähungen fördern.

Stinkende Blähungen: Warum riecht der Pups?

Darmgase können nach faulen Eiern riechen oder fast geruchlos sein. Der Geruch der Blähungen richtet sich danach, was man gegessen hat. Bei der Verdauung von ballaststoffreicher und eiweißreicher Nahrung werden schwefelhaltige Gase produziert. Nach dem Genuss von Eiern, Milchprodukten oder Fleisch riechen Pupse besonders stark. Auch bei der Verdauung von ballaststoffreichem Gemüse wie Kohl oder Zwiebel können übel riechende Gase entstehen.

Wenn Blähungen und Durchfall gemeinsam auftreten

Blähungen gepaart mit Durchfall können bei einem Magen-Darm-Infekt auftreten oder nach dem Genuss einer sehr fettreichen Mahlzeit. Auch an eine Nahrungsmittelunverträglichkeit sollte man denken.

Kommt es ständig zu Durchfall und Blähungen, kann das auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn hindeuten. Auch ein Reizdarmsyndrom ist möglich. Krankheiten derBauchspeicheldrüse, der Leber oder der Gallenblase können ebenfalls Ursache sein.

Blähungen und Darmgeräusche nach dem Essen

Hat man häufig unmittelbar nach den Mahlzeiten das Bedürfnis zu pupsen, deutet das meist auf harmlose Ursachen wie Erbsen oder Bohnen als Nahrung hin. Möglicherweise steckt aber auch eine Nahrungsunverträglichkeit dahinter. Dann leidet man oft zusätzlich unter Völlegefühl und Durchfall.

Welche Nahrungsmittel verursachen Blähungen?

Viele Lebensmittel führen zu Blähungen. Diese können besonders stark für Flatulenzen sorgen:

  • Kohlsorten (Brokkoli, Rosenkohl, Blumenkohl, Rotkohl, Weißkohl, Chinakohl, Wirsing) und Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen oder Erbsen): Sie enthalten ein hohes Maß an Ballaststoffen (Faserstoffen), bei deren Abbau im Darm Gase entstehen.
  • Generell führt rohes Gemüse eher zu Gärungsprozessen im Darm und damit zu Blähungen. Tipp: Verzehrt man Gemüse nicht roh, sondern gekocht, sind die Faserstoffe leichter verdaulichund und führen dadurch zu weniger Flatulenzen.
  • Auch Zwiebeln, Knoblauch und Lauch können blähend wirken.
  • Fruchtzucker in Obst kann Blähungen verursachen - vor allem bei Beeren, Kirschen, Aprikosen oder Pflaumen ist das der Fall.
  • Üppige, süße und fette Speisen verstärken die Gasbildung im Bauch. Die bereits vorhandenen Enzyme schaffen es nicht, die Nährstoffe zu zerlegen. So müssen die Bakterien im Darm tätig werden, das führt zu vermehrten Darmwinden.

Blähungen durch Nahrungsmittelunverträglichkeit

Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit gelingt es dem Körper nicht, bestimmte Stoffe wie Fructose (Fruchtzucker), Laktose (Milchzucker) oder Gluten (Klebereiweiß) in den Lebensmitteln zu verarbeiten. Bei einer Fructoseunverträglichkeit fehlt ein Eiweiß, dass die Fructose in die Darmzelle transportiert. Dadurch gelangt die Fructose unzerkleinert in den Dickdarm. Dieser Überschuss wird von Bakterien "vergoren" und verursacht die Blähungen. Es gibt Unverträglichkeiten auf Milch (Laktoseintoleranz), auf Gluten (Zöliakie), auf Fructose oder Saccharose.

Zuckerersatz Sorbit ist häufiger Auslöser von Flatulenz

Sorbit, auch Sorbitol genannt, gehört zu den sogenannten Zuckeraustauschstoffen und kann Blähungen erzeugen. Als Lebensmittelzusatzstoff E420 steckt es manchmal in Ketchup, Mayonnaise, Kaugummi oder Toastbrot. Auch Light-Produkte enthalten oft Sorbit. Steht auf der Verpackung "kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken" könnte Sorbit enthalten sein. Sorbit steckt in natürlicher Form in frischen Früchten (Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Pflaumen, Erdbeeren, Aprikosen) und auch in Trockenfrüchten.

Medikamente als Ursache

Auch Medikamente können Blähungen verursachen: vor allem Antibiotika, Antidiabetika oder Diätmittel wie Lipasehemmer.

Wann sind Blähungen ein Anzeichen für Krankheiten?

Wenn man viel pupst, ist das meist nicht schlimm. Zum Hausarzt oder einer Hausärztin sollte man, wenn neben den Blähungen weitere Beschwerden auftreten wie: Völlegefühl, Übelkeit, Bauchschmerzen, Krämpfe, Veränderungen im Stuhlgang wie plötzlicher Durchfall oder Verstopfung.

Ständige Blähungen können das Symptom einer Erkrankung sein. Dahinterstecken können: chronische Verstopfung, Reizdarm, Reizmagen, Nahrungsmittelunverträglichkeit, Magen-Darm-Infekt, entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), Darmkrebs, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder der Galle sowie Erkrankungen der Leber wie Leberzirrhose. Um die Ursachen herauszufinden, wird man meist an einen Gastroenterologen oder eine Gastroenterologin überwiesen.

Hausmittel gegen Blähungen

Die meisten Blähungen sind harmlos und kein Grund zur Besorgnis - gerade nach einem üppigen Essen. Wirksam ist dann ein Tee mit Fenchel, Kümmel, Pfefferminze, Melisse oder Anis. Ingwer entspannt die Darmmuskulatur und lindert die Beschwerden: ein Stück Ingwerknolle schneiden oder reiben und als Tee aufgießen. Eine Wärmflasche oder ein warmes Körnerkissen beruhigt den Dickdarm, die Krämpfe lösen sich. Blähungen sollte man nicht verkneifen, sondern nach Möglichkeit herauslassen.

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Massage entspannt Bauch bei Blähungen

Manche schwören bei Blähungen auf eine Bauchmassage. Mit der flachen Hand im Uhrzeigersinn rund um den Bauchnabel massieren. Dadurch werden die Bewegungen des Darmes sanft angeregt. Darmwinde können leichter abgehen und der Bauch entspannt sich.

Medikamente gegen Blähungen

Es gibt natürliche Arzneimittel auf der Basis von Pfefferminzöl, Süßholzwurzel oder Kümmelöl.

Entblähende Medikamente enthalten oft die Wirkstoffe Simeticon oder Dimeticon. Sie sollen die schaumigen Gasblasen im Dickdarm, die während der Verdauung entstehen, zum Platzen bringen und Blähungen verringern (Entschäumer). Sie sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich - als Kautablette oder Tropfen. Bereits Säuglinge leiden oft unter Blähungen und bekommen entschäumende Medikamente verordnet.

Bei schmerzhaften "eingeklemmten Winden" können krampflösende Mittel helfen, beispielsweise mit dem Wirkstoff Butylscopolamin (Buscopan). Sie entspannen die Muskulatur des Verdauungstrakts.

Blähungen in der Schwangerschaft: Was tun?

Wer in der Schwangerschaft Probleme mit Blähungen hat, sollte auf die Wahl des Gemüses achten: Karotten, Fenchel oder Tomaten sind besser verdaulich als Kohl und Hülsenfrüchte. Außerdem hilft es, auf Kohlensäure zu verzichten. Hilfreich sind Tees mit Fenchel, Anis oder Kümmel, um die Blähungen zu lösen. Auch eine sanfte Bauchmassage kann gute Dienste tun. Hilft nichts, kann die Frauenärztin oder der Frauenarzt ein Medikament empfehlen (beispielsweise Entschäumer).

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