Stand: 15.07.2020 08:40 Uhr  - NDR Kultur

Das Beste aus der deutschen Kleinkunstszene

von Agnes Bührig
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Clown Frans unterhält das Publikum mit seiner Pantomime.

Durch den Großen Garten von Schloss Herrenhausen spazieren und an jeder Ecke auf Clowns, Musikerinnen und Kabarettisten stoßen - das ist das Konzept vom "Kleinen Fest im Großen Garten" in Hannover. Doch in diesem Jahr ist alles anders: Das beliebte Kleinkunstfestival, das Harald Böhlmann vor mehr als 30 Jahren startete, ist komprimiert auf täglich zwei Vorführungen im barocken Gartentheater von Schloss Herrenhausen, die das Beste der deutschen Kleinkunstszene bieten sollen. Der Titel: "Best of Kleines Fest". Jetzt wurde der Auftakt gefeiert.

Stand-up-Comedian Sascha Korf - Kugelbauch, Doppelkinn und rheinische Frohnatur - blickt zu einer der athletischen Goldfiguren am Rand der barocken Freilichtbühne hoch: "Ich finde es wahnsinnig schön, dass ihr alle da seid, und allein, was Harald gemacht hat, das ist so unglaublich, denn er hat tatsächlich Statuen nach meinem Abbild kreiert", schwärmt er. Doch bevor er zu einer amüsanten Litanei über seinen alternden Körper ansetzt, präsentiert der 52-Jährige munter die Kollegen.

Wortakrobatik und Improvisation

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Das Duo "Helge und das Udo" ist bekannt für seine beeindruckende Wortakrobatik.

Helge Thun und Udo Zepezauer nennen sich "Helge und das Udo" und präsentieren wunderbare Wortakrobatik in schleswig-holsteinisch-schwäbischer Mischung. Beim Zahnarzt mit nichts als Worten, die mit Z beginnen: "Zustand ziemliche Zumutung: Zahnstein, Zahnfäule, Zahnfleischbluten? Zivilisationszipperlein!!!". Und sie improvisieren zu Berufen und imitieren Fremdsprachen, die ihnen aus dem Publikum zugeworfen werden.

Sprachen gehen eben immer. Dialekte auch, wie der Süddeutsche Frank Fischer mit der Ansage eines Zugbegleiters zeigt. In breitem Schwäbisch sagt er: "Ich möchte nun eine Korrektur der Ausstiegsrichtung vornehmen. Der Ausstieg befindet sich nun mal nicht links sondern - gegenüberliegend ..."

Corona einfach mal vergessen

Die Bahn habe ihm in der Corona-Zeit richtig gefehlt. Zeit also, sich auf die nächste Fahrt vorzubereiten, sagt der Comedian und empfiehlt dem Publikum absurde Monologe für Fake-Telefonate, die übermäßig laute Mitreisende verstummen lassen. Ansonsten aber sei das Virus wenig inspirierend für seine Arbeit, sagt Frank Fischer: "Ich habe am Anfang so ein paar Sachen über Corona gesagt und habe gemerkt: Die Leute wollen das eigentlich gar nicht hören, sondern wollen ins Theater kommen und wollen einfach abschalten und nichts mehr von Corona hören."

Und das klappt an diesem leicht regnerischen Abend im mehr als zur Hälfte gefüllten Gartentheater Herrenhausen wunderbar. Sascha Korf verbindet mit ansteckendem Humor die einzelnen Nummern durch Schabernack mit dem Publikum. Die Kleinkunst ist gut gemischt und reicht von Wortspiel und Comedy über Pantomime mit Clown Frans bis zur Bauchsängerin Sabine Murza mit ihrer rockenden und vorlauten Ratte Kalle.

Die Vorstellungen im Gartentheater gibt es noch bis zum 3. August.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 15.07.2020 | 07:20 Uhr

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