VIDEO: Ein historischer Stadtrundgang durch Damgarten (4 Min)

Ribnitz-Damgarten: Stadt des Bernsteins

Stand: 26.01.2022 16:58 Uhr

Seit Jahrzehnten wird in der Stadt am Saaler Bodden Bernstein zu Schmuck verarbeitet, ein Museum gibt nähere Einblicke. Besucher können den Ort bei zwei interessanten Rundgängen kennenlernen.

Die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst gilt seit Jahrhunderten als eine der wichtigsten Fundstellen für Baltischen Bernstein. Verarbeitet wird das "Gold des Meeres" in Ribnitz-Damgarten. Die Bernsteinstadt liegt nur wenige Kilometer südlich der Halbinsel auf dem Festland am Saaler Bodden. Bis 1950 waren das mecklenburgische Ribnitz und das vorpommersche Damgarten eigenständige Gemeinden, getrennt durch das Flüsschen Recknitz. Seit ihrem Zusammenschluss hat die Stadt gleich zwei Häfen. Zu den Wahrzeichen zählen das Rostocker Tor, ein Relikt der mittelalterlichen Stadtbefestigung, das spätklassizistische Rathaus aus dem Jahr 1834 und die Klosterkirche.

Auf den Spuren Lyonal Feiningers

Blick durch einen roten Metallrahmen auf den Hafen in Ribnitz-Damgarten. © NDR
Ein Blick durch die Öffnung der Stelen zeigt die Perspektive des Künstlers - hier am Hafen.

Das Rostocker Tor ist auch eine von zehn Stationen auf dem Feininger-Rundgang. Der expressionistische Künstler Lyonel Feininger besuchte Ribnitz-Damgarten Anfang des 20. Jahrhunderts mehrfach und hielt seine Eindrücke in Bildern fest. Die Tour führt vom Klosterhof durch die Mühlenstraße zum Rostocker Tor und weiter zum Hafen und zum Markt. Große, farbige Metall-Stelen mit Öffnungen weisen auf Motive hin, die Feininger einst gemalt hat. Eine Begleitbroschüre mit den Original-Bildern und Erläuterungen ist bei der Tourist-Information am Markt und in der Galerie im Kloster erhältlich.

Historischer Rundgang durch Damgarten

Ein weiterer Rundgang mit neun Stelen führt durch den Stadtteil Damgarten. Stationen am Weg sind unter anderem das älteste Haus des Ortsteils, die Kirche, das Gutshaus und der Flugplatz Pütnitz sowie der Hafen. Er ist auch ein guter Start- und Endpunkt für die Tour. Ein Begleitheft zum Herunterladen, historische Bilder und einen kostenloser Audioguide hält die Tourist-Information bereit.

Deutsches Bernsteinmuseum im Klarissinnen-Kloster

Blick auf das Klarissinnen-Kloster in Ribnitz-Damgarten, in dem sich auch das Bernsteinmuseum befindet. © Stadt Ribnitz-Damgarten
Das Kloster Ribnitz beherbergt heute das Bernsteinmuseum, wechselnde Ausstellungen, das Standesamt der Stadt und eine Galerie.

Im ehemaligen Dominahaus des Klarissinnen-Klosters befindet sich das Deutsche Bernsteinmuseum. Es bietet einen umfassenden Einblick in die Natur-, Kunst- und Kulturgeschichte sowie in die Verarbeitung des Baltischen Bernsteins. Besonders stolz ist das Museum auf einen im Bernstein eingeschlossenen Geckokopf, einen sehr seltenen Fund. Auch ein knapp 3,5 Kilogramm schweres Fundstück sowie zahlreiche Kunstgegenstände aus Bernstein gibt es zu bestaunen. In der Klosterkirche ist eine Ausstellung über die Geschichte des Konvents und späteren Stifts zu sehen.

Blick hinter die Kulissen in der Schaumanufaktur

Seit 1948 wird Bernstein in Ribnitz-Damgarten zu Schmuck verarbeitet. Die Schaumanufaktur Ostsee-Schmuck zeigt in einer großen Verkaufsausstellung zahlreiche Schmuckstücke und Kunstgegenstände aus Bernstein. Dazu zählen nicht nur Ringe und Ketten, sondern auch Lampen und Schnitzereien. In der Werkstatt erfahren Besucher, wie die Steine bearbeitet werden und wie sie in den unterschiedlichen Phasen der Bearbeitung aussehen. Außerdem können sie den Mitarbeitern gefundene Steine zeigen und prüfen, ob diese echt sind, sowie selbst kleine Schmuckstücke anfertigen.

Die Geschichte des Bernsteins

Ein Bernstein wird im Bersteinmuseum Ribnitz-Damgarten geschliffen. © Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e. V. Foto: Stefan Pocha
Damit Bernstein seine Schönheit entfalten kann, muss er geschliffen und poliert werden.

Bernstein ist ein fossiles Harz. Vor etwa 40 bis 50 Millionen Jahren gab es dort, wo heute die Ostsee liegt, subtropische Wälder. Das Harz der Nadelbäume wurde zu Bernstein. Schon in der Jungsteinzeit fertigten Menschen daraus Schmuck und es wurde als Zahlungsmittel verwendet. Im Mittelalter nutzten die Menschen Bernstein ausschließlich für die Verarbeitung zu Rosenkränzen. Ihren Höhepunkt hatte die Bernsteinkunst im 16. und 17. Jahrhundert, als kostbare Kunstgegenstände für Fürsten und Könige angefertigt wurden. 

Ausflug ins Freilichtmuseum Klockenhagen

Fachwerkscheune im Freilichtmuseum Klockenhagen © NDR Foto: Ariane Peters
Zum Freilichtmuseum gehören unter anderem Bauernhäuser, Scheunen, eine Dorfkirche, eine Schmiede und ein Backhaus.

Mitten im Ortsteil Klockenhagen gibt es Heimatkunde zum Anfassen. Auf dem Gelände des Freilichtmuseums laden 20 historische Gebäude aus Dörfern in Mecklenburg-Vorpommern zum Entdecken ein. Sie machen deutlich, wie die Menschen früher gelebt haben. Zwischen verschiedenen Bauernhäusern und Ställen stehen auch eine Bockwindmühle und ein Backhaus, in dem Besucher von Mai bis Anfang Oktober mehrmals pro Woche mit einem Bäckermeister traditionell Brot im Holzofen backen können. Auch in der Schmiede, in der Holzwerkstatt und in der Spinnerei dürfen Gäste mit anpacken. Kinder können auf dem Spieleboden mit Rutsche, Murmelbahn und vielen traditionellen Spielgeräten toben.

Zum Museum gehört ein großer Heil- und Würzkräutergarten. Er wurde nach Überlieferungen der heilkundigen Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179) angelegt. Etwa 300 verschiedene Kräuter wachsen dort, überwiegend aus der Region. Bei Führungen erfahren Teilnehmer, welche Wirkung bestimmte Pflanzen und Kräuter haben und wie sie schmecken. Das Museum startet jeweils im Frühling in die Saison.

Karte: Hier liegt Ribnitz-Damgarten

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Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 29.01.2022 | 18:00 Uhr

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