Sprunggelenk gebrochen: Welche Behandlung ist die richtige?

Stand: 28.09.2021 10:57 Uhr

Der Sprunggelenksbruch ist einer der häufigsten Brüche. Häufig reißen dabei auch die Bänder. Betroffene können oft zunächst noch auftreten, obwohl der Fuß schmerzt.

Beim Sport oder durch Umknicken im Alltag kann es schnell zu einem Bruch des Sprunggelenks kommen. Wichtig ist die Kontrolle, ob etwas verletzt ist - und was genau verletzt ist. Denn wird ein Bruch nicht erkannt und behandelt, kann das Sprunggelenk dauerhaft instabil werden.

So ist das Sprunggelenk aufgebaut

Das sogenannte Obere Sprunggelenk (OSG) wird von drei Knochen gebildet: Schienbein (Tibia), Wadenbein (Fibula) und Sprungbein (Talus). Schien- und Wadenbein bilden eine knöcherne Gabel, die das Sprungbein U-förmig umfasst. Gestützt wird das obere Sprunggelenk von Außen- und Innenbändern sowie der Syndesmose, einer festen Bandverbindung, die Schien- und Wadenbein zusammenhält. Die Syndesmose ist besonders wichtig für die Stabilität des Sprunggelenks. Die Fußknochen müssen exakt aufeinanderpassen, damit man gut stehen, laufen und springen kann. Knickt der Fuß um, bricht oftmals das untere Wadenbein (Fibula) - sehr oft reißen auch die Bänder.

Knöchelbruch ist keine Bagatelle

Oftmals können Betroffene nach dem Umknicken noch gut auftreten, obwohl der Fuß schmerzt. Lassen die Schmerzen spätestens nach einer Woche nicht nach, muss ein Arzt den Knöchel untersuchen. Wird der Knöchel sofort dick und blau und ist das Auftreten nicht möglich, muss man direkt zum Arzt. Denn bei einem Knöchelbruch handelt es sich um keine Bagatelle, auch wegen einer möglichen Verletzung des Bands zwischen Schien- und Wadenbein (Syndesmose). Ist dieses wichtige Band gerissen, wächst der Knöchelbruch meist nicht mehr stabil zusammen. Dadurch besteht die Gefahr einer Früharthrose oder einer Versteifung des oberen Sprunggelenks.

Diese Symptome deuten auf einen Knöchelbruch hin:

  • Schmerzen
  • Schwellung
  • Bluterguss
  • Bewegungseinschränkung
  • Belastungsunfähigkeit
  • eventuell Instabilität
  • eventuell Fehlstellung
  • eventuell Gefühlsstörungen im Fuß

Weitere Informationen
Fußspezialistin Dr. Sabine Bleuel.
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Bruch oder Bänderriss?

Die Ärzte erkennen schon beim Abtasten, wo sich der für einen Knöchelbruch typische Druckschmerz befindet: am Wadenbein. Bei einem Bruch ist die Schwellung meist beidseitig und der Schmerz stärker, bei einem Bänderriss entsteht meist eine deutlich einseitige Schwellung. Röntgenbilder geben Aufschluss, ob eine Fraktur vorliegt und wie schlimm sie ist. Per MRT oder CT wird untersucht, ob die Bänder intakt oder gerissen sind.

Behandlung des Knöchelbruchs: OP oder Orthese

Die Art des Knochenbruchs (offen/geschlossen, verschoben/nicht verschoben) und die Frakturhöhe am Wadenbein (Außenknöchel) nach der sogenannten Weber-Klassifikation entscheiden über den Behandlungsweg:

Weber A: Außenknöchelfraktur unterhalb der Syndesmose (Syndesmose immer intakt)
Weber B: Außenknöchelfraktur auf Höhe der Syndesmose (Syndesmose möglicherweise verletzt)
Weber C: Außenknöchelfraktur oberhalb der Syndesmose (Syndesmose immer verletzt)

Bei allen drei Weber-Formen kann zusätzlich der Innenknöchel gebrochen oder das Innenband verletzt sein. Sind gleichzeitig Innen- und Außenknöchel gebrochen, spricht man von einer "bimalleolären Sprunggelenksfraktur".

Eine konservative Behandlung mit Geh-Gips oder einer Orthese ist bei geschlossenen Weber-A- und Weber-B-Frakturen mit unverschobenem Bruch und ohne Syndesmose-Verletzung möglich. Ist aber das Wadenbein gebrochen und die Syndesmose verletzt (Weber C) oder der Bruch stark verschoben, ist eine OP unumgänglich. Mit Schrauben oder Platten wird der Knochen stabilisiert, die Syndesmose zusammengenäht. Sechs Tage oder länger müssen Patienten hierbei oft im Krankenhaus bleiben. Die Heilungsphase dauert noch einmal mindestens sechs Wochen, plus Aufbauphase mit Physiotherapie und Gangschulung. Erst nach sechs Wochen darf das Gelenk wieder belastet werden - sportliche Aktivitäten sind nach drei bis sechs Monaten wieder möglich. Schrauben oder Platten werden frühestens nach zwölf Monaten entfernt.

 

Weitere Informationen
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Visite | 28.09.2021 | 20:15 Uhr

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