Stand: 19.02.2019 17:28 Uhr

"Seiner Zeit voraus": Trauer um Karl Lagerfeld

Die Modewelt trauert um einen ihrer größten Designer: Der gebürtige Hamburger Karl Lagerfeld ist am Dienstag im Alter von 85 Jahren gestorben. Das bestätigte das französische Modehaus Chanel, bei dem Lagerfeld bis zuletzt als Kreativdirektor arbeitete. "Dank seines kreativen Genies, seiner Großzügigkeit und außergewöhnlichen Intuition war Karl Lagerfeld seiner Zeit voraus, was viel zum Erfolg von Chanel auf der ganzen Welt beigetragen hat", sagte Chanel-Eigentümer Alain Wertheimer.

Tschentscher: "Wir verlieren einen außergewöhnlichen Hanseaten"

"Karl Lagerfeld hat sein Leben als Weltbürger geführt, aber stets die Verbindung zur Stadt seiner Kindheit aufrechterhalten", sagte Peter Tschentscher (SPD), Hamburgs Erster Bürgermeister. "Mit Karl Lagerfeld verlieren wir einen außergewöhnlichen Hanseaten und Botschafter Hamburgs." Kultursenator Carsten Brosda (SPD) ergänzte: "Wenn Hamburg das Tor zur Welt ist, so hat Karl Lagerfeld dieses Tor wie kaum ein anderer zu nutzen gewusst. Mit seinen Entwürfen für die großen Modehäuser, insbesondere für Chanel, war er jahrzehntelang Taktgeber der internationalen Modewelt." Sein unverkennbarer Stil sei dabei zu einer ganz eigenen Marke geworden. Mit seinem Tod gehe eine Ära zu Ende.

Prominente Stimmen zu Lagerfelds Tod:

  • Das frühere Supermodel Claudia Schiffer äußerte sich mit sehr persönlichen Worten zum Tod ihres Förderers: "Er hat mich von einem schüchternen deutschen Mädchen in ein Supermodel verwandelt. Er ist der einzige Mensch, der Schwarz und Weiß bunt machen konnte! Ich werde ihm für immer dankbar sein."

  • Frankreichs früherer Präsident Nicolas Sarkozy schrieb auf Twitter: "Er hat die Vortrefflichkeit und die Eleganz à la françaisee verkörpert. Merci Karl Lagerfeld."

  • Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Lagerfelds Wahlheimat Paris, twitterte: "Er war mehr als eine Verkörperung von Paris, er war Paris."

  • "Mit ihm stirbt einmal mehr ein Stück Haute Couture. In einer Zeit, in der es immer weniger markante exzentrische Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten gibt, wird er fehlen", sagte der deutsche Modedesigner Harald Glööckler.

  • Sein Kollege Michael Michalsky ergänzte: "Die Welt wird schwarz. Mein Freund ist weg! Karl war der Grund, warum ich Modedesigner wurde. Seine Kraft und sein Witz, seine Ironie und seine Kreativität haben mich alle Jahre begleitet. Karl, I love you! Ich bedanke und verneige mich!"

  • Bruno Pavlovsky, Mode-Präsident von Chanel: "Der größte Tribut, den wir heute zollen können, ist, den von ihm eingeschlagenen Pfad weiterzuverfolgen, um - um Karl zu zitieren - die Gegenwart weiter zu umarmen und die Zukunft zu erfinden."

  • FDP-Chef Christian Lindner twitterte: "Karl Lagerfeld war ein großer Schöpfergeist, ein Botschafter des kreativen Deutschlands und wunderbar exzentrisch. Im Himmel werden nun alle neu eingekleidet."

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Legendäres Outfit und markige Sprüche

Karl Lagerfeld © picture alliance/Christophe Ena/AP/dpa Foto: Christophe Ena/AP/dpa

Karl Lagerfeld ist tot

NDR Info - Mittagsecho -

Der Modeschöpfer Karl Lagerfeld ist im Alter von 85 Jahren in Paris gestorben. Ein Nachruf auf den gebürtigen Hamburger, der mit seiner Arbeit die Modewelt nachhaltig prägte.

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So legendär wie sein Outfit - schwarze Sonnenbrille, weißer Mozartzopf, steifer Vatermörderkragen - waren auch seine Aussprüche. Über seine Haut sagte er einmal: "Ich gehe nicht mehr in die Sonne. Schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Ich will nicht aussehen wie eine alte Schildkröte." Lagerfeld hatte bis ins hohe Alter ein üppiges Arbeitspensum. Aber alles nicht so schlimm, fand der Workaholic: "Ich kenne Strass, aber keinen Stress." Von seiner Ausbildung sagte der Besitzer von rund 300.000 Büchern: "Ich habe ja im Grunde nie etwas gelernt. Ich habe nicht einmal Abitur gemacht und nix." Vernichtend war das Urteil des Modezaren über Freizeitkleidung: "Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren." Gerade dieses Zitat wurde vielfach verwendet - so auch am Todestag Lagerfelds.

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Um sein tatsächliches Alter hatte der in Hamburg geborene Star-Designer, der Anfang der 1980er-Jahre die kreative Leitung von Chanel übernahm, ein Geheimnis gemacht. Er selbst behauptete zuletzt, im Jahr 1935 geboren zu sein. Damit alterte er quasi über Nacht um drei Jahre, hatte er doch zuvor standhaft verkündet, Jahrgang 1938 zu sein. Die Erklärung für die "buchhalterischen Unstimmigkeiten" in seiner Biografie war natürlich so genial einfach wie Lagerfelds Entwürfe: Mutti sei schuld gewesen. Sie habe einfach auf offiziellen Dokumenten ein wenig Zahlenkorrektur betrieben, so Lagerfeld. Zu seinen runden Geburtstagen war in der Presse jedoch auch zu lesen, dass der Modekönig bereits im Jahr 1933 das Licht der Welt erblickt haben soll - diese Berichte stützten sich auf einen Taufregisterauszug. Einigkeit herrschte einzig über den Tag seiner Geburt: Es war der 10. September.

Zuletzt Sorge um Lagerfelds Gesundheitszustand

Spekulationen um den Gesundheitszustand Lagerfelds hatte es seit Ende Januar gegeben. Damals fehlte er genau da, wo er jedes Mal frenetisch gefeiert wurde: auf dem Laufsteg zum Finale einer Chanel-Show - erstmals überhaupt in seiner Zeit als Chanel-Kreativdirektor. Die offizielle Begründung: Lagerfeld habe sich müde gefühlt. In Paris, wo er nach dem Tod von Modeschöpfer Yves Saint-Laurent der letzte verbliebene legendäre Modeschöpfer war, war die Sorge groß.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 19.02.2019 | 13:00 Uhr

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