Stand: 12.06.2018 15:31 Uhr

Wie Bewegung bei Parkinson hilft

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Regelmäßige Bewegung trainiert das Gehirn und die Muskulatur.

Die Parkinson-Krankheit, früher als Schüttellähmung bezeichnet, ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung in Deutschland. Die Betroffenen leiden zunehmend unter einer Verlangsamung der Bewegungsabläufe, Bewegungsarmut, Gangstörungen, später auch einem Zittern der Hände, Beine und des Kopfes oder Muskelsteifheit.

Die Symptome lassen sich mit Medikamenten behandeln. Doch zahlreiche Studien belegen, dass Sport ebenso wirkungsvoll sein kann: Der Verlauf der Erkrankung ist oft sogar günstiger als mit Medikamenten allein. Ob ein Fortschreiten der Erkrankung hinausgezögert werden kann, ist allerdings nicht bewiesen.

Eine Frau in der Bewegungstherapie.

Wie Bewegung bei Parkinson hilft

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Bei der Therapie der Parkinson-Krankheit ist Bewegung so wirkungsvoll wie Medikamente. Spezielle Übungen können das Fortschreiten der Krankheit sogar hinauszögern.

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Ursachen und Symptome der Parkinson-Krankheit

Ursache der Parkinson-Krankheit ist eine nachlassende Produktion des Botenstoffs Dopamin durch Absterben der Dopamin produzierenden Zellen in der sogenannten Schwarzen Substanz (Substantia nigra) im Mittelhirn. Dieser Botenstoff ist wichtig für die Signalübermittlung zwischen Gehirn und Muskulatur. Fehlt Dopamin, werden die Bewegungen immer kleiner, der Gleichgewichtssinn leidet, es kommt zu Zittern oder Steifigkeit der Muskeln. Weitere typische Symptome sind

  • eingefrorene Bewegungen
  • schlurfender Gang
  • leise Sprache
  • ein starrer, wächserner Gesichtsausdruck.

Krankheit beginnt schleichend

Die Parkinson-Krankheit bleibt über Jahrzehnte unbemerkt, während im Gehirn schon Zellen abgebaut werden. Wenn das typische Zittern auftritt, ist bereits der größte Teil der entsprechenden Nervenzellen zerstört. Den motorischen Symptomen gehen aber meist jahrelang unklare Symptome voraus. So leiden spätere Parkinson-Erkrankte etwa doppelt so häufig an Verstopfung und Schlafstörungen wie die Allgemeinbevölkerung. Ein schlechter Geruchssinn und Depressionen treten häufiger auf.

Interview
03:42
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Bewegung bei Parkinson

12.06.2018 20:15 Uhr
Visite

Bei der Therapie der Parkinson-Krankheit ist Bewegung so wirkungsvoll wie Medikamente. Welche Übungen helfen, erklärt der Neurologe Prof. Peter Paul Urban. Video (03:42 min)

Gefahr der Fehldiagnose

Ähnliche Symptome wie bei Parkinson können auch bei anderen Krankheiten auftreten, zum Beispiel Altershirndruck, Gefäß- oder Nervenkrankheiten oder ein Tremor. Deshalb kommt es nicht selten zu Fehldiagnosen und überflüssigen Parkinson-Therapien mit belastenden Nebenwirkungen. Das Problem: Eine Parkinson-Diagnose wird von weiterbehandelnden Ärzten kaum hinterfragt. Das Fehlen typischer Symptome führen sie häufig auf die Wirkung der Medikamente zurück.

Schlafstörung als Vorstufe von Parkinson?

Als Vorstufe der Parkinson-Krankheit gilt eine sogenannte REM-Schlafverhaltensstörung. Bei dieser Schlafstörung bewegen sich Betroffene im Traum, sie können sich oder ihren Partner sogar verletzen. Ursache ist eine Schädigung des Traumbewegungszentrums im Gehirn. Die Symptome der Schlafstörung lassen sich mit Medikamenten lindern. Doch 70 bis 80 Prozent der Menschen, die im Traum um sich schlagen, entwickeln in den folgenden 10 bis 15 Jahren eine Parkinson-Krankheit.

Biomarker in der Haut

Im Gehirn von Parkinson-Erkrankten spielt ein bestimmter Biomarker, eine krankhafte Eiweißablagerung, eine wichtige Rolle. Er ist ein eindeutiger Beweis für die Parkinson-Krankheit, ließ sich bisher aber erst nach dem Tod im Hirngewebe nachweisen. Wissenschaftler der Universität Würzburg haben den Biomarker auch in der Haut von Betroffenen gefunden. Nun befassen sich die Forscher mit der Suche nach Medikamenten, die gefährdete Zellen des Bewegungszentrums vor der Zerstörung schützen und dadurch eine Parkinson-Krankheit verhindern.

Kommt Parkinson aus dem Darm?

Dass viele Parkinson-Patienten oft Jahre zuvor über Verstopfung klagen, hat Forscher auf eine weitere Spur gebracht: Sie gehen davon aus, dass die Parkinson-Krankheit zumindest teilweise im Verdauungstrakt beginnt. Tierversuche zeigten, dass sich ein falsch gefaltetes Eiweißmolekül (Alpha-Synuklein) bei der Parkinson-Krankheit in den erkrankten Gehirnzellen ablagert. Solche Ablagerungen entstehen, vermutlich aufgrund von Umwelteinflüssen, auch im Nervensystem des Magens und des Darms. Von dort aus könnten die Ablagerungen über den Vagusnerv und seine Verästelungen bis ins Gehirn "wandern".

Den Forschern gelang es bei Mäusen, das Fortschreiten der Krankheit mit einer Durchtrennung das Vagusnervs zu verlangsamen. Untersuchungen an Menschen, denen wegen eines Magengeschwürs der Vagusnerv durchtrennt worden war, bestätigen die Hypothese: Das Risiko einer Parkinson-Erkrankung ist in dieser Gruppe um 22 bis 41 Prozent geringer als in der Allgemeinbevölkerung.

Behandlung der Parkinson-Krankheit

Zur Therapie der Parkinson-Krankheit stehen mehrere Gruppen von Medikamenten zur Verfügung. Sie verstärken sich gegenseitig durch ihre unterschiedlichen Wirkmechanismen. Ziel ist es, fehlendes Dopamin im Gehirn zu ersetzen. Die Auswahl und Dosierung der Arzneimittel erfolgen individuell.

  • Das wirksamste Mittel gegen die Parkinson-Symptome ist Levo-Dopa (L-Dopa). Es überwindet die Blut-Hirn-Schranke und wird im Gehirn in aktives Dopamin umgewandelt. Damit eine ausreichende Wirkstoffkonzentration im Gehirn erreicht wird, müssen die Patienten L-Dopa in hohen Dosen einnehmen. Der Wirkstoff wird mit dem Enzymhemmer Benserazid kombiniert, um die erforderliche Dosis zu reduzieren. So lassen sich Nebenwirkungen wie Übelkeit und Kreislaufprobleme abschwächen.

  • Eine weitere wichtige Wirkstoffgruppe sind die sogenannten Dopaminagonisten. Sie ähneln dem Dopamin, verursachen aber Nebenwirkungen wie Schwindel. Ist die individuelle richtige Dosis gefunden, erreichen die Medikamente oft eine stabile Besserung.

  • Zusätzlich werden sogenannte MAO-Hemmer eingesetzt, die den natürlichen Dopaminabbau verzögern.

  • Auch der Wirkstoff Amantadin kann die Parkinson-Symptome verbessern - allerdings ohne dass die genaue Wirkweise bekannt ist.

Bei allen Erfolgen der Arzneimitteltherapie ist eine Heilung oder ein Stoppen der Erkrankung nicht möglich.

Bewegung wirkt in jeder Krankheitsphase

Bereits im Anfangsstadium lässt sich die Parkinson-Erkrankung durch intensives Training aufhalten und im weiteren Krankheitsverlauf können Betroffene durch gezieltes Training bereits verlorene Fähigkeiten wiedererlangen. Eine Rolle spielen außerdem Freizeitaktivitäten wie Malen, Tanzen und das Erlernen neuer Bewegungsformen wie Tai Chi.

Geeignete Sportarten für Parkinson-Erkrankte sind vor allem Schwimmen, Radfahren und Joggen mit ihren fließenden Bewegungen. Wichtig ist, dass Parkinson-Erkrankte jede Gelegenheit zur Bewegung nutzen, denn das Gehirn verlernt die neu erworbenen Fähigkeiten wieder.

Sport kann auch vorbeugend wirksam sein: Wer im mittleren Lebensalter regelmäßig Sport treibt, senkt sein Risiko, später an Parkinson zu erkranken, um bis zu 40 Prozent.

BIG-Therapie für Parkinson-Erkrankte

In den ersten Stadien der Parkinson-Krankheit kann die Bewegungstherapie BIG zum Einsatz kommen. Die Übungen stimulieren ungenutzte Bereiche des Gehirns. Durch intensives Wiederholen und eine ständige Erfolgskontrolle lernen Betroffene, Bewegungen wieder bewusst im Alltag einzusetzen. Durch die Therapie werden Bewegungen schneller und präziser, auch das Gleichgewicht und die Körperwahrnehmung werden gefördert. Die Effekte halten mehrere Wochen bis Monate an.

Weitere Informationen

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50 Prozent der Parkinson-Therapie ist Bewegung, erklärte Prof. Dr. Daniela Berg am 5. September im Visite-Chat. Das Protokoll zum Nachlesen. mehr

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Dieses Thema im Programm:

Visite | 05.09.2017 | 20:15 Uhr

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