Bildhauer Dani Karavan © Picture-Alliance/dpa

Ein politischer Künstler: Bildhauer Dani Karavan ist tot

Stand: 30.05.2021 13:42 Uhr

Der israelische Bildhauer Dani Karavan ist tot. Er starb im Alter von 90 Jahren in Tel Aviv. In Deutschland war Karavan unter anderem für das Mahnmal für den NS-Völkermord an bis zu 500.000 Sinti und Roma in Berlin bekannt, das 2012 eingeweiht worden war.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters würdigte Karavan als eine der markantesten Künstlerpersönlichkeiten und echten Freund. "Mit dem Blick des israelischen Juden hat er unsere deutsche Geschichte ins Bild gesetzt und uns zum Perspektivenwechsel ermutigt", teilte die CDU-Politikerin mit. Weltweit hätten seine Kunstwerke Menschen zum Nachdenken und Hinterfragen angeregt. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) erklärte am Sonntag: "Der Deutsche Bundestag trauert mit den Angehörigen, mit Israel und der Kunstwelt um einen der bedeutendsten Künstler unserer Zeit." Das Parlament sei dem Werk Karavans seit dem Umzug nach Berlin in besonderer Weise verbunden: "Seine Installation 'Grundgesetz 49' steht inmitten des Regierungsviertels für die konzeptionell wie intellektuell anspruchsvolle Herangehensweise, bei der das Werk immer auch in den öffentlichen Raum wirkt." Mit der Gestaltung des Mahnmals für die ermordeten Sinti und Roma Europas habe Karavan einen bleibenden Beitrag zur Erinnerungskultur geleistet, sagte Schäuble.

Holocaust wichtiges Thema von Karavans Arbeiten

Karavan wurde 1930 als Sohn polnischer Einwanderer in Tel Aviv geboren. Die Familien seiner Eltern verloren viele Mitglieder während des Holocausts. Die Erinnerung an die Judenvernichtung ist ein wichtiges Thema seiner Arbeiten. Karavan lernte zuerst an der Bezalel-Akademie in Jerusalem Zeichenkunst, später studierte er in Florenz und Paris Malerei. 1996 erhielt er den Kaiserring von Goslar.

Aufsehen erregende Kunstwerke in aller Welt

Karavan schuf Aufsehen erregende Kunstwerke in aller Welt. Sein Markenzeichen waren begehbare Monumente - etwa der Heinrich-Böll-Platz in Köln oder die "Straße der Menschenrechte" am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Besonders bekannt ist sein 1994 vollendeter Gedenkort "Passagen" im spanischen Portbou. Er erinnert an den deutschen Philosophen Walter Benjamin, der in dem kleinen spanischen Grenzort 1940 auf der Flucht vor der Gestapo ums Leben kam. In Regensburg schuf er den Gedenkort für die im Mittelalter bei einem Pogrom zerstörte Synagoge, im Duisburger Hafen einen "Garten der Erinnerung".

In seiner israelischen Heimat zeichnet Karavan ebenfalls für monumentale Landschaftskunstwerke verantwortlich, etwa das Negev-Brigadedenkmal in Beerscheva und das "Weiße Stadt"-Denkmal in Tel Aviv.

Träger zahlreicher Auszeichnungen

1998 wurde Karavan in München für seine künstlerische Leistung als Bildhauer mit dem höchstdotierten Kunstpreis der Welt, dem 1988 in Japan ins Leben gerufenen "Praemium Imperiale", ausgezeichnet. 2004 erhielt er den "Piepenbrock Preis für Skulptur 2004". Die mit 50.000 Euro ausgestattete Auszeichnung gilt als Europas höchst dotierter Skulpturenpreis. Karavan war Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und gehörte dem Orden "Pour le merite für Wissenschaften und Künste" an.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 30.05.2021 | 14:30 Uhr