Stand: 02.05.2020 12:57 Uhr

Was hilft bei chronischen Knieschmerzen?

Schematische Darstellung: Anatomie von Oberschenkel und Knie. © NDR
Starke, trainierte Muskulatur hält das Kniegelenk in der richtigen Position.

Muskeln stabilisieren das Knie. Stimmt zwischen ihnen die Balance nicht, beschleunigt das den Knorpelverschleiß und fördert Arthrose. Kräftigungsübungen lindern die Schmerzen.

Naturgemäß versucht man, ein schmerzendes Gelenk zu schonen. Das empfiehlt sich aber lediglich im akuten Entzündungsstadium, wenn es gerötet und geschwollen ist. Betroffene sollten mit leichter Belastung beginnen und sich vorsichtig an die richtige Intensität herantasten. Totale Schonung ist Gift: Auf die Dauer macht fehlende Bewegung kranke Gelenke noch steifer und schmerzhafter, denn der umgebende Bandapparat verkürzt sich und wird unflexibel. Bewegung dagegen stärkt die stützende Muskulatur und fördert die Durchblutung. Außerdem wird nur bei Belastung die wichtige Gelenkflüssigkeit durch den Knorpel gepumpt, die die Knorpelschicht geschmeidig hält und so das Gelenk "schmiert".

Warum Bewegungstherapie die Knieschmerzen lindert

Die Knie-Bewegung wird durch vier Muskeln am Oberschenkel gesteuert. Sind die das Gelenk umgebenden Muskeln kräftig und ausbalanciert, dann kann die Bewegung optimal funktionieren. Sind die Muskeln zu schwach oder nicht in Balance, dann droht ein früher Knorpel-Verschleiß durch die erhöhte oder falsche Belastung.

Therapiestufe eins: Knie-Stabilisierung durch Wackelübungen

Mit geeignetem Training lässt sich das Knie stabilisieren. Gleichgewichtsübungen auf dem Wackelbrett verbessern die Steuerung des Kniegelenks, die sogenannte Propriozeption (Eigenempfindung). Das Knie lernt dabei wahrzunehmen, wo es sich im Raum befindet und welche Muskeln angespannt werden müssen.

Knie-freundliche Bewegung im Alltag

Es hilft, tägliche Rituale mit den Stabilisierungsübungen zu verknüpfen - zum Beispiel morgens beim Nachrichtenhören oder abends beim Fernsehschauen das Wackelbrett hervorholen. Auch beim Zähneputzen kann man wunderbar auf einem Bein balancieren.

Abzuraten ist von Sportarten, wo das Knie typischerweise starken Scherkräften ausgesetzt ist - etwa Tennis, Squash, Fußball und ähnliche schnelle Spiele -, aber auch Windsurfen. Der (Wieder-)Einstieg in solche Sportarten ist erst möglich, wenn das Knie stabilisiert und die umgebende Muskulatur gekräftigt ist.

Gleichgewichtsübungen auf dem Wasser

Immer mehr Wassersportvereine (zum Beispiel Surf- oder Kanuklubs) bieten Stand-up-Paddling (SUP) an. Auch in manchen Hallenbädern kann man Ausrüstung leihen und/oder Kurse machen. Stehpaddeln ist ein Trendsport: Man steht aufrecht auf einer Art Surfbrett und paddelt mit einem Stechpaddel, ähnlich wie beim Kanufahren. Das Knie wird dabei wie auf einem Wackelbrett trainiert, denn durch die Wellen muss das Gelenk ständig die Position ausgleichen. Das kräftigt die Muskeln, die das Knie stabilisieren, und korrigiert auch die Dysbalancen.

Therapiestufe zwei: Krafttraining für die Beinmuskulatur

Wenn das Knie genügend stabilisiert ist, schließt sich gezieltes Krafttraining an. Es dient dem Aufbau der umgebenden Muskulatur festigt so das Knie zusätzlich.

Multimodale Schmerztherapie bei chronischen Knieschmerzen

Mit einem fachübergreifenden Behandlungsprogramm lassen sich chronische Knieschmerzen in vielen Fällen in den Griff bekommen. Dabei trainieren Ärzte, Physiotherapeuten und Psychotherapeuten mit den Betroffenen Alltagsaktivitäten und tasten sich an die individuellen körperlichen und psychischen Belastungsgrenzen heran.

In der vierwöchigen Intensivtherapie erfahren die Teilnehmer viel über typische Merkmale chronischer Schmerzen, wo diese herkommen und wie sie damit umgehen können. Am Ende kennen die Betroffenen die Unterschiede zwischen akuten und chronischen Schmerzen, können die Schäden auf dem Röntgenbild besser einschätzen und wissen, wie Schmerzmittel funktionieren und richtig eingesetzt werden. Die Erfolgsrate ist sehr hoch: 70 bis 80 Prozent der Teilnehmer berichten über anhaltende Linderung ihrer Beschwerden.

Ganzheitliche Therapie behandelt auch die Psyche

In psychotherapeutischen Einzelgesprächen lernen die Betroffenen, ihrem Körper wieder zu vertrauen und die Schmerzen zu ignorieren. Denn in der ganzheitlichen Therapie geht es nicht nur um das Knie. Auch die Seele leidet unter den Schmerzen: Ängste, depressive Verstimmungen, Rückzug und Einsamkeit können Spuren sein, die der Schmerz in der Psyche hinterlassen hat.

Oft hat der Schmerz eine Schutzfunktion: So lässt sich zum Beispiel ein Konflikt am Arbeitsplatz mit einer Krankschreibung vermeiden, oder bei Beziehungsproblemen bekommt der Partner möglicherweise Mitleid und wendet sich dem Betroffenen wieder zu. Hier kann eine Verbesserung der Problemlösungsfähigkeit viel bewirken.

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