Séverine Kim und Johanna Krumstroh beim Projekt "Allein - aber einsam?" © Agnes Bührig

"Allein - aber einsam?" Schulprojekt übers Alleinsein im Lockdown

Stand: 12.10.2021 11:54 Uhr

Das Alleinsein - was hat das mit Jugendlichen während des Lockdowns gemacht? Diese Frage haben Schülerinnen und Schüler des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasiums in Celle in Form von Texten unter dem Motto "Allein, aber einsam?" bearbeitet.

von Agnes Bührig

Inspiration für die Texte über das Alleinsein während des Lockdowns fanden die Schülerinnen und Schüler in der Musik Ludwig van Beethovens und Franz Schuberts. Angestoßen wurde das Projekt "Allein, aber einsam?" von der Schauspielerin Johanna Krumstroh und der Pianistin Séverine Kim. Das Ergebnis wurde jetzt im Unterricht präsentiert.

Konzert und Lesung mit Séverine Kim und Johanna Krumstroh

Séverine Kim und Johanna Krumstroh beim Projekt "Allein - aber einsam?" © Agnes Bührig
Séverine Kim und Johanna Krumstroh haben das Schulprojekt angestoßen.

Innerlich interpretiert Séverine Kim den dritten Satz von Beethovens Klaviersonate Nr. 31. Geschrieben hat sie der Komponist als er schon taub war - von den Tönen des Lebens ausgeschlossen, allein mit sich und seiner Vorstellung vom Klang.

"Einsam. Einsamkeit von kurzer Zeit: sehr angenehm und hübsch. Aber nach langer Zeit entsteht das Leid.": Die Schauspielerin Johanna Krumstroh interpretiert hingebungsvoll Texte, zu denen sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10d durch die Musik haben inspirieren lassen. Sie handeln von Einsamkeit in Straßen voller Menschen mit leeren Blicken. Sie beschreiben, wie allein gelassen sich jemand fühlt, der seinen Eltern seine Homosexualität offenbart und nicht so angenommen wird, wie er ist. Doch ein Text beschreibt auch die Freude darüber, auf dem Land in Abgeschiedenheit leben zu können.

"Das war überhaupt das Erstaunliche: Dass die Schüler an vielen Stellen gefunden haben, dass man der Einsamkeit - die sie in den letzten anderthalb Jahren selbst gespürt haben - auch positive Seiten abgewinnen kann. In einem Text wird das sehr deutlich: 'Ich war die ganze Zeit allein. Das heißt, niemand hat mich von außen beeinflusst, was wiederum bedeutet, ich habe meine eigene Stimme gefunden. Ich weiß jetzt, wer ich bin und bin damit auch gestärkt.'", so Johanna Krumstroh.

Texte über Einsamkeit: Verbunden im Alleinsein

Es gibt eine erstaunliche Intensität in den Texten. Sie spannen den Bogen vom inneren Monolog über die Erzählung bis hin zur sachlichen Analyse, was den Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamsein ausmacht. Für die 14-jährige Frieda Döring sind sie zudem Ausdruck der Rückversicherung, Teil einer Gemeinschaft zu sein: "Wir alle haben unabhängig voneinander Texte geschrieben. Und trotzdem waren diese Texte irgendwo immer ähnlich, so, als wären wir alle alleine. Dieses Alleinsein hat uns komischerweise verbunden und es war ein sehr entspannendes Gefühl, zu wissen, dass es den anderen genauso geht."

Die 15-jährige Schülerin Maria Langenbach, die im Lockdown noch intensiver Klavier gespielt hat als vorher, hat besonders die Sprache der Musik angesprochen: "Als ich das Konzert gehört habe, hatte ich ein Gefühl in mir - ich habe es als verschiedene Emotionen wahrgenommen. Ich konnte das nicht so gut in Worte fassen und deswegen habe ich versucht, mich auf eine Art Erzählung zu fokussieren."

Wer welchen Text geschrieben hat, verraten sie nicht - die Vereinzelung im Lockdown ist der Gemeinschaft gewichen. Das Nachdenken über diese Zeit aber bleibt ein Nachdenken über sich selbst - allein und nicht einsam.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 11.10.2021 | 06:40 Uhr