Szene aus dem Stück "Publikumsbeschimpfung" des Klabauter Theaters Hamburg. © Klabauter Theater

Klabauter Theater spielt Handkes "Publikumsbeschimpfung"

Stand: 28.10.2020 13:10 Uhr

Das Klabauter Theater Hamburg bringt Handkes "Publikumsbeschimpfung" auf die Bühne. Es geht um die Beziehung zwischen Darstellern und Publikum.

von Peter Helling

Wer lässt sich schon gerne beschimpfen, eine "Fratze" oder ein "Ohrfeigengesicht" nennen?  Literaturnobelpreisträger Peter Handke schrieb 1966 ein ganzes Stück aus Beschimpfungen: "Publikumsbeschimpfung". Jetzt wird es vom Klabauter Theater, der inklusiven Theaterbühne in der Nähe des Berliner Tors in Hamburg, auf die Bühne gebracht. 14 Schauspieler und Schauspielerinnen brüllen das Publikum an, sie lachen es aus. Nett ist das nicht, aber wer will schon "nett" sein? Kurz danach werfen sie mit Luftküssen um sich. Zuckerbrot und Peitsche.

"Publikumsbeschimpfung" ist pure Verweigerung

Regisseur Henri Hüster sagt, es sei eine Art von Verführung: "Eine Verführung, nahe zu kommen, um da wieder abgestoßen werden zu können." Peter Handkes "Publikumsbeschimpfung" macht seinem Namen alle Ehre. Das Stück aus den 1960er-Jahren ist pure Verweigerung. Hier gibt es keine festen Rollen, keine Handlung. Der Theaterzuschauer soll aus seiner Komfortzone herausgeholt werden.

Grenze zwischen Ensemble und Publikum wird überflüssig

Lars Pietzko gehört zum Klabauter-Ensemble. Mit der Beschimpfung des Publikums hätten einige seiner Kollegen schon Probleme gehabt, sagt er, schließlich wollten sie keinen vergraulen, die Zuschauer sollten ja wieder kommen. Aber der Regisseur habe ihnen diese Angst genommen. Die Grenze zwischen den Zuschauern und Zuschauerinnen und dem Ensemble wird bei dem Stück fließend - oder, noch besser, sie wird überflüssig. "Es gibt keine Handlung und kein Bühnenbild, sondern nur die Darsteller und das Publikum. Und gerade genau das ist das Spannende daran", sagt Pietzko.

Beschimpft wird mit offenen Armen

Szene aus dem Stück "Publikumsbeschimpfung" des Klabauter Theaters Hamburg. © Klabauter Theater
Die Schauspielerinnen und Schauspieler schimpfen nicht nur im Stück "Publikumsbeschimpfung - sie tragen bunte Kostüme und tanzen.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler tragen bunte Kostüme, Reifröcke und glitzernde Roben, sie sehen aus wie Theater-Figuren aus den vergangenen 200 Jahren. Sie drehen sich im Kreis, beginnen zu tanzen, heben die Arme. Henri Hüster sucht körperliche, sinnliche Theaterformen: "Plötzlich wird diese 'Publikumsbeschimpfung', was als Text gegen das Theater geschrieben wurde, zum Teil auch zur Feier des Theaters." Beschimpft wird hier also mit weit offenen Armen: "Ich vergleiche es mit einer Freundschaft. Publikum und Klabauter-Ensemble haben eine langjährige Freundschaft, und da muss sich jetzt mal endlich gestritten werden, damit man ein anderes Verhältnis kriegt." Das biete die Chance zu einem "Wir".

Klabauter ist ein inklusives Theater

Das Ensemble trägt einen Mund-Nasen-Schutz auf der Bühne, zwei Schauspieler sitzen in Rollstühlen. Das Klabauter ist ein inklusives Theater, aber eigentlich ist das für die Kunst völlig unwichtig. Der eigene Zuschauerblick wird hinterfragt. Für Karin Nissen-Rizvani vom Leitungsteam des Hauses hat das Stück etwas Befreiendes, eine Befreiung von dem Bild, das das Publikum möglicherweise vom dem Klabauter-Ensemble habe.

Das Klabauter-Ensemble jedenfalls macht deutlich: "Hey Leute, auch in Corona-Zeiten braucht ihr uns, die Kulturschaffenden. Wir sind keine Bittsteller, sondern: Wir sind wir!"

Klabauter Theater spielt Handkes "Publikumsbeschimpfung"

Mit dem Stück will das Ensemble der inklusiven Hamburger Bühne die Zuschauer aus ihrer Komfortzone herausholen.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Klabauter Theater
Jungestraße 7 a
202535Hamburg
Telefon:
(040) 253 046 313 (Mo.-Fr. 10 bis 15 Uhr)
E-Mail:
karten-klabauter@rauheshaus.de
Kartenverkauf:
Reservierung telefonisch oder per E-Mail.
Hinweis:
Öffentliche Generalprobe am 28.10.2020 um 19.30 Uhr
Premiere am 29.10.2020 um 19.30 Uhr (ausverkauft)
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Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 28.10.2020 | 19:00 Uhr