Stand: 14.09.2020 10:08 Uhr

Abwehr und Immunität: Wie funktioniert das?

Frau tastet sich die Lymphknoten ab. © fotolia Foto: SENTELLO
Vergrößerte Lymphknoten sind oft ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem zu kämpfen hat.

Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten, Gifte, Staub und Fremdkörper: All das birgt potenziell Gefahren für unseren Organismus. Doch wir sind nicht schutzlos ausgeliefert. Das Immunsystem verteidigt den Körper gegen Eindringlinge. Es arbeitet die meiste Zeit über effizient und völlig unbemerkt. Wenn dieser Abwehrkampf aber einmal heftiger tobt oder - wie etwa bei Autoimmunerkrankungen - sich irrtümlich gegen körpereigenes Gewebe richtet, dann spüren wir etwas. Wir fühlen uns krank.

Unsere Abwehr wird nicht zentral von einem Organ erledigt oder gesteuert. Das Immunsystem funktioniert in einem mehrschichtigen, komplexen Zusammenspiel.

Mechanische und chemische Barrieren des Immunsystems

Das sogenannte unspezifische Immunsystem, das jeder von Geburt an mitbringt, bildet die erste Verteidigungslinie: Intakte Haut und Schleimhäute stellen eine natürliche Rüstung des Körpers gegen Viren, Bakterien, Pilze und andere Eindringlinge dar. Flimmerhärchen halten die Atemwege sauber. Zur angeborenen Immun-Rüstung gehören auch "chemische Waffen" wie beispielsweise der Fettfilm auf der Haut, antibakterielle Enzyme in der Tränenflüssigkeit, die unsere Augen benetzt, und die ätzende Magensäure.

Überall in Bereitschaft: Die innere Verteidigung

Schaffen Krankheitserreger es dennoch, diese erste Barriere zu überwinden, tritt die innere Verteidigung auf den Plan. Die kann man sich wie eine körpereigene Armee aus verschiedenen Zelltypen und Hormonen vorstellen - Wächter, Boten und Spezialkommandos. Mandeln, Thymusdrüse, Lymphknoten, Darm, Milz und Knochenmark sind die Basislager dieser Kampftruppen.

Fresszellen als erste Garde

Das Knochenmark ist die Kinderstube der Körperzellen. Hier entwickeln sich auch die Zellen für die Abwehr: die weißen Blutzellen.

Den ersten Stoßtrupp bilden die sogenannten Fresszellen (Phagozyten). Sie zählen mit zum unspezifischen Immunsystem und machen Eindringlinge unschädlich, indem sie sie einfach verschlingen (Phagozytose). Es gibt verschiedene Arten von Fresszellen - darunter kleinere, beweglichere (Granulozyten) und größere (Makrophagen).

Lymphozyten: Schnelle Helfer und Spezialtruppen

Schematische Darstellung der Thymusdrüse © panthermedia Foto: Cliparea
Der Thymus ist ein lymphatisches Organ. Er prägt die spezifische Immunabwehr (T-Zellen) aus.

Fresszellen können Botenstoffe ausscheiden, mit denen sie Verstärkung anlocken: Lymphozyten - die lernfähigen Sonderkommandos der weißen Blutzellen. Auf ihnen basiert das spezifische Immunsystem. In Thymus (bei Kindern) und Milz werden die Lymphozyten ausgebildet. Zur Lymphozyten-Familie gehören eine Reihe unterschiedlicher Zellarten, die man insbesondere in den Lymphgeweben findet - im Darm, Lymphknoten, Mandeln. Allein drei Viertel aller Zellen, die Antikörper bilden, befinden sich in der Darmschleimhaut.

B-Zellen: Produktionsfabriken für die Antikörper

Eine Lymphozyten-Sorte, die B-Zellen, können sich im Verteidigungsfall in Plasmazellen verwandeln, die blitzschnell massenhaft Antikörper (Immunglobuline) produzieren. Antikörper sind Eiweiße, die ganz genau auf bestimmte Fremdstoffe/-körper passen und sich gezielt an diese binden, um sie unschädlich zu machen. Langlebige Plasmazellen und B-Memoryzellen garantieren das "Immungedächtnis", sorgen also für Immunität gegen einen bestimmten Erreger.

T-Zellen: Spezialisten mit verschiedenen Aufgaben

T-Lymphozyten sind sehr vielseitig. Haben sie einen Gegner identifiziert, vermehren sie sich rasant und differenzieren sich in verschiedene Untertypen: T-Killerzellen (zytotoxische T-Zellen) vernichten insbesondere viral infizierte Zellen und Tumorzellen. T-Helferzellen koordinieren die Verteidigung: Sie können über Botenstoffe T-Killerzellen und B-Zellen (Plasmazellen) auf Trab bringen. Die T-Gedächtniszellen verbleiben als Teil des "Immungedächtnisses" im Blut, um bei einer erneuten Infektion eine schnelle Immunantwort wiederherstellen zu können.

Nicht überreagieren: Immunregulierung und Immuntoleranz

Regulatorische T-Zellen kontrollieren ständig die Intensität der Immunantwort, denn einerseits gilt es, Krebszellen und Krankheitserreger in Schach zu halten - anderseits soll das Immunsystem aber nicht auf harmlose Fremdstoffe überreagieren oder gar körpereigenes Gewebe attackieren. Fehlgesteuerte Immunzellen sind eine Ursache für bestimmte allergische Reaktionen und für Autoimmunerkrankungen.

Autoimmunreaktion: Abwehr bekämpft körpereigenes Gewebe

Schematische Darstellung: grüne Körperchen um die Schilddrüse herum. © NDR
Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung: Körpereigene Abwehrzellen attackieren irrtümlich das Gewebe der Schilddrüse ...

Bei Autoimmunerkrankungen gerät das feine Zusammenspiel aus dem Ruder. Dafür müssen nach dem sogenannten Risikofaktormodell ("Pech und Zufall") genetische Faktoren mit belastenden Umweltbedingungen (etwa starker Stress, Infektion, Hormonschwankungen) zusammenkommen. Zwei falsch geprägte Zellen, die zufällig denselben irrtümlichen "Feind" haben, können dann dem Regulativ (Immuntoleranz) entgehen: Wenn eine B-Zelle beispielsweise Schilddrüsengewebe irrtümlich als "fremd" deutet und von einer fehlgeprägten T-Zelle aktiviert wird, dann beginnt die Autoimmunreaktion: Antikörper-Produktion, Entzündung der Schilddrüse - eine Hashimoto-Thyreoiditis.

Immunsystem unterstützen
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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 14.09.2020 | 21:00 Uhr

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