Stand: 12.11.2018 13:23 Uhr

Herzschwäche: Wie Bewegung hilft

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Bei einer Herzschwäche ist Ausdauersport ideal.

Heute wissen Mediziner: Schonung bei Herzschwäche war ein Irrweg. Im Gegenteil: Bewegung tut gut und ist gerade für Herzkranke wichtig. Durch Sport kann die Leistung des Herzens dauerhaft gesteigert werden - ein Effekt, der sich mit Medikamenten alleine nicht erreichen lässt.

Unabdingbar vor dem Beginn eines Trainingsprogramms sind

  • eine Leistungsdiagnostik (Ergometrie) zur Ermittlung der maximalen Herzfrequenz
  • eine Herzultraschall-Untersuchung
Die ersten Trainingseinheiten sollten am besten unter ärztlicher Aufsicht absolviert werden, zum Beispiel in einem Herzzentrum oder einer Rehaklinik, die Sport für Betroffene anbietet, oder auch in einer Herzsportgruppe.

Ein Mann trainiert auf einem Fitnessband. Eine Animation zeigt die Leistungsfähigkeit seines Herzens.

Wie Bewegung bei Herzschwäche hilft

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Bei einer Herzschwäche ist Bewegung wichtig. Denn Medikamente allein können die Leistungsfähigkeit des Herzens nicht steigern. Worauf müssen Herzkranke beim Training achten?

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Wie Bewegung das Herz kräftigt

Regelmäßige Ausdauereinheiten - möglichst 30 Minuten an fünf Tagen pro Woche - erweitern die Gefäße und machen sie wieder elastisch. Der Herzmuskel wird dadurch besser durchblutet und kräftiger. Angemessenes Training versetzt das Herz in die Lage, wieder mehr Blut pro Herzschlag zu pumpen. Pulsfrequenz und Blutdruck sinken - in Ruhe ebenso wie unter Belastung. Denn ein trainiertes Herz arbeitet ökonomischer. Die Organe werden stärker durchblutet: Dadurch funktionieren Nieren, Leber und Lunge besser.

  • Betroffene mit einer Herzschwäche der NYHA-Stadien I bis III können die Leistungsfähigkeit ihres Herzens je nach Trainingsumfang um bis zu 25 Prozent steigern.
  • Betroffene, die bereits in Ruhe unter Atemnot leiden oder Wassereinlagerungen in den Beinen haben (Stadium IV), müssen vor einem Training zunächst mit Medikamenten stabilisiert werden.

NYHA-Stadien

Für die Schwere einer Herzschwäche gilt auch in Deutschland die Einteilung der Herzvereinigung New York (New York Heart Association - NYHA) als Gradmesser.

  • Stadium I: Alltägliche körperliche Belastungen verursachen keine unangemessene Erschöpfung, Atemnot oder Rhythmusstörungen.
  • Stadium II: Alltägliche körperliche Belastungen wie etwa Treppensteigen führen zu merklicher Erschöpfung, Atemnot oder zu Herzrhythmusstörungen.
  • Stadium III: Schon geringe körperliche Belastungen verursachen Erschöpfung, Rhythmusstörungen oder Atemnot. Keine Beschwerden in Ruhe.
  • Stadium IV: Bei allen körperlichen Aktivitäten und auch in Ruhe treten Beschwerden auf.

Wichtig: Treten während des Trainings Symptome wie Schwindel, starke Atemnot oder Herzrhythmusstörungen auf, muss das Training abgebrochen und ein Arzt aufgesucht werden.

Physiotherapeutin Svea Köhlmoos zeigt passende Übungen
00:25

Das optimale Training

Die Faustformel bei Herzschwäche lautet: Ausdauer bei geringer Intensität. Gut geeignet sind Ausdauersportarten wie Wandern, Nordic Walking, Radfahren oder Ski-Langlauf. Hohe muskuläre Belastungen wie zum Beispiel Liegestütze oder Gewichtheben sollten vermieden werden. Bei solchen Belastungen kommt es oft zu einer Pressatmung, die zu einem Druckanstieg im Brustkorb führt und so die Pumpleistung des Herzens verschlechtern kann. Ähnliches gilt für Wettkampfsport unter Zeitdruck, aber auch fürs Kegeln oder Kampfsport.

Ideal ist zum Beispiel Intervalltraining auf einem Fahrrad-Ergometer: eine Minute treten, eine Minute ruhen, eine Minute treten.

Auch Krafttraining ist wichtig, denn inzwischen wird vermutet: Bei Herzschwachen werden Entzündungsprozesse ausgelöst, durch die sich Muskeln abbauen. Als Gegenmaßnahme ist moderates Muskeltraining mit gezielten Kraftübungen empfehlenswert. Das hilft nicht nur Armen und Beinen, auch das Herz profitiert. Denn eine gut trainierte Körpermuskulatur nimmt dem Herzen einiges an Arbeit ab und ist besser für Stresssituationen des Alltags gerüstet.

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Ergänzende Maßnahmen

Eine für den Blutdruck günstige Ernährung unterstützt auch die Herzgesundheit. Auf rotes Fleisch, Käse und Eier sollten Herzkranke möglichst verzichten, denn sie enthalten viel Phosphatidyl-Cholin - was ungünstig für das Herz ist. Dafür sollten Menschen mit einem schwachen Herzen vermehrt Gemüse, Obst und Nüsse essen, vor allem bei einer diastolischen Herzinsuffizienz. Weniger eindeutig ist die Studienlage beim Salzkonsum: Die Empfehlungen bewegen sich im Bereich von 3,75 bis 7,5 Gramm Salz pro Tag.

Hilfreich sind auch Maßnahmen gegen Stress und Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation, autogenes Training und Tai Chi. Auch regelmäßige Spaziergänge vermindern die Wirkung der Stresshormone. Denn Bewegung hat Einfluss auf das Nervensystem: Sie baut Stress ab und wirkt damit wie ein Betablocker.

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Experten zum Thema

Dr. Melanie Hümmelgen, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie
Leitende Ärztin der Kardiologischen Abteilung und stellv. Ärztliche Direktorin
RehaCentrum Hamburg
Martinistraße 66, 20246 Hamburg
(0 40) 25 30 63-505
www.rehahamburg.de

Prof. Dr. Herbert Nägele, Leitender Arzt
Department für Herzinsuffizienz und Devicetherapie
Albertinen-Krankenhaus
Süntelstraße 11a, 22457 Hamburg
(040) 55 88-28 47
www.albertinen-herzzentrum.de

Weitere Informationen
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie
dgk.org

Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen
www.dgpr.de

Deutsche Herzstiftung e. V.
Bockenheimer Landstraße 94-96, 60323 Frankfurt am Main
(069) 955 12 80
www.herzstiftung.de

Herzgruppen in Hamburg
www.herzinform.de

Herzgruppen in Niedersachsen
www.lag-niedersachsen.de

Herz- und Rehasportgruppen in Schleswig-Holstein
www.herzintakt.net

Dieses Thema im Programm:

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