FAns eines Rockfestivals schauen in den Sonnenuntergang, andere gehen neben einem Parkplatz auf die Dixi-Klos © imago images / fotokombinat

Trotz Corona: Beratung für Festivals geht weiter

Stand: 16.12.2020 14:20 Uhr

Rund 1.200 Festivals gibt es in Deutschland. Eine enorme Logistik steckt dahinter. David Trümner und Robert Stolt haben dafür die erste umfassende Beratungsstelle gegründet.

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von Susanne Birkner

Es gibt die großen Festivals, für die man fast eine Woche Urlaub einplanen muss - und viele kleine Ein-Tages-Festivals. Bühnenbau, Security, Essen, Sanitäranlagen, Sanitäter: All das sind Dienstleistungen, die sich die Festivals immer erst mühsam zusammensuchen mussten. Deswegen haben David Trümner und Robert Stolt in Berlin die erste - und bisher einzige - umfassende Festivalberatung Deutschlands gegründet.

Festivalfans mögen keine stinkenden Toiletten

Was macht eine Festivalberatung? Robert Stolt kommt mit einem einprägsamen Beispiel: "Laut Statistikern ist das Schlimmste für Festivalbesucher die stinkende Toilette. Also macht sich das dreimal bezahlt, wenn man sich eine Komposttoilette holt", erklärt Stolt. Wenn ein Festival in Brandenburg sie frage, sie würden es gerne mit Komposttoiletten versuchten und nach einem Anbieter fragen - dann würden sie raten: "Schaut mal, bei Komposttoiletten sieht der Markt folgendermaßen aus: Da gibt es folgende fünf Anbieter, der ist dort stationiert, der dort und der dort."

Die Festivals zahlen für die Beratung nichts. Es sind die Dienstleister, die die Festivalberatung Fuchs und Hirsch finanzieren. Es sei viel Qualitätsmanagement, denn ein falscher Dienstleister vermittelt werde, falle es mehrfach auf die Beratungsfirma zurück. 2013 haben David Trümner und der gelernte Veranstaltungskaufmann Robert Stolt angefangen. Mit Excel-Listen, in denen sie eine Art "gelbe Seiten" für Festivals zusammengestellt haben.

Hauptberufliche Beratung seit 2018

Immer mehr Festivals fragten sie dann nach geeigneten Geländen, Festivalköchen oder speziell geschulten Sanitätern - seit zwei Jahren machen sie die Festivalberatung jetzt hauptberuflich. Diesen Sommer ist aber natürlich fast alles ausgefallen. 2019 habe sich alles um Marketing gedreht, es wurde beispielsweise geschaut: Welche neuen Tools gibt es? Und: Soll man auf diese umsteigen? Ein Jahr später war Nachhaltigkeit das große Thema - und jetzt sind es Sicherheitskonzepte und Hygienevorschriften.

Im November hat die Festivalberatungsagentur ein "Klassentreffen" der Branche veranstaltet, die Konferenz "Future of Festivals", Corona-bedingt diesmal digital - und ohne Gejammer: "Das ist gar nicht unsere Art. Wir sind von der Mentalität so: Muss weitergehen. Ich kenne auch noch keine Insolvenz bei Festivals, sie suchen alle irgendwelche Lösungen. Aber nächstes Jahr muss es einen Festivalsommer geben, in welcher Form auch immer", sagt Robert Stolt.

2021: Festivalsommer mit Schnelltests?

Die Festivals dächten da in zwei Richtungen, so Stolt. "Es gibt welche, die fragen uns nach größeren Festivalgeländen. Sie wollen sicher gehen, dass sie ihre 3.000 Leute trotzdem gut verteilen können. Aber die meisten informieren sich über Schnelltests, bilden auch Gruppen und fragen mal beim Pharma-Konzern nach."

Immerhin plant der Bund jetzt einen Schutzschirm für Veranstaltungen. Sollten Konzerte oder Festivals in der zweiten Hälfte 2021 wegen Corona  ausfallen müssen, sollen die Veranstalter dafür Ersatz vom Bund bekommen.

Denn wer weiß, wie es weitergeht - trotz Schnelltests und Impfungen. Und die meisten Festivals sind zwar draußen, aber eben auch Massenveranstaltungen. Drei oder vier Tage Ausnahmezustand mit bis zu 80.000 Leuten: Konzerte, tanzen, zelten, gelegentlich auch mal was trinken.

Bis heute organisiert Robert Stolt auf Rügen, wo seine Mutter wohnt, das Festival "Tag am Meer". Er sagt: "Ich kann mir nicht vorstellen, nur im Büro zu sitzen und nur über Festivals zu reden. Man muss auch mal auf einem Festival stehen und sich gegenseitig anschreien", natürlich nur wegen der lauten Musik. Robert Stolt guckt nach vorne.

Was ihn freut: Die erzwungene Pause in diesem Jahr haben viele Festivals genutzt, um darüber nachzudenken, was verbessert werden kann: Ganz oben auf der Agenda: Nachhaltigkeit und Müllvermeidung, etwa durch essbares Einweggeschirr.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 15.12.2020 | 15:55 Uhr