Stand: 20.10.2018 07:20 Uhr

Schauspielhaus eröffnet Saison mit "König Lear"

von Katja Weise

Fünf Monate lang war das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg geschlossen, die Ränge mussten dringend saniert werden. Am Freitagabend hat nun die neue Spielzeit begonnen. Kaum eine Premiere in Norddeutschland dürfte in diesem Herbst mit mehr Spannung erwartet worden sein: Intendantin Karin Beier inszenierte Shakespeares "König Lear" mit Edgar Selge in der Titelrolle.

Szene aus König Lear am Schauspielhaus

Schauspielhaus startet Spielzeit mit "König Lear"

Hamburg Journal -

Mit "König Lear", einem der düstersten Shakespeare-Stücke, geht das Schauspielhaus nach der Sanierung in die neue Saison. Die Hauptrolle spielt Edgar Selge.

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Ist die Welt noch zu retten? Diese Frage steht von Anfang an im Raum, der hier eng ist, abgeschottet: Johannes Schütz hat einen seiner berühmten Kästen gebaut, dieses Mal mit nach vorne schräg abfallendem Boden. Wer soll sich darauf noch halten? Lear, ein älterer Herr in grauem Anzug, geht an den Wänden entlang, langsam, immer mit Handkontakt, als wolle er sich ihrer und damit auch seiner Existenz vergewissern. Dann kommt die berühmte Bitte an die drei Töchter, die das Reich nach seiner Abdankung erben sollen: "Sagt, meine Töchter, da wir uns nun entkleiden wollen der Macht des Landbesitzes und der Staatsgeschäfte, wer von euch liebt uns am meisten?" Goneril und Regan, die beiden älteren, überbieten sich mit Liebesschwüren in gesungener Form. Doch die jüngste Tochter, Cordelia, will bei diesem unlauteren Wettkampf nicht mitmachen. Sie wird verstoßen, und Lears Abstieg beginnt.

Große Bilder und groteske Elemente

Karin Beier setzt von Anfang an auf große Bilder und - wie schon so oft - groteske Elemente. Gier und Rücksichtslosigkeit regieren, Goneril und Regan werden von Männern in schrillen Kostümen gespielt, die sehr offensiv mit ihrem Körper umgehen und viel nackte Haut zeigen; Edmund, der uneheliche Sohn des Grafen Gloucester, der seinen Vater ebenfalls hintergeht, ist eine Frau. Die Welt ist verrückt und gefährlich: "Des Jungen Aufstieg ist der Sturz des Alten. Wir Starken sind losgelassene Raubtiere, wir genießen die Freiheit von sozialem Zwang. Des Jungen Aufstieg ist der Sturz des Alten..."

Für seine älteren Töchter ist Lear nur noch ein alter Mann, der die Welt nicht mehr versteht. Sie setzen ihn in einen Rollstuhl und schieben ihn ab. Splitternackt sucht er seinem Schicksal zu trotzen, zuletzt erscheint er wahnsinnig geworden im Krankenhaushemdchen mit Gummibaum. Nur ein treuer Diener und sein Narr bleiben ihm - Lina Beckmann, anrührend, besonders in den ruhigen Momenten.

Stück mit Längen - Schauspieler gefeiert

Jung gegen Alt, rasanter Fortschritt gegen Beständigkeit, Gefühl gegen Macht - wie eine Blaupause lässt sich Shakespeares "Lear" auch auf unsere Zeit legen. Das will Karin Beier ein bisschen zu sehr zeigen. Außerdem verliert sie sich teilweise in Episoden, das gewollt Grelle erschüttert die Intensität. Die Inszenierung hat Längen, was möglicherweise auch an der schwierigen Akustik liegt, etliche Passagen verschlingt der Bühnenkasten regelrecht. Vom Publikum gab es Bravos, aber auch deutliche Buhs für die Regisseurin, für das Ensemble nur Jubel. Edgar Selge gelingt der verwirrte Alte besonders eindringlich, doch er hat starke Partner, allen voran Lina Beckmann und Jan-Peter Kampwirth.   

 

Schauspielhaus eröffnet Saison mit "König Lear"

Mit "König Lear" hat das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg die neue Spielzeit eingeläutet. Edgar Selge überzeugt in der Hauptrolle. Und er hat starke Partner auf der Bühne.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Deutsches Schauspielhaus
Kirchenallee 39
20099   Hamburg
Preis:
15 bis 69 Euro
Kartenverkauf:
Kartentelefon: 040/24 87 13 (Mo-Sa, 10-19 Uhr)
oder kartenservice@schauspielhaus.de
Hinweis:
König Lear von William Shakespeare
deutsch von Rainer Iwersen
Regie: Karin Beier
Bühne und Kostüme: Johannes Schütz
Musik: Jörg Gollasch
Es spielen: Lina Beckmann, Sandra Gerling, Jan-Peter Kampwirth, Matti Krause, Carlo Ljubek, Maximilian Scheidt, Edgar Selge, Ernst Stötzner, Samuel Weiss
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 20.10.2018 | 07:20 Uhr

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