Stand: 17.01.2020 15:58 Uhr  - NDR Kultur

Matthias Katsch: Ein sechsstelliger Betrag ist angemessen

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Matthias Katsch machte 2010 den Missbrauch am Berliner Canisius-Kolleg öffentlich. Er ist Sprecher der Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch".

Matthias Katsch, Sprecher der Initiative "Eckiger Tisch", die sich für Betroffene sexualisierter Gewalt einsetzt, hält Entschädigungszahlungen seitens der katholischen Kirche in sechsstelliger Höhe je Opfer für angemessen. Katsch äußerte sich im Gespräch auf NDR Kultur: "Man muss sich ja nur anschauen, was in anderen Ländern an Entschädigungen gezahlt wird, etwa in Australien, den Niederlanden, Irland. Das geht schon in den Bereich eines sechsstelligen Betrages." Die deutsche Kirche sei die reichste Kirche der Welt, sagte Katsch und fragte weiter: "Wenn sie das nicht stemmen und an unsere Lebensverhältnisse angepasste Summen anbieten kann, wer dann?"

Sorge bei anderen Institutionen über Konsequenzen

Natürlich müsse man über die genaue Höhe der Summe noch einmal gemeinsam mit den katholischen Bischöfen sprechen, so Katsch weiter. Doch das ganze Prinzip der Entschädigungszahlung womöglich wieder infragezustellen, wäre fatal, sagte er mit Blick auf Vorschläge, eine gesamtgesellschaftliche Einigung in der Frage der Entschädigung von Betroffenen sexualisierter Gewalt anzustreben: "Wenn ich etwas nicht will, dann muss ich das Problem nur generalisieren, weil man dann vom Konkreten ablenkt und im Allgemeinen dann auch keine Lösung findet."

Er vermute, dass im Hintergrund auch Stimmen auf die katholischen Bischöfe einredeten, die sich Sorgen machten, welche Konsequenz es für andere Institutionen wie etwa die evangelische Kirche oder Sportverbände gebe, wenn die katholische Kirche zu einer eigenen Regelung der Entschädigungsfrage käme, die im positiven Sinne abweicht von dem, was in der deutschen Gesellschaft bislang üblich ist.

Katholische Kirche könnte positives Beispiel setzen

Buchtipp:

Damit es aufhört.
Vom befreienden Kampf der Opfer sexueller Gewalt in der Kirche
Autor: Matthias Katsch

Nicolai Verlag
168 Seiten
18 Euro

Das eigentliche Signal, das nun gesetzt werden müsse, sei, dass die Kirche ihr Versagen als Institution anerkenne und dafür konkret Verantwortung übernehme. Alles andere sei Ablenkung, so Katsch. Mit diesem Signal könne die katholische Kirche darüber hinaus ein Beispiel geben und damit Kräfte mobilisieren für eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung. Damit wäre die Kirche nicht nur Teil des Problems in der Vergangenheit, sondern könne in Zukunft Teil der Lösung werden.

Weitere Informationen

Bischof Bode: Keine Entschädigung aus Kirchensteuer

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat sich dagegen ausgesprochen, Zahlungen an Betroffene sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche aus Kirchensteuern zu finanzieren. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Das Gespräch | 18.01.2020 | 18:00 Uhr

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