Stand: 19.01.2020 06:41 Uhr  - Hamburg Journal

Devid Striesow als "Ivanov" am Schauspielhaus

von Katja Weise

Im vergangenen Jahr hat Karin Beier am Hamburger Schauspielhaus zum ersten Mal mit dem Schauspieler Devid Striesow zusammengearbeitet. Jetzt hat sie ihn wieder geholt - für ihre Inszenierung von Tschechows "Ivanov", er spielt die Titelrolle. Doch auch sonst ist der Abend hochkarätig besetzt. Am Sonnabend war Premiere.

Schauspielhaus: Devid Striesow spielt "Ivanov"

Hamburg Journal -

Tschechows "Ivanov" erzählt von einer Gesellschaft voller Kälte und Angst. Am Sonnabend feierte das Stück mit Devid Striesow in der Titelrolle seine Premiere am Schauspielhaus Hamburg.

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Die Bühne ist leer - nur schwarze Wände, zwei, drei Scheinwerfer, sonst nichts. Und das wird sich in den kommenden drei Stunden auch nicht ändern. Genauso wenig, wie sich die Befindlichkeit von Ivanov ändern wird, der sich langsam aus dem Hintergrund löst. Ivanov war einmal ein erfolgreicher Mann, davon zeugen noch das weiße Hemd und der hellgraue Anzug. Er hat seine Frau geliebt, doch irgendwann sind ihm Geld, Gefühle und Energie abhandengekommen: Er empfindet nur noch Leere. Der Arzt, der Ivanovs todkranke Frau behandelt, appelliert immer wieder an Ivanov, sich um sie zu kümmern, doch der flieht Abend für Abend in das Haus des befreundeten Nachbarn. Dessen Tochter verliebt sich ihn.

Soziales Panorama will Gegenwart spiegeln

"Ivanov" ist Tschechows erstes Stück, 1887 in einer ersten Fassung uraufgeführt. Und schon hier fasziniert die Hellsichtigkeit des Autors, die Zeitlosigkeit des Themas. Karin Beier und ihre Dramaturgin Rita Thiele stellen die Aktualität des Stückes in ihrer Fassung, das am Hamburger Schauspielhaus Premiere gefeiert hat, fast schon plakativ heraus.

Striesow als bankrotter Gutsbesitzer: Zwischen Apathie und Aggression

Die Zeit ist aus den Fugen, die Moral im Keller, die Gesellschaft hat den Boden unter den Füßen verloren - nicht nur Ivanov, den Devid Striesow als eine Mischung aus Jammerlappen und Kämpfer spielt. Er wechselt zwischen Apathie und Aggression, kann die Spannung jedoch nicht über die gesamten drei Stunden halten, ab und zu entsteht eine Leerstelle. Umgeben ist Striesow von einem hervorragenden Ensemble: Es gibt unter anderem ein Wiedersehen mit Bastian Reiber, früher fest am Schauspielhaus, er brilliert als schmieriger und gewitzter Verwalter.

Geschichte einer Gesellschaft im Umbruch

Karin Beier zeichnet ein düsteres Psychogramm. Ivanovs tiefe Depression steht hier stellvertretend für die Orientierungslosigkeit und den daraus manchmal resultierenden sinnentleerten Aktionismus einer Gesellschaft im Umbruch. Die leere Bühne weiß sie dabei gut zu nutzen, gelegentliche Längen passen zum Thema.

Beier schöpft auch das komische Potenzial aus, Tschechow nannte "Ivanov" zunächst sogar eine Komödie. Über allem steht jedoch die Verzweiflung darüber, die Leere einfach nicht vertreiben zu können. Das muss man aushalten.

Devid Striesow als "Ivanov" am Schauspielhaus

Mit Devid Striesow in der Titelrolle hat Anton Tschechows Tragödie "Ivanov" am Samstagabend Premiere im Deutschen Schauspielhaus gefeiert. Intendantin Karin Beier hat inszeniert.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Deutsches Schauspielhaus Hamburg
Kirchenallee 39
20099  Hamburg
Telefon:
040 24 87 10 (Zentrale)
E-Mail:
kontakt@schauspielhaus.de
Preis:
11,00 - 53,00
Kartenverkauf:
Kartentelefon: 040 24 87 13
oder über die Website des Schauspielhauses
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Hamburg Journal | 18.01.2020 | 19:30 Uhr

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