Eine Frau hält den Preis "Der Faust" im Arm. © Natalie Bothur

Nationaler Theaterpreis "Der Faust" geht auch nach Hamburg

Stand: 21.11.2020 20:00 Uhr

Der nationale Theaterpreis "Der Faust" geht in der Kategorie "Regie Schauspiel" an Ewelina Marciniak für "Der Boxer" am Thalia Theater Hamburg. Die Verleihung wurde im Netz gezeigt.

"Meisterhaft setzt die polnische Regisseurin Ewelina Marciniak den Roman über den Boxer Saphiro zwischen zwei Weltkriegen um", schreibt die Jury in ihrer Begründung. "In choreographischen Bildern inszeniert Marciniak fragile Beziehungen zwischen Liebe und Betrug, Gewalt und Verrat."

Gefördert von Kulturstiftung und Bühnenverein

Jedes Jahr werden mit dem nicht dotierten, aber prestigeträchtigen Preis die besten Regisseurinnen, Schauspieler, Choreographinnen und Bühnenbildner geehrt. Veranstaltet und gefördert wird der Preis durch die Kulturstiftung der Länder, die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste und den Deutschen Bühnenverein.

Die weiteren Gewinnerinnen und Gewinner:

  • Kategorie "Darstellerin/Darsteller Schauspiel": Astrid Meyerfeldt als Mary Tyrone in "Eines langen Tages Reise in die Nacht", Schauspiel Köln
  • Kategorie "Regie Musiktheater": Martin G. Berger für "Ariadne auf Naxos", Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar
  • Kategorie "Sängerdarstellerin/Sängerdarsteller Musiktheater": Patrick Zielke als Baron Ochs in "Der Rosenkavalier", Theater Bremen
  • Kategorie "Choreografie": Bryan Arias für "29 May 1913", Hessisches Staatsballett Darmstadt/Wiesbaden. Im Rahmen des Doppeltanzabends "Le sacre du printemps"
  • Kategorie "Darstellerin/Darsteller Tanz": Lucy Wilke / Pawel Duduś für "Scores that shaped our friendship", Tanztendenz München / Schwere Reiter
  • Kategorie "Regie Kinder- und Jugendtheater" Antje Pfundtner für "Ich bin nicht Du", Junges Theater Bremen MOKS

Übertragung online im Netz

Vergeben wird "Der Faust" an wechselnden Orten, in diesem Jahr übernahm Hannover die Regie. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Denn statt einer prunkvollen Gala wurde auf verschiedenen Internet-Plattformen - unter anderem beim Staatstheater Hannover - ein vorab aufgezeichnetes Preisverleihungs-Video veröffentlicht. An dieser Stelle können Sie es sich noch einmal in voller Länge anschauen.

Moritz Koch und Alina Cojocaru gehen leer aus

Wie Gewinnerin Marciniak ebenfalls in der Kategorie "Regie Schauspiel" nominiert war Regisseur Moritz Koch. Mit gerade einmal zwei Schauspielern versetzte er für das Theater für Niedersachsen in Hildesheim Heinrich von Kleists rund 200 Jahre alte Novelle "Michael Kohlhaas" eindringlich in die Gegenwart. Aus norddeutscher Sicht war auch noch Alina Cojocaru als Laura Rose Wingfield im Tanzstück "Die Glasmenagerie" vom Hamburg Ballett John Neumeier in der Kategorie "Darsteller/Darstellerin - Tanz" im Rennen.

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Szene aus "Der Boxer", inszeniert am Thalia Theaer Gaußstraße in Hamburg © Krafft Angerer Foto: Krafft Angerer

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Theater dürfen Produktionen für Preis vorschlagen

Für die Nominierungen hatte die Intendantin des Schauspiels Hannover, Sonja Anders, mit zwei Kollegen insgesamt 60 Produktionen gesichtet. "Es ist ein sehr breites Auswahlspektrum", sagte sie. Dies mache sehr viel Arbeit. "Aber dadurch werden auch kleinere Theater honoriert." Nicht Theaterkritiker wie beim Berliner Theatertreffen, sondern die Theater selbst dürfen Produktionen vorschlagen, ausgenommen ihre eigenen. In einem ersten Schritt wählten Fachleute der Branche und Vertreter des Deutschen Bühnenvereins jeweils drei Kandidaten und Produktionen in acht Kategorien. Am Ende wählte eine von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste zusammengestellte Jury einen Sieger pro Kategorie, erklärte der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Ulrich Khuon.

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"Rückkehr zum Theater als Verzauberungsmaschine"

Hunderte Vorschläge wurden so in diesem Jahr von 25 Theater-Fachleuten gesichtet. Klassische Produktionen wie "Hamlet" am Schauspiel Bochum oder "Dornröschen" an der Oper Leipzig waren unter den Nominierten - aber auch neue Stoffe wie das Jugendstück "Ankommen is WLAN" des Grips Theaters in Hamburg-Altona oder die Inszenierung "Ultraworld" der Volksbühne Berlin. "Ich finde, dass gerade die Stadttheater sich sehr mit Politik auseinandersetzen und gleichzeitig auch den Kampf des Individuums nach vorne schieben", sagte Anders. "Gleichzeitig gibt es ästhetisch gesehen wieder einen Trend zum Bildertheater, zum Glauben an das Theater als Verzauberungsmaschine. Beides ist auch in den Nominierungen vorhanden."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 21.11.2020 | 15:20 Uhr