Wenn Muskeln zittern: Tremor-Ursachen erkennen

Stand: 01.12.2020 08:34 Uhr

Bei Angst, Aufregung oder Kälte ist Zittern völlig normal. Doch Muskelzittern kann auch auf eine Erkrankung der Nerven hindeuten - einen sogenannten Tremor.

In der In der Neurologie gehört der Tremor zu den häufigsten Symptomen. Das Zittern kann in Ruhe oder in Bewegungen auftreten. Plötzliches, anhaltendes Zittern ist immer ein Grund, zum Arzt zu gehen.

Häufige Ursachen für Muskelzittern

Viele Betroffene haben Angst, dass Morbus Parkinson die Ursache für das Zittern ist. Doch auch andere Erkrankungen können einen Tremor auslösen, etwa Stoffwechselerkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion, Störungen im Kleinhirn und Multiple Sklerose.

Bei Morbus Parkinson zittern die Betroffenen vor allem in Ruhe. Sobald sie ihre Hand gebrauchen, zum Beispiel einen Stift halten, schreiben oder Klavier spielen, zittern sie kaum noch. Beim sogenannten Spiraltest zeichnen sie die Spirale allerdings oft kleiner als die Vorlage. Auch ein einseitiger Tremor und weitere Symptome wie eine Verlangsamung oder eine nachlassende Mimik, deuten auf einen Morbus Parkinson hin.

Untersuchungen bei Muskelzittern

Hinweise auf die Tremor-Ursachen gibt eine umfangreiche Diagnostik: Durch eine klinische Untersuchung, Blutuntersuchungen und Aufnahmen des Gehirns lassen sich viele Erkrankungen ausschließen. Auch die Analyse der Bewegungen und Muskelströme kann entscheidende Hinweise liefern.

Wird keine eindeutige Ursache für das Muskelzittern gefunden, sprechen Ärzte von einem sogenannten essenziellen Tremor.

Essenzieller Tremor

Bei einem essenziellen Tremor sind Hirnareale überaktiv, die für die Steuerung von Bewegungen zuständig sind. Die Ursachen sind unbekannt. Weil das Gehirn die Überaktivierung mit zunehmendem Alter immer weniger ausgleichen kann, nimmt das Zittern über die Jahre langsam zu.

Bei einem essenziellen Tremor sind immer zunächst die Hände betroffen, im weiteren Verlauf kann sich das Zittern auch auf den Kopf, die Stimme und die Beine ausbreiten. Menschen mit einem essenziellen Tremor können die Hände in Ruhe oft noch still im Schoß halten. Sobald sie die Hände aber bewegen, zum Beispiel Kaffee eingießen, eine Tasse halten oder die Spirale zeichnen, wird das Zittern sichtbar.

Essenziellen Tremors mit Medikamenten behandeln

Es gibt keine gezielte Therapie für den essenziellen Tremor, da die Ursache nicht bekannt ist. Verschiedene Medikamente können das das Zittern unterdrücken, damit Betroffenen im Alltag weniger beeinträchtigt sind. Besonders häufig verordnet werden die Betablocker Propranolol und Primidon oder Antiepileptika verordnet.

Tremor mit tiefer Hirnstimulation behandeln

Wer die Medikamente nicht verträgt und unter sehr starken Symptomen wie zitternder Stimme oder Kopfzittern leidet, kann von der sogenannten tiefen Hirnstimulation profitieren. Bei diesem schon seit zwei Jahrzehnten etablierten Verfahren werden in einem operativen Eingriff Elektroden in die Bereiche des Gehirns eingeführt, die für den Tremor verantwortlich sind.

Ein unter dem Schlüsselbein implantierter Impulsgeber wird über Kabel mit den Elektroden verbunden und gibt, ähnlich wie ein Herzschrittmacher, Impulse ab - und zwar an den sogenannten Thalamus. Die Hirnregion ist für die unbewusste Steuerung willkürlicher Bewegungen zuständig und auch für die Entstehung des Tremors verantwortlich. Die elektrische Stimulation kann das Zittern unterdrücken.

Essenziellen Tremor mit fokussiertem Ultraschall behandeln

Inzwischen gibt es in einigen Behandlungszentren ein neues Verfahren, das bei einem essenziellen Tremor helfen kann: Präzise gesteuert werden dabei aus mehreren Richtungen hochintensive Ultraschallwellen gebündelt auf einen kleinen Punkt im Gehirn gerichtet, der für das Zittern mit verantwortlich ist. Durch die an diesem Punkt entstehende Hitze wird die Erregungsleitung unterbrochen und das Zittern verringert. Das Verfahren gilt als sehr schonend und eignet sich besonders für ältere Menschen, für die eine Hirnoperation nicht mehr in Frage kommt.

Weitere Informationen
Das Modell eines Gehirns vor grauem Hintergrund. © fotolia.com Foto: fergregory

Parkinson früh erkennen und behandeln

Erste Symptome zeigen sich oft schon Jahre vor dem Ausbruch. Eine frühzeitige Therapie kann den Verlauf verzögern. mehr

Experten zum Thema

Experten zum Thema
Prof. Dr. Jan Raethjen, Neurologe
Preußerstraße 1-9
24105 Kiel
(0431) 26 04 50-10
www.neurologie-raethjen-wasner.de
Dr. Jos Steffen Becktepe, Oberarzt
Tagesklinik für Bewegungsstörungen, Tremorambulanz
Klinik für Neurologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein – Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3
24105 Kiel
www.uksh.de

Weitere Informationen
Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V.
Reinhardtstraße 27 C
10117 Berlin
dgn.org/leitlinien
Leitlinie "Tremor" zur Diagnostik und Therapie der verschiedenen Tremor-Formen

Dieses Thema im Programm:

Visite | 01.12.2020 | 20:15 Uhr

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