Wie Wickel bei Gelenkschmerzen helfen

Stand: 07.09.2023 16:39 Uhr

Schmerzen durch Arthrose, Gicht oder Rheuma lassen sich oft mit Hausmitteln lindern. Bewährt sind kühlende Quarkwickel und Kohlwickel, wärmende Auflagen mit Bockshornklee und selbst gemachte Schmerzsalbe.

Viele kennen noch aus der Kindheit den Wadenwickel bei Fieber oder das Zwiebelsäckchen bei Ohrenschmerzen. Ähnlich helfen Omas Hausmittel bei Schmerzen am Knie, Knöchel oder anderen Gelenken. Auflagen und Wickel gegen Entzündungen oder Schwellungen haben in der Naturheilkunde einen festen Platz, sie sind Teil der Hydro-Thermotherapie nach Sebastian Kneipp. Mit Kälte und Wärme oder bestimmten Inhaltsstoffen wie ätherischen Ölen wird ein Reiz auf das zentrale Nervensystem gesetzt. Dadurch wirken Wickel für die Gelenke abschwellend und schmerzlindernd. 

Anleitung: Wickel selbst herstellen 

Die Materialien für Wickel hat man meist im Haus. Nach der Anwendung kann man sie einfach durchwaschen, sie können also gut wiederverwendet werden. Grundsätzlich sind Wickel in drei Schichten aufgebaut:  

  • Innentuch/Kompresse: Die innerste Schicht enthält das Wirkmittel. Der Trägerstoff sollte aus saugfähigem, durchlässigem Material wie Baumwolle oder dünnem Leinen sein. Geeignet sind zum Beispiel Mull- oder Stofftaschentücher. Man kann auch ein altes Baumwoll-T-Shirt zerschneiden. 
  • Zwischentuch: Seine Aufgabe ist, die Feuchtigkeit im Wickel zu halten, sodass sie nicht nach außen dringt. Sehr gut eignet sich dicke Baumwolle wie Molton. Gerade bei Gelenken kann diese Schicht auch aus elastischem Verbandmaterial sein. 
  • Außentuch/Deckschicht: Die äußerste Schicht dient der Wärmespeicherung des Wickels und der endgültigen Fixierung. Geeignete Materialien sind Wolle, Flanell oder Frottee. Für Gelenkwickel lassen sich wunderbar Teile von alter Kleidung verwenden: einzelne Socken oder abgeschnittene Ärmel/Beine alter Pullover oder Jogginghosen. 

Quarkwickel gegen Entzündungen und Schmerzen  

Ein Quarkwickel wirkt gegen viele Beschwerden. Er lindert Schmerzen bei verstauchten Gelenken, geschwollenem Knie, bei blauen Flecken oder einem Gichtanfall. Auch gegen Sehnenscheidenentzündungen oder Insektenstiche ist dieser Wickel hilfreich. Dafür sorgen die Inhaltsstoffe Kasein und Milchsäure im Quark: Sie hemmen Entzündungen und mindern Schmerzen. 

Anleitung: Quarkwickel herstellen 

  • Zum Herstellen eines Quarkwickels breitet man eine Kompresse oder ein anderes saugfähiges Tuch aus und gibt mittig etwas Quark darauf. Der Fettgehalt des Quarks spielt keine Rolle.
  • Ist der Quark sehr feucht und schwer, sollte man ihn im Tuch etwas ausdrücken oder in einem Sieb abtropfen lassen.
  • Dann die weiße Masse rundum in das Innentuch einschlagen und auf die betroffene Stelle legen.
  • Die Quarkauflage sollte nicht kühlschrankkalt sein, sondern nahezu Zimmertemperatur haben.
  • Anschließend den Wickel mit einer Zwischenschicht (Verband, Küchenkrepp oder Folie) abdecken, damit die Feuchtigkeit des Quarks nicht „durchmatscht“. Zuletzt den Wickel mit einer dicken Außenschicht fixieren. Je nach betroffenem Körperteil und Größe der Stelle eignet sich dafür beispielsweise eine alte Socke, ein Handschuh oder ein Handtuch.
  • Den Quarkwickel grundsätzlich so lange wirken lassen, bis er nicht mehr kühlt. Quarkwickel können mehrmals hintereinander angewendet werden. 

Kohlwickel kann Arthrose-Schmerzen lindern 

Kohl enthält Flavonoide und Senfölglykoside. Sie wirken entzündungshemmend und fördern die Durchblutung. Bei Beschwerden durch Arthrose oder Entzündungsschmerzen können Kohlwickel Linderung bringen. Bewährt hat sich der Kohlsaft zum Beispiel bei Schmerzen am Ellenbogen oder Knie.   

Anleitung: Kohlwickel herstellen 

  • Man verwendet Wirsing oder Weißkohl, am besten Bio-Qualität und möglichst frisch. Zunächst die Blätter vorsichtig abbrechen, den harten Strunk in der Mitte herausschneiden und die Blätter auf einem Tuch (Zwischentuch für den Wickel) mit einer Glasflasche oder einem Nudelholz walzen, bis die Blattrippen aufbrechen und der Kohlsaft austritt.
  • Ein Nudelholz sollte man mit Frischhaltefolie umwickeln, damit das Holz den austretenden Saft nicht aufsaugt.
  • Die gewalzten Blätter locker auf das schmerzende Gelenk legen, direkt auf die Haut. Den Kohl mit einem Zwischentuch bedecken und das Ganze mit einem Außentuch - am besten einer elastischen Binde - fixieren.
  • Der Kohlsaft sollte mindestens eine Stunde einziehen, noch besser über Nacht. Bei starken Schmerzen kann man den Kohlwickel zwei Wochen lang zwei- bis dreimal am Tag oder jede Nacht anwenden. 

Wickel mit Bockshornklee helfen durch Wärme

Das Gewürz Bockshornklee kann Schmerzen lindern, wenn das betroffene Gelenk Wärme braucht. Dafür sorgen die Inhaltsstoffe Linol- und Linolensäure. Auch durch Rheuma versteifte Gelenke lassen sich mit Bockshornklee wieder in Gang bringen. Wer an Asthma leidet, sollte jedoch vorsichtig sein, denn die Dämpfe können die Atemwege reizen. 

Um einen Bockshornkleewickel herzustellen, vermischt man Bockshornkleepulver (gibt es im Reformhaus oder in der Apotheke) mit heißem Wasser zu einer zähen Paste. Diese auf eine Kompresse streichen und mit einer zweiten Kompresse abdecken. Beide Kompressen auf das Gelenk legen und mit einer Binde fixieren. Bockshornkleewickel nicht länger als zwei Stunden anwenden. 

Schmerzsalbe aus Senfmehl selbst machen

Eine schmerzstillende Salbe kann man aus Senfmehl selbst herstellen. Senfmehl enthält Öle, die Schmerzen lindern und die Durchblutung anregen. Mit einer Kaffee- oder Gewürzmühle kann man Senfmehl aus Senfkörnern selbst mahlen, man kann es auch fertig kaufen (im Gewürzregal). Zur Herstellung der Salbe eine Trägersalbe aus der Apotheke in einer kleinen Dose mit einer Messerspitze Senfmehl vermischen. 

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